Kultur & Dokumentation

Pius XI. und Österreich

Ein österreichisches Forschungsprojekt wertet die seit wenigen Jahren zugänglich gewordenen Quellenbestände des vatikanischen Geheim- archivs zum Pontifikat Pius XI. (1922–1939) mit Bezug auf Österreich aus. Die österreichischen Diözesanarchive bereiten im Rahmen dieses Projekts die bischöflichen Quinquennalrelationen zur Edition vor.

Das Projektteam, in dem auch der Wiener Diözesanarchivar Dr. Johann Weißensteiner mitarbeitet, veranstaltete am 22./23. November 2012 eine internationale Tagung im Hauptgebäude der Universität Wien, die sich unter dem Titel „Pius XI. und Österreich“ mit den Fragen einer „römischen Kirchenleitung im Schatten der Diktatoren“ beschäftigt hat. Die insgesamt 18 kirchenhistorischen Vorträge haben sich im besonderen dem Verhältnis zwischen Kurie, Ortskirche und Politik in Österreich und in den „kleinen katholischen Nationen Europas“ gewidmet. Im Eröffnungsvortrag stellte Johan Ickx vom Archiv der Kongregation Affari ecclesiastici straodinarii die vatikanischen Archivalien zum Pontifikat Pius XI. vor.
Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Website des Projekts unter http://piusxi.univie.ac.at.

Neuer Kustos in Klosterneuburg

Zum neuen Kustos im Stift Klosterneuburg wurde MMag. Dr. Nicolaus Urs Buhlmann CanReg. bestellt. Ihm wurde damit von Abtprimas Propst Bernhard Backovsky die Verantwortung für das Archiv, die Bibliothek, das Museum und die Schatzkammer des Stiftes übertragen. H. Nicolaus war nach seinem Geschichtestudium in Deutschland als Journalist und Pressesprecher tätig, bevor er Theologie studierte und 2004 zum Priester geweiht wurde. Er trat 2008 in das Stift Klosterneuburg ein.

Der reiche Sammlungsbestand des Stiftes wird von einem Team mit mehreren Mitarbeitern betreut. Insgesamt umfasst das Museum mit der Schatzkammer rund 950 Gemälde, 700 Original- und 15.000 Druckgrafiken, 250 Skulpturen und rund 1100 kunstgewerbliche Objekte. Die Bibliothek mit rund 300.000 Bänden – darunter mehr als 1.200 Handschriften und Inkunabeln – stellt die größte nichtstaatliche Bibliothek des Landes dar.

H. Nicolaus Buhlmann löst in seiner Funktion als Kustos Univ.Prof. DDr. Floridus Röhrig CanReg ab, der dieses Stiftsamt durch 53 Jahre innehatte. Ihm verdanken zahlreiche HistorikerInnen und ArchivarInnen und mit ihnen die kirchenhistorische Forschung in Österreich wesentliche Impulse und Erkenntnisse.

Kirchenlehrerin Hildegard

Am Sonntag, den 7. Oktober 2012, wurde die Heilige Hildegard von Bingen (1098–1179) zur Kirchenlehrerin erhoben. Die Anerkennung eines Theologen und Heiligen als Kirchenlehrer, womit nicht nur die Heraushebung seines Festtags im liturgischen Kalender verbunden ist, sondern auch die Vorrangigkeit seiner Lehre im theologischen Beweisgang, war die längste Zeit reine Männersache. Erst ab 1970 erfolgte mit der Erhebung der hl. Therese von Avila und der hl. Katharina von Siena, später auch der hl. Therese von Lisieux eine Anerkennung der Theologie, die von Frauen gelehrt wurde. Insgesamt gibt es 31 Kirchenlehrer und 4 Kirchenlehrerinnen.

Hildegards Hauptwerk „Scivias“ („Wisse die Wege“) handelt von der Erlösung Christi und den Gnadenwerken seiner Kirche und ihr „Liber Vitae meritorium“ ist ein Lehrbuch der christlichen Ethik. Ihre Bücher zählen zu den ältesten Schriften der deutschen Mystik. Bekannter sind allerdings ihre medizinischen und naturwissenschaftlichen Arbeiten. Ihre Bücher über das Heilen mit Pflanzen und Steinen inspirierte zahlreiche Gesundheitsratgeber der „Hildegardmedizin“.

Eine Bibliographie der Werke von und über Hildegard von Bingen können Sie hier herunterladen:

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit

Nach einer knappen Einführung in die Schriftgeschichte, welche sich vom Mittelalter bis zur Moderne erstreckt und auch Bereiche wie (Be)Schreibstoffe und die Verwendung von Zahlen in den Kanzleien behandelt, liefert der Band ein Verzeichnis der Maß- und Münzeinheiten und eine sehr hilfreiche Auflistung der Abkürzungen und Fachausdrücke in der (bayerischen) Kanzleisprache. Anschließend haben die beiden Bearbeiterinnen knapp 70 Schriftbeispiele inklusive Transkriptionen in gut benutzbarer Form aufbereitet. Die Stücke reichen von herrschaftlichen Urkunden über Amtsbucheinträge bis zu privaten Briefen und bilden mit den abschließenden Literaturangaben einen guten Überblick über die deutschsprachigen Schriften der Neuzeit. Die verhältnismäßig aktuelle Handreiche kann als hilfreiches Werk zu den Kurrentschriften der Neuzeit gesehen werden, die lokale Fixierung auf Bayern stört keineswegs, sie darf als stellvertretendes Beispiel deutscher Schriften verstanden werden. 

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit. Ein Übungsbuch mit Beispielen aus bayerischen Archiven, bearb. von Elisabeth Noichl und Christa Schmeißer, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und dem Bayerischen Landesverein für Familienkunde,  München Danuvia Druckhaus 2006, 160 Seiten, ISBN: 3-921635-94.2. € 49,90.

Alte Schriften lesen lernen

Alte Schriften und damit historische Archivquellen und Handschriften lesen zu können, ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit als ArchivarIn und BibliothekarIn. Verschiedene Kursangebote, aber auch Anleitungen zum Selbststudium, richten sich an alle, die das Lesen historischer Schriften erlernen oder üben wollen. Diözesan- und Landesarchive bieten regelmäßig Lesekurse bzw. Kurse für die Benützung des Archivs an. Auch an Volkshochschulen gibt es Lesekurse, Ausbildungslehrgänge für Heimatforschung bieten Landesarchive oder Landesakademien an.

Onlineangebot

Wer sich den alten Schriften im Selbststudium widmen will, hier eine Auswahl der Angebote:

Das wahrscheinlich größte und breiteste Programm bietet Ad fontes, ein Online-Projekt der Universität Zürich. Neben einem umfangreichen Angebot an Transkriptionsübungen vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert werden auch Übungen zur Schriftgeschichte und zu alten Rechnungs- und Maßeinheiten geboten. Die Schriftbeispiele stammen aus dem Stiftsarchiv Einsiedeln. Der Zugang ist kostenlos, alle Übungen finden am PC statt.

Auf geschichte online der Universität Wien können Sie ebenfalls die Kurrentschriften erlernen. Neben einem kurzen Überblick über die Schriftentwicklung wird auch hier ein Kurrentlesekurs angeboten.

Es gibt auch eine Reihe privater Anbieter von Lesekursen im Netz. Auf der Website von Margarethe Mücke gibt es einen Schreiblehrgang Kurrentschrift. Informationen und Leseübungen für die Sütterlinhandschrift bieten www.suetterlinschrift.de und www.genealogy.net. Einen Kurs für lateinische Paläographie des Mittelalters bietet die Virtuelle Hochschule Bayern.

Literatur

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit. Ein Übungsbuch mit Beispielen aus bayerischen Archiven, bearb. von Elisabeth Noichl und Christa Schmeißer, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2006. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in der Bücherecke.

Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.), Schriftbeispiele. Handschriften des 15. bis 20. Jahrhunderts, 4. Aufl., Linz 1999.

Der Band des Oberösterreichischen Landesarchivs ist als Hilfestellung für angehende Archivbenutzer und –benutzerinnen gedacht. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Kurrentschrift werden etwa 30 Beispiele mit danebenstehenden Transkriptionen geboten. Die Beispiele reichen wie im Titel angegeben vom Spätmittelalter bis in das frühe 20. Jahrhundert.

Handbuch für Heimat- und Familienforschung in Niederösterreich: Geschichtsquellen, Hintergründe, Literatur, Methodik, Praxis, hrsg. von Willibald Rosner und Günter Marian, St. Pölten 2008, S. 174-181. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in der Bücherecke.

Abschließend sei noch auf eine von Helga Penz verfasste kurze Zusammenfassung der Deutschen Kanzleischrift ab 1600 verwiesen, die im Anschluss zum Download bereit steht.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.