Als junge Schwester durfte ich zwischen 2001 und 2003 in Oaxaca/Mexiko Erfahrungen in der Pastoralarbeit sammeln, die mich bis heute prägen. Eine der wichtigsten davon war das Erlebnis der Gastfreundschaft. In unserer großen Landpfarre besuchten wir Schwestern die Leute in den 33 Dörfern. Unterwegs mit leichtem Gepäck, auf Ladeflächen von Jeeps, zu Fuß und mitunter zu Pferd, je nach Jahreszeit entweder nass oder in eine Staubwolke gehüllt, fanden wir herzliche Aufnahme bei den Familien. Die Erfahrung, dass die Menschen alles mit uns teilten, was sie hatten, beschämte mich als Wohlstands-Europäerin oft sehr. Das einzige Bett wurde uns Schwestern überlassen, während Jung und Alt auf dem Erdboden ihre dünnen Schlafmatten ausrollten. Wie selbstverständlich aßen wir Schwestern Tortillas und Bohnen am Tisch unserer Gastgeber*innen und feierten die Feste mit der Dorfgemeinschaft. Immer fühlte ich mich willkommen, egal, ob ich mich auf Spanisch verständigen konnte oder mühsam ein paar Worte des lokalen Mixtekisch heraus brachte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass mein Herz viel zu klein war für diese sorgende Liebe der „einfachen“ Menschen. Das Teilen von Leben und Glauben, von Freude und Leid bekam für mich Hand und Fuß und viele Gesichter. Einfach war das Leben in jeder Beziehung, einfach (unkompliziert) auch der Glaube, der sich als tiefes Gottvertrauen zeigte. Diese Einfachheit vermisse ich noch oft und sie wurde mir zum „Stachel im Fleisch“, wenn ich heute ach, so wichtige und komplizierte Dinge zu tun habe ...

Sr. Hemma Jaschke | Provinzleiterin der Steyler Missionsschwestern