Experten für den Blick ins Innere

Die Gastroenterologie und Hepatologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan erfahren dank Prim. Dr. Franz Siebert eine ständige Weiterentwicklung. Am 4. Juli folgt Prof. Priv.-Doz. Dr. Alexander Moschen, PhD von der Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck der Einladung von Prim. Dr. Siebert und dem Förderkreis Onkologie und spricht in der Blumenhalle St. Veit darüber, wie die Darmflora den Krebs beeinflusst. Der WOCHE gab er vorab ein Interview.

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Experte für Darmerkrankungen: Prim. Dr. F. Siebert. Foto: © Helge Bauer

Die Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit ist weit über die Grenzen hinweg für die Behandlung von Erkrankungen des Magen-Darm-Lebertraktes (Gastroenterologie und Hepatologie) bekannt. Primarius Dr. Franz Siebert selbst hat sich über die allgemeine Innere Medizin hinaus für dieses spezielle Fachgebiet immer besonders interessiert und auch weitere Schwerpunkte im Bereich der Krebs- und Intensivbehandlung gelegt. „Das Ordenskrankenhaus in St. Veit nimmt bei vielen Untersuchungen und Behandlungen im österreichischen medizinischen Spitzenfeld eine Vorreiterrolle ein.“

Frühzeitige Erkennung

So können in der Endoskopie („Magen-Darmspiegelung“) Krebserkrankungen im Frühstadium vollständig entfernt werden. „Ein größerer operativer Eingriff bleibt dem Patienten damit erspart“, betont der Facharzt für Innere Medizin. Fortgeschrittene Krebserkrankungen in allen Organen von den Gallenwegen über Speiseröhre, Magen bis Darm können mit der Methode der Radiofrequenzablation unter Verwendung von hochfrequentem elektrischen Strom behandelt werden.
Virale Leberentzündungen werden in St. Veit nach den neuesten Behandlungsmethoden behandelt. „Dadurch sehen wir heute kaum mehr an Hepatitis C neu erkrankte Patienten“, freut sich der Straßburger Franz Siebert. Im Bereich der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen behandelt die Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus St. Veit Patienten aus ganz Österreich.„Unseren Patienten bieten wir die Teilnahme an diversen Studien an“, schildert Siebert.

Experten zu Gast in St. Veit

Mehr als 150 Internisten, Gastroenterologen, Hämatoonkologen, Chirurgen, Radiologen, Nuklearmediziner und Pathologen erwartet Siebert bei den „Gastroenterologengesprächen“ Anfang Juli. Die ärztliche Expertentagung ist ein Spiegelbild für das hohe wissenschaftliche Niveau der internistischen Abteilung des Hauses.

Vortrag am 4. Juli 2019

Im Vorfeld der Tagung findet am 4. Juli um 19 Uhr in der Blumenhalle ein öffentlicher Vortrag für alle Interessierten statt: Prof. Priv.-Doz. Dr. Alexander Moschen, PhD spricht in seinem Vortrag darüber, „Wie die Darmflora den Krebs beeinflusst - Gut und Böse!“

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Prof. Dr. Alexander Moschen, PhD  von der Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck spricht in der Blumenhalle St. Veit über den Einfluss der Darmflora auf den Krebs. Foto: © Privat

Experteninterview mit Prof. Priv.-Doz. Dr. Alexander Moschen, PhD

Antibiotika verändern unser Mikrobiom nachhaltig

Billionen von Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt sind nicht bloß an der Verwertung unserer Nahrung beteiligt. Sie haben Einfluss auf wichtige Prozesse im Körper und entscheiden mit, ob wir gesund oder krank, dick oder dünn, zufrieden oder verstimmt sind.
 
Herr Prof. Priv.-Doz. Dr. Moschen, PhD, der Darm und die Bakterien, die ihn besiedeln, haben in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Wie viele Bakterienarten leben im Darm?
Unser Dickdarm beherbergt in jedem von uns 1-2 kg Stuhl. Und in eben diesem Stuhl „steckt“ mehr als es auf den ersten Blick anmutet. Es handelt sich um ein höchst komplexes Ökosystem, ein Organ in einem Organ, mit mehr als 1,000 unterschiedlichen bakteriellen Spezies (vonViren, Pilzen und Protozoen ganz zu schweigen), deren Anzahl in etwa der Anzahl unserer eigenen Körperzellen entspricht. Die genetische Ausstattung, d.h. die Anzahl der bakteriellen Gene, die von unseren „Mitbewohnern“ kodiert wird, übersteigt die Anzahl der menschlichen Gene um das 150-fache.

Was ist das intestinale Mikrobiom?
Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen und ihrer Gene wird als das intestinale Mikrobiom eines Individuums bezeichnet.
 
Mikrobiom oderDarmflora?
Früher wurden die im Darm lebenden Bakterien meist unter dem Begriff Darmflora zusammengefasst. Inzwischen wird eher der Begriff Mikrobiom verwendet.
 
Gibt es eine Verbindung zwischen Mikrobiom und Psyche?
Mensch und Mikrobiota entwickelten sich über tausende Generationen miteinander und dieses Miteinander ist geprägt von einem hohen Maß an Symbiose, ein freundschaftliches Miteinander zum Vorteil beider Seiten. Zwischen dem Menschen und seiner Mikrobiota hat sich eine komplexe Sprache entwickelt und diese wechselseitige Kommunikation hat relevante Effekte auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und sogar auf die Psyche. Diese Wechselwirkungen beeinflussen somit nicht nur den Darm, sondern unseren gesamten Organismus.
 
Was zeichnet ein gesundes Mikrobiom aus?
Grundsätzlich ist unser Mikrobiom in einem hohem Maß individuell sehr widerstandsfähig gegenüber Veränderungen. Wir glauben heute, dass es umso günstiger ist, je vielfältiger oder „bunter" unser Mikrobiom ist. Doch diese Vielfalt ist immer wieder gefährdet.
 
Sie sprechen von Antibiotika. Wie wirken Antibiotika auf das Mikrobiom?
Vor allem in den ersten Lebensmonaten während der „Reifung“ unserer Keimwelt, können unterschiedliche Interventionen, wie Antibiotikagaben, ggf. auch längerfristige Auswirkungen auf die Zusammensetzung unseres Mikrobioms haben. Aber Achtung, dies darf nicht dazu führen, dass wir aus schlecht verstandenen Einflüssen und noch schlechter verstandenen langfristigen Konsequenzen kranken Patienten eine notwendige Therapie vorenthalten. Auf der anderen Seite muss die unreflektierte Gabe von Antibiotika, was leider immer noch häufig vorkommt, in fragwürdigen Indikationen, abgelehnt werden. In der Medizin gilt nach wir vor der Grundsatz: "So wenig wie möglich und so viel wie nötig“