Ordensleute machen drei Gelübde. Zwei davon haben klare Grenzen und es wird offenbar, wenn die Grenze übertreten wird. Aber das dritte Gelübde – Armut – hat keine klaren Grenzen.

Jede(r) kann die Grenze für sich festlegen. Aber dafür braucht man Richtlinien. Ich arbeite seit 52 Jahren in Südafrika unter schwarzer, armer Landbevölkerung in einem ehemaligen Homeland. Um das Gelübde der Armut glaubhaft zu leben, muss ich auf meine Umgebung schauen. Wie leben die meisten Leute? Die Frage ist nicht, was brauche ich, sondern was haben die anderen nicht. Dann kann ich langsam für mich die Grenze von Armut erkennen. Ich kann natürlich nie so leben wie die Ärmsten. Ein Wort von Papst Franziskus ist bekannt: „Der Hirt muss den Geruch der Schafe annehmen.“ Die Menschen, unter denen ich lebe, zeigen mir, wie Armut gelebt werden kann.

P. Winfried Egler CMM | Missionar in Port St. Johns/Südafrika