Einblick in Archiv und Bibliothek des Stifts Schlägl

Mag. Dr. Petrus Bayer OPraem ist Historiker, Prior des traditionsreichen Prämonstratenserstifts Schlägl und betreut das Stiftsarchiv und die -bibliothek. Hier gibt er einen Einblick in seinen Aufgabenbereich.

Das Stiftsarchiv Schlägl - Schätze vom Mittalter bis heute

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten zum 2018/19 gefeierten Jubiläum „800 Jahre Stift Schlägl“ wurden auch die Archivräumlichkeiten im Stift umfangreichen Renovierungen unterzogen und das Archiv um einige Räume erweitert. Die Archivalien sind nun in vier großzügigen Magazinräumen untergebracht, die teilweise mit Verschubregalsystemen ausgestattet sind, sodass das Archiv auch für die Überlieferung der nächsten Generationen genügend Platz bietet.

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Bis in die frühe Neuzeit hat der jeweilige Propst die Korrespondenzen in seinem Schlafzimmer aufbewahrt, die wertvolleren Bestände verwahrte man wohl in der Sakristei. Propst bzw. Abt Martin Greysing (1627–1665), ließ im Zuge des Wiederaufbaus des Stiftes nach dem Großbrand des Jahres 1626 im ersten Obergeschoß des Nordtrakts einen eigenen Archivraum einrichten, der über eine Treppe mit der darüberliegenden Prälatur verbunden war. Dieser Raum bildet bis heute den Hauptraum des Stiftsarchivs.

Erste Verzeichnungs- und Ordnungsarbeiten im 16. Jahrhundert

Erstmals intensiv mit den Beständen scheint sich Propst Wenzeslaus Zypser (1589–1608) beschäftigt zu haben. Er ließ sämtliche Urkunden im Wortlaut in zwei Kopialbüchern eintragen und ein Gesamturbar erstellen. Dahinter stand allerdings nicht so sehr ein historisches Interesse als vielmehr die Absicht, die Rechte des Stiftes zu sichern und für eine wirtschaftliche Konsolidierung fruchtbar zu machen. 1650 ordnete Franz Freisleben (Abt 1665–1677) die Urkunden und erstellte dazu ein Verzeichnis. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert haben sich auch erste grobe Inventare des wichtigsten Aktenmaterials erhalten. Eine erste umfassende Ordnung und Verzeichnung der Akten nahm Gregor Mylde (1747–1810) zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor, wobei die Urkunden und das Aktenmaterial getrennt wurden. Das Archiv war in acht Kästen mit jeweils 36 Laden untergebracht. Den Bestand erschloss ein zweibändiger Index. Die Ordnung Myldes bestand im Wesentlichen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Von der Rettung des "alten Papiers" 1945 bis zur gründlichen Renovierung und Erweiterung 2016/17

Als 1945 die sowjetische Besatzungsmacht im Kloster ihr Quartier aufschlug und man ausgerechnet im Archiv die Latrinenräume einrichtete, brachten die Soldaten das „alte Papier“ in Wäschekörben in den Stiftshof, um es verbrennen zu lassen. Dem Stiftsschaffner Augustin Gahleitner gelang es schließlich mit einigen Helfern die Archivalien ins Betzimmer zu verlagern. Die Forstamtskorrespondenz der 1930er Jahre war allerdings zum Teil bereits vernichtet. Nachdem schon Archivar Laurenz Schuster (1926–1961) mit einer Neuordnung des Archivs begonnen hatte, wurden 1962 und 1963 die Bestände durch das Oberösterreichische Landesarchiv neu geordnet, in Schachteln verpackt und verzeichnet. Im Großen und Ganzen wurde die alte chronologische Ordnung bzw. die Ordnung nach Ämtern beibehalten. Die chronologisch geordnete Briefsammlung wurde in den 1070er Jahren von Archivar Friedrich Reischl (1962–1982) nach Absendern geordnet und neu verzeichnet. Die Registratur wurde 1985 durch den Einbau einer Verschubregalanlage erweitert. Anfang der 1990er Jahre wurden die Altbestände der Pfarrarchive Haslach (mit einem Rest des Herrschaftsarchivs Lichtenau) und Ulrichsberg und 2009 das Pfarrarchiv St. Oswald b. H. in das Stiftsarchiv gebracht. Seit 2019 ist hier auch das Archiv der Pfarre Aigen untergebracht, das noch der Neuordnung harrt.

2016/17 wurde das Stiftsarchiv einer gründlichen Renovierung und Erweiterung unterzogen. Die neueren Akten und Rechnungen der Wirtschaftsbetriebe (ab etwa 1970) sind seither in einem eigenen Archivgebäude der Verwaltung untergebracht. Für die Wissenschafter und Forscher steht ein heller und freundlicher Arbeitsraum direkt über dem Stiftsportal zur Verfügung.

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Heute beherbergt das Stiftsarchiv Schlägl 657 - großteils aus dem Mittelalter stammende - Urkunden, rund 700 Handschriften und über 1.000 Schachteln Aktenmaterial. Die Bestände umfassen nicht nur die Archivalien der klosterinternen Verwaltung, sondern auch der zu Schlägl gehörenden Grundherrschaften und der klösterlichen Wirtschaft. Von besonderem Wert im Stiftsarchiv Schlägl ist der reichhaltige Aktenbestand aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Rechnungen und Akten aus dem 16. Jahrhundert sind hingegen nur wenige vorhanden.

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Die Stiftsbibliothek

Ebenso wie die wichtigsten Archivalien beherbergte die Sakristei im Mittelalter auch die Bücher. Ab dem frühen 15. Jahrhundert haben wir in Schlägl Hinweise auf ein Skriptorium, das unter Propst Andreas Rieder (1444–1481) eine beachtliche Produktivität zeigte. Besagter Propst vermehrte den Bücherschatz aber auch durch Ankäufe. Besonders zu erwähnen ist der Erwerb der Bibliothek des böhmischen Frühhumanisten und Kanonisten Johannes von Rabenstein (†1473), der in Bologna studiert hatte, mit Papst Pius II. in Kontakt war und aus Italien zahlreiche Handschriften in seine Heimat brachte. Die Kriegswirren in Böhmen trieben ihn in die Flucht, möglicherweise hielt er sich auch eine Zeit lang in Schlägl auf. Seine Büchersammlung gehört zu den bedeutendsten frühhumanistischen Bibliotheken und bildet den wichtigsten Bestand der Schlägler Stiftsbibliothek. Der Bücherzuwachs machte die Einrichtung eines eigenen Bibliotheksraums notwendig. Diese 1576 erwähnte Libereystube befand sich wohl im Südtrakt des Klosters.

Das 1633 errichtete Hausstudium führte zu einem weiteren raschen Anwachsen des Bücherbestands. Etwa zu dieser Zeit richtete man im Erdgeschoss des neuen Zellentrakts die Bibliothek ein, die aber dort auf mehrere Räume verteilt war. Obwohl vom Konvent der Bau eines Saals durchaus gewünscht war, kam es vorerst nicht dazu. Erst Abt Adolf Fähtz (1816–1837), der 1818 die Bibliothek des Gunskirchener Pfarrers Anton von Berchem erwarb, ließ 1829 einen Bibliothekssaal errichten. Der Bau wurde aber erst unter seinem Nachfolger Dominik Lebschy (1838–1884) vollendet.

Der gesamte Bibliotheksbestand umfasst derzeit etwa 100.000 Bücher, 240 handschriftliche Codices und 191 Inkunabeln.

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(Text: Prior P. Petrus Bayer OPraem; Fotos: Stift Schlägl)

Büchertipps zum Nachlesen über Stift Schlägl:

Petrus A. Bayer, Ulrich G. Leinsle (Hg.): Stift Schlägl. Beiträge zur Geschichte und Kultur. Wagner Verlag 2019 weiterlesen

Johannes Ramharter, In Krieg und Frieden. Leben und Wirken von Abt Martin Greysing (1592-1665) Linz 2019 weiterlesen