Klinische Pharmazie auf der Neurologie. Oder: Was macht eigentlich die Apothekerin bei der Visite?

20170727 bb graz 120„Studierst du jetzt Medizin?“ „Was machst du immer auf der neurologischen Station?“ Das sind Fragen, die mir überraschte Mitarbeiter am Gang regelmäßig stellen. Seit November 2016 begleite ich im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz als klinische Pharmazeutin zwei Mal pro Woche die Visite auf der Neurologie. Von Mag. pharm. Christine Stadlober

Im Team wird die Arzneimitteltherapie gemeinsam besprochen, optimiert und der Patient miteinbezogen. Das Ziel aller ist: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Die klinische Pharmazeutin unterstützt Ärzte und Pflege bei
* der richtigen Dosierung der Arzneimittel in Abhängigkeit von Organfunktionen
* der Auswahl möglichst nebenwirkungsarmer Medikamente, besonders bei Patienten mit Polymedikation
* dem Erkennen von Nebenwirkungen und klinisch relevanten Wechselwirkungen
* der möglichen Reduktion von Arzneimitteln
* der Optimierung der Information der Patienten im sicheren Umgang mit den verordneten Medikamenten
* Fragen zur richtigen Applikation der Arzneimittel, wie Sondengängigkeit, Mörserbarkeit bei Patienten mit Schluckstörungen, Zubereitung von Infusionen, gleichzeitige Einnahme von Oralia, richtiger Einnahmezeitpunkt
* der Recherche nach Alternativen bei Lieferausfall eines Präparates
* der Organisation/Bewilligung von Rezepten, um die lückenlose Versorgung mit notwendigen Medikamenten nach der Entlassung zu sichern

Eine klinische Pharmazeutin als fixer Bestandteil des Behandlungsteams zur Optimierung der Arzneimitteltherapie ist in den angelsächsischen Ländern seit Jahrzehnten etabliert und trägt, wie durch zahlreichen internationalen Studien bestätigt, wesentlich zur Qualitätssicherung und erhöhten Patientensicherheit bei. Die Barmherzigen Brüder haben es sich zum Ziel gesetzt, dieses Projekt auf alle Stationen auszuweiten. Als erste Station nimmt die Neurologie die routinemäßige pharmazeutisch-klinische Dienstleistung auf der Station gerne in Anspruch. Dazu Prim. Diez: „Die Zusammenarbeit mit der klinischen Pharmazeutin ist eine absolute Bereicherung und Unterstützung der ärztlichen Tätigkeit im klinischen Alltag.“

20170727 bb graz 450

Die klinische Pharmazeutin unterstützt Ärzte und Pflege. V.l.n.r.: Prim. Dr. Josef Diez, Mag. pharm Christine Stadlober, OA Dr. Lukas Strohmaier und DGKP Maria Reinprecht.

Rückblickend auf das letzte halbe Jahr denke ich, dass alle Beteiligten von der  interdisziplinären Zusammenarbeit profitieren, allen voran der Patient. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei Prim. Diez und dem gesamten Team für die freundliche Aufnahme und konstruktive Zusammenarbeit bedanken. Ich freue mich schon auf die nächste Visite!