Österreichpremiere für minimalinvasiven Doppel-Herzklappeneingriff

KWG Binder Ronald Prim 120Durch die Anwendung minimalinvasiver Methoden kann ein Herzklappeneingriff heute ohne Eröffnung des Brustkorbes von der Leiste aus durchgeführt werden. Dabei wurde bis dato jeweils nur an einer der vier Herzklappen interveniert. Erstmals in Österreich konnten am 12. Juli 2017 am Klinikum Wels-Grieskirchen zwei Herzklappen gleichzeitig in einem minimalinvasiven Eingriff bei einer Patientin behandelt werden.

„Die Patientin litt unter zwei Herzklappenfehlern: Eine Herzklappe war stark verkalkt und öffnete nicht mehr richtig. Eine zweite war gravierend undicht und konnte nicht mehr schließen“, erklärt Ronald Binder, leitender Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Dadurch wurde der Herzmuskel stark belastet und chronisch geschädigt. Dies äußerte sich bei der Patientin durch Atemnot und eine ausgeprägte Leistungsschwäche.“ Eine Intervention an beiden fehlerhaften Herzklappen war die einzige Möglichkeit, der rüstigen 84-jährigen Patientin zu helfen.

Minimalinvasiver Herzklappenersatz am schlagenden Herzen

Nach Erörterung des Falls im Heartteam des Klinikums trafen die Spezialisten aus Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesiologie die Entscheidung gegen eine Operation am offenen Herzen. „Gründe dafür waren unter anderem das fortgeschrittene Alter der Patientin und die bereits durchgemachten Voroperationen – die Eröffnung des Brustkorbs und die Aufrechterhaltung des Kreislaufs über die Herz-Lungen-Maschine stellten ein zu hohes Risiko dar“, so Binder. Die moderne Transkatheter-Methode stellt dahingegen eine relativ schonende, minimalinvasive Alternative für Risikopatienten dar: „Mittels Herzkatheter wird die neue Herzklappe zusammengefaltet an ihren Einsatzort gebracht und dort entfaltet. Dieser Eingriff erfolgt am schlagenden Herzen, eine Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt.“ Die moderne Transkatheter-Methode ist auch mit einem wesentlich kürzeren Krankenhausaufenthalt verbunden als die Herzklappen-OP.

Doppelter Eingriff, einmalige Belastung – erstmals zwei Klappen gleichzeitig behandelt:

Am Klinikum Wels-Grieskirchen hat nun ein spezialisiertes Ärzteteam erstmals in Österreich in einem einzigen minimalinvasiven Eingriff eine Herzklappenprothese von der Leistenarterie aus in die erste Herzklappe (Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, TAVI) implantiert und gleichzeitig von derselben Leiste aus die zweite Herzklappe mittels Klipp-Implantation abgedichtet. Durch die kombinierte Intervention war kein Eingriff am offenen Herzen notwendig, das Eingriffsrisiko für die Patientin deutlich herabgesetzt. Sie konnte bereits am nächsten Tag wieder aufstehen und das Klinikum einige Tage später selbständig, zu Fuß und ohne Atemnot verlassen.

DSC 0995 450

Die rüstige Patientin ist wohlauf und konnte wenige Tage später selbständig, zu Fuß und ohne Atemnot das Klinikum wieder verlassen. © Klinikum Wels‐Grieskirchen

Innovative Herzkompetenz am Klinikum Wels-Grieskirchen

Mit Ronald K. Binder leitet seit Mai 2017 ein international erfahrener Herzspezialist die Abteilung für Kardiologie und Intensivmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen. Der Forschungsschwerpunkt des Herzspezialisten liegt in der minimalinvasiven Therapie von Herzerkrankungen. Durch den Einsatz der Kathetertechnik und Bildgebungsverfahren, wie den intrakardialen Ultraschall, können heute viele Herzeingriffe ohne große Operation und auch ohne Narkose schonend durchgeführt werden. Ronald K. Binder beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit der Entwicklung der Transkatheter-Technik und der Verbesserung innovativer Technologien für den Herzklappenersatz.
Die Kardiologie am Klinikum Wels-Grieskirchen leistet seit mehr als 30 Jahren Spitzenmedizin in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bereits 1986 wurde die erste Herzkatheter-Untersuchung erfolgreich durchgeführt. Heute werden pro Jahr mehr als 4.000 Eingriffe im Herzkatheterlabor vorgenommen und über 1.000 Stents gesetzt. Für die Betreuung der Patienten stehen sämtliche nicht-invasiven und invasiven Untersuchungsmethoden zur Verfügung, das therapeutische Spektrum umfasst alle Möglichkeiten der modernen Kardiologie auf internationalem Niveau.

Bild Teaser: Prim. Priv.‐Doz. Dr. Ronald K. Binder, Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie und Intensivmedizin, Klinikum Wels‐Grieskirchen © Klinikum Wels‐Grieskirchen