Krisenbegleitung: Ich bin für Dich da!

Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried engagieren sich Mitarbeitende in ihrer Freizeit als Krisenbegleiter. In der Nacht und am Wochenende leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung von verzweifelten Menschen.

Ried im Innkreis: Mitten in der Nacht ändert ein Verkehrsunfall das Leben einer ganzen Familie: Der Vater wird von der Rettung mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert, seine Frau wird von Unfallbeteiligten informiert und eilt sofort ins Krankenhaus nach. Dort braucht der Patient die ganze Aufmerksamkeit der Pflegekräfte und Ärzte, deshalb bleibt die offensichtlich verzweifelte Frau alleine im Wartebereich der Unfallambulanz.  

Das ist eine Situation, in der die Ambulanzschwester den Krisenbegleitdienst alarmiert. Innerhalb von 20 Minuten ist eine ausgebildete Krisenbegleiterin im Krankenhaus und kümmert sich um die verzweifelte Frau.Die Krisenbegleiterin unterstützt die Ehefrau des Patienten, indem sie da ist, zuhört, dann eventuell mit der Frau bespricht, ob jemand zu benachrichtigen ist, ob zuhause Kinder oder pflegebedürftige Eltern versorgt sind was die nächsten Schritte sein können. Nach ein bis drei Stunden ist der Einsatz normalerweise vorbei.

Gelebte Werte

Seit mehr als zehn Jahren gibt es den so genannten Krisenbegleitdienst im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Er entstand als eine aktuelle Umsetzung des Auftrages der Ordensgründer, sich um die Not der Zeit zu kümmern. Der plötzliche Tod eines Angehörigen, ein schwerer Verkehrsunfall, die Diagnose einer schweren Erkrankung oder das Miterleben einer Katastrophe erschüttern den Lebensalltag von Menschen und können eine Krise auslösen. Während die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus sich um die Versorgung der Patientinnen und Patienten kümmern, haben sie wenig Zeit für die Begleitung der Angehörigen. In diesen Fällen werden normalerweise klinische Psychologinnen oder die Krankenhausseelsorger/innen zur Unterstützung gerufen. Aber in der Nacht und am Wochenende stehen diese Dienste nicht zur Verfügung. In diesem Fall kommt der Krisenbegleitdienst zum Einsatz.
Nach dem Vorbild der Krisenintervention der Rettungsdienste hat man damit ein Angebot für Menschen geschaffen, die nach einem traumatischen Ereignis kurzfristig Unterstützung brauchen. Gerade in den ersten Stunden nach einem krisenverursachenden Ereignis ist eine Unterstützung wertvoll.

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Die Krisenbegleiterin unterstützt mit ihrem Ehrenamt sowohl Angehörige als auch Mitarbeitende. © Krankenhaus Barmherzige Schwestern Ried, Fotograf: Hirnschrodt

Ehrenamtliches Engagement

Mitarbeitende, die mindestens zwei Jahre im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried tätig sind, können sich für die ehrenamtliche Tätigkeit im Krisenbegleitdienst melden. Nach einer Ausbildung in drei Modulen stehen sie ehrenamtlich außerhalb der Kernarbeitszeit für die Unterstützung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen in Krisensituationen zur Verfügung. Im Schnitt melden sich die Krisenbegleiter für 3 Bereitschaften pro Monat.

Fundiert ausgebildet und begleitet

Die Krisenbegleiter/innen werden vor ihren Einsätzen ausgebildet. Die Inhalte der Ausbildung sind Grundlagen der Psychotraumatologie, Kommunikation, Betreuung, Psychohygiene, Organisation, viele Praxisübungen und die Reflexion von Einsätzen. Mit ihren Diensten helfen die Krisenbegleiter/innen nicht nur den unmittelbar Betreuten, sondern auch den Teams, die sich ganz der Patientenbehandlung widmen können.