Wenn sich die Einsamkeit ins Herz schreibt

KrankenhausseelsorgerInnen in der ganzen Steiermark begleiten Menschen. Michaela Höfler-Bauer, Leiterin der Krankenhausseelsorge bei den Elisabethinen in Graz, eines der österreichischen Ordensspitäle gibt Einblick in ihre Arbeit. 

2021 01 22Corona

Die Sehnsucht nach Gesprächen ist in den Krankenhäusern während der Coronazeit besonders hoch. (c) Unsplash

»Corona und Lockdown sind wohl die Worte, die uns in diesem vergangenen Jahr besonders beschäftigt haben. Nie hätte ich daran gedacht, dass mich eine Pandemie als Seelsorgerin in einem Krankenhaus einmal an einen so intensiven Hotspot bringen würde – sowohl des Krankheitsgeschehens als auch meines Glaubens! Und das, obwohl das Krankenhaus für mich immer schon ein besonderer Ort war und ist.

Sehnsucht nach Gesprächen

Als Seelsorgerin im Krankenhaus nehme ich wahr, dass in dieser Zeit der sozialen Isolation, die sich über unser Land und unsere Welt gelegt hat, seelsorgliche Besuche und Gespräche sehr gefragt sind. Die Einsamkeit zieht ihre Spuren und schreibt sich ein in das Herz vieler. Die Sehnsucht sich mit einem Menschen von Angesicht zu Angesicht unterhalten zu können ist groß, sowohl in der Isolation als auch auf „Normalstation“. Auch Angehörige zu Hause machen sich Sorgen um ihre Lieben, die im Krankenhaus sind. Besuche sind ja nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Da kommt es schon vor, dass Angehörige sich telefonisch bei mir melden und entweder auf diese Weise selbst ein Gespräch in Anspruch nehmen und/oder um einen Besuch der Seelsorge bei ihren sich auf Station befindenden Angehörigen bitten. – Und nicht nur das! Viele PatientInnen sind auch sehr dankbar, dass es trotz all dem möglich ist in kurzen Gebeten und Kommunionfeiern ihre Sorgen und Anliegen vor Gott zu legen, oder das Sakrament der Krankensalbung empfangen zu können.

Spezielle Situation für Angehörige

Eine besondere Herausforderung, zu jeder Zeit ist es, einen geliebten Menschen im Krankenhaus verabschieden zu müssen. Das ist immer sehr schwer und sehr traurig. In den Trauergesprächen mit Angehörigen von Coronapatienten, habe ich erfahren, dass diese Situation sehr speziell und sehr schwer ist. Oft sind in den Wochen mit nur wenig Kontakt zu ihrer Angehörigen/ihrem Angehörigen vorausgegangen, weil die Krankheit, die Isolation mit sich bringt. Das macht das Abschiednehmen noch einmal schwerer….

Sehr dankbar bin ich dafür, dass unser hauptamtlichen Team auch in dieser besonderen Zeit von Ehrenamtlichen unterstützt wird. Gemeinsam bemühen wir uns, gut da zu sein, für jene, die unser Da – und Mit-Sein wollen.«

Mag.a Michaela Höfler-Bauer 
Leiterin der Krankenhausseelsorge im Krankenhaus der Elisabethinen

Quelle: Diözese Graz-Seckau

[elisabeth mayr]