Kultur & Dokumentation

Archive als lebendige Gedächtnisorte der Orden

Der 9. Juni ist der „Internationale Tag der Archive“. Die Österreichische Ordenskonferenz präsentiert anlässlich dieses Tages aktuelle Zahlen einer ordensinternen Umfrage und vier Kurzvideos mit Besonderheiten aus den jeweiligen Ordensarchiven.

Sr. Illuminata Blümelhuber, Archivarin im Provinzarchiv der Kreuzschwestern in Wels, präsentiert das kleinste liturgische Gebetsbuch der Schwestern aus dem Jahre 1939. (c) PEM-Archiv 2022

Sr. Illuminata Blümelhuber, Archivarin im Provinzarchiv der Kreuzschwestern in Wels, präsentiert das kleinste liturgische Gebetsbuch der Schwestern aus dem Jahre 1939. (c) PEM-Archiv 2022 Fotodownload

Gedächtnis der Orden über Jahrhunderte

Nahezu alle Ordensgemeinschaften haben Archive, sie sind das Gedächtnis der Orden, das oft über Jahrhunderte erhalten bleibt und auch nachfolgenden Generationen einen Blick in vergangene Zeiten ermöglicht.

Die Österreichische Ordenskonferenz hat im letzten Jahr eine Umfrage unter den Ordensarchiven durchgeführt. Insgesamt haben 37 Frauenorden und 21 Männerorden an der Umfrage teilgenommen und Informationen zu ihren Archiven bekanntgegeben. (Einige Ordensgemeinschaften haben noch kein Archiv, da das Gründungsdatum noch zu „jung“ ist.) Zum Internationalen Tag der Archive präsentieren die Ordensgemeinschaften Österreich einige wichtige Zahlen und spannende Fakten aus der Umfrage.

Ordensarchive – vielseitig und einzigartig

So unterschiedlich und vielfältig die 193 heimischen Ordensgemeinschaften sind, so einzigartig sind auch die jeweiligen Ordensarchive und variieren in Größe, Bestand, den Zeiträumen, aus denen die Akten stammen u.v.m. Laut den eingelangten Rückmeldungen der Umfrage gibt es Ordensarchive von ganz klein bis ganz groß – das kleinste Ordensarchiv misst zwei m2, das größte umfasst eine Fläche von 850 m2. In Laufmetern variieren die Archive von einem Laufmeter bis zu 1.300 Laufmetern.

Betreut werden die Ordensarchive von Ordensleuten selbst oder auch von Mitarbeiter*innen, Ehrenamtlichen und hin und wieder kommen auch Praktikant*innen zum Einsatz. 37 Ordensarchive werden direkt von einer Ordensfrau oder einem Ordensmann betreut.

Das berühmteste Archivale aus der Erzabtei St. Peter ist das frühmittelalterliche Verbrüderungsbuch. (c) Archiv der Erzabtei St. Peter/ÖAW

Das berühmteste Archivale aus der Erzabtei St. Peter ist das frühmittelalterliche Verbrüderungsbuch. (c) Archiv der Erzabtei St. Peter/ÖAW Fotodownload

8. Jahrhundert bis heute

In den Archiven der Ordensgemeinschaften werden Unterlagen beginnend ab dem 8. Jahrhundert bis heute aufbewahrt. Ordensarchive sind sogenannte lebende Archive, die aus den Ordensverwaltungen jährlich Zuwächse erhalten.

Dass Archive für die Gesellschaft wertvoll und von Interesse sind, zeigen die bis zu 300 Anfragen und rund 400 Benutzer*innen pro Jahr in einzelnen Archiven. Der Bogen der Interessenten spannt sich von der Familienforschung bis hin zu umfangreichen wissenschaftlichen Forschungsprojekten.

Von Kuriositäten und Besonderheiten

Unter den zahlreichen Akten und Unterlagen in den Ordensarchiven befinden sich auch ganz besondere „Schätze“ und Kuriositäten. So zum Beispiel originale Pläne von Prandtauer, Muggenast und Fischer von Erlach, Briefe von Martin Luther und von Feldmarschall Radetzky, barocke Kaufbriefe und natürlich Akten aus der Gründungszeit der Orden.

Vor 400 Jahren wurde in Salzburg eine Benediktineruniversität erreichtet. Das Siegel befindet sich heute im Archiv der Erzabtei St. Peter. (c) Archiv der Erzabtei St. Peter

Vor 400 Jahren wurde in Salzburg eine Benediktineruniversität erreichtet. Das Siegel befindet sich heute im Archiv der Erzabtei St. Peter. (c) Archiv der Erzabtei St. Peter Fodownload

Videos geben Einblicke in Archive

In vier Videos geben Archivarinnen und Archivare einen Einblick in ihre Ordensarchive und zeigen jeweils eine Besonderheit.

Hier gehts zur Playlist auf YouTube 

Erzabtei St. Peter: Ein 1200 Jahre altes Verbrüderungsbuch 

Gerald Hirtner, Leiter des Archivs der Erzabtei St. Peter, präsentiert im Kurzvideo zwei besondere Archivalien: Das berühmteste Archivale ist das frühmittelalterliche Verbrüderungsbuch. Die darin enthaltenen Namenslisten dokumentieren die zahlreichen über ganz Europa reichenden Kontakte und Verbindungen, die die Salzburger Kirche bereits vor 1.200 Jahren hatte. Zudem zeigt der Archivleiter das Universitätssiegel; vor genau 400 Jahren wurde in Salzburg eine Benediktineruniversität errichtet. Das Stift St. Peter war durchgängig in die Universitätsleitung involviert, so dass sich das Siegel heute im Archiv der Erzabtei St. Peter befindet. 

Kreuzschwestern: Das kleinste liturgische Gebetsbuch

Sr. Illuminata Blümelhuber, Archivarin im Provinzarchiv der Kreuzschwestern in Wels, präsentiert eine Kostbarkeit aus dem Bestand „Spiritualität“: Das kleinste liturgische Gebetsbuch der Schwestern aus dem Jahre 1939. Es ist nur wenige Zentimeter groß und umfasst auf 264 Seiten das lateinische „officium parvum“, dass die Schwestern gebetet haben. Das Büchlein weist Gebrauchsspuren auf, und so wie es im Archiv aufbewahrt wird, ist es Zeugnis der Spiritualität der Schwestern.

Stift Wilten: Ein altes und ein neues Archiv 

Das Stift Wilten hat vor kurzem ein neues Archiv bezogen. Miriam Trojer, Leiterin des Stiftsarchives, gewährt im Video einen Einblick in das alte Archiv mit einem Archivschrank aus dem Jahr 1780. Das neue Archiv ist ausgestattet mit einer Rollregalanlage, Planschränken, einem Quarantäne- und einem Manipulationsraum sowie neuen Büroräumlichkeiten.

Aus dem Archiv der Ordenskonferenz 

Auch die Österreichische Ordenskonferenz hat ein umfangreiches Archiv mit Unterlagen der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. Iris Forster, Archivarin und Referentin für Ordensarchive, gibt einen Einblick in das Medienarchiv der Österreichischen Ordenskonferenz und zeigt Dias aus vergangenen Zeiten.

Ordensarchive Österreichs

Die Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive Österreichs wurde 2003 ins Leben gerufen und dient der Interessensvertretung, der Unterstützung, der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch der Ordensarchive bei ihrer Tätigkeit.

Zu fachlichen Fragen werden Tipps, Handreichungen und Hilfsmittel publiziert, etwa wenn es um den richtigen Umgang mit digitalen Dokumenten, die Bewertung von Unterlagen oder die Benützung von Archivgut geht.

Die Ordensarchive Österreichs sind in einem Klosterportal, das regelmäßig aktualisiert wird, erfasst. Zudem erscheinen in der Zeitschrift „Mitteilungen zu den Kulturgütern der Orden“ (MiKO) des Bereichs Kultur und Dokumentation jährlich interessante Fachvorträge rund um das Thema (Ordens)archiv.

Internationaler Tag der Archive

Der Internationale Archivrat (ICA) hat den 9. Juni zum "Internationalen Tag der Archive" erklärt. An diesem Tag wurde 1948 unter der Schirmherrschaft der UNESCO der „Internationale Archivrat“ (ICA) gegründet.


Weiterlesen:

Bereich Kultur und Dokumentation

Studientag Archive: Kontinuitäten und Umbrüche im Archivwesen

Ordensarchive: Ein unverzichtbarer Beitrag zur „kulturellen Seelsorge“

[renate magerl]

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