Neues Zentrum im Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien vereint die Experten für alle Erkrankungen des Beckenbodens

Beckenboden 120Am  21. Oktober 2017 wurde das neue Beckenbodenzentrum im  Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien von der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs (MKÖ) offiziell zertifiziert. Es ist nach dem AKH erst das zweite von der MKÖ zertifizierte Zentrum in Wien. Patientinnen und Patienten erhalten dort professionelle und vor allem fächerübergreifende Diagnose und Therapie bei allen Erkrankungen des Beckenbodens.

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Organe des kleinen Beckens und die Bauchhöhle des Menschen nach unten schließt. Bindegewebsschwäche, Geburten, operative Eingriffe, chronische Überlastung und Nervenbeeinträchtigungen können den Beckenboden schwächen und Blase und Darm in ihrer Funktion stören. Dies kann zu Senkungs- und Kontinenzproblemen (ungewollter Verlust von Harn und Stuhl) führen.
„Menschen mit Beckenbodenproblemen oder Inkontinenz haben mitunter einen langen Leidensweg hinter sich. Ein zertifiziertes Beckenbodenzentrum ist Anlaufstelle für diese Patientinnen und Patienten und Garant dafür, dass ihnen professionell und interdisziplinär geholfen wird“, betont die Leiterin des Beckenbodenzentrums OÄ Dr.in Ingrid Haunold vom Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien. Im Beckenbodenzentrum ist der Austausch zwischen verschiedenen Berufsgruppen gesichert. Regelmäßig finden Fallbesprechungen statt, wovon letztendlich die einzelne Patientin bzw. der einzelne Patient profitiert.

Beckenbodenschwäche ist behandelbar

Nach einer sorgfältigen Diagnose stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Damit können Betroffene wieder aktiv am Leben teilnehmen und ihre Lebensqualität steigern. Im Beckenbodenzentrum arbeiten führende Spezialistinnen und Spezialisten aus Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, Innerer Medizin, Pflege, zusammen um beste Behandlungsergebnisse zu erzielen.
Im Bereich der Gynäkologie besteht im BBZ eine Kooperation mit der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe LK Lilienfeld. Beim Zertifizierungs-Audit am 27. September 2017 wurde die Erfüllung der Zertifizierungs-Anforderungen durch die Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs vom Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien und von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LK Lilienfeld bestätigt. Das Zertifikat wurde dem neuen Beckenbodenzentrum am 21. Oktober 2017 im Rahmen der heurigen MKÖ-Tagung in Linz verliehen.

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Gynäkologin Prim.a Dr.in Ingrid Geiss (re), und Chirurgin OÄ Dr.in Ingrid Haunold freuen sich über das Zertifikat der MKÖ, überreicht von Prof. Engelbert Hanzal. Credit: BHS Wien

Training stärkt den inneren Muskel

Die Folgen einer Schwäche des Beckenbodens können sein, dass Stuhl und Harn nicht mehr gehalten werden können bzw. dass es Probleme beim Entleeren gibt. „Diese Symptome sind den Betroffenen meist furchtbar unangenehm und beeinträchtigen massiv die Lebensqualität “, so Haunold. „Oft führt das zu gesellschaftlichem Rückzug. Die Betroffenen gehen nicht mehr einkaufen, nicht mehr auf Reisen oder nehmen auch keine Einladungen mehr an“. Wichtig ist bei ersten Anzeichen rasch zu reagieren. Die Expertin: „Der erste Behandlungsschritt ist immer konservativ. Mit dem entsprechenden Training kann man die Muskulatur des Beckenbodens deutlich verbessern, reagiert diese doch ähnlich wie jene des Bizeps und wird durch regelmäßige Wiederholungen gestärkt“. Wichtig ist es allerdings die Übungen – zumindest anfangs – unter Aufsicht speziell ausgebildeter Physiotherapeutinnen und -therapeuten zu machen, denn die innen liegenden Muskeln müssen erst einmal gefunden und dann gezielt trainiert werden.

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Die Physikalische Medizin ist wichtiger Partner im Beckenbodenzentrum.
Credit: BHS Wien / Alek Kawka

Spezial-OPs des interdisziplinären Teams

Weitere Behandlungs-Möglichkeiten sind eine Medikamentenanalyse, bei der überprüft wird ob Betroffene nicht Wirkstoffe einnehmen, die den Stuhl zu weich machen, ein Ernährungs-Check in punkto Stuhlkonsistenz, die Gabe von stuhlregulierenden Nahrungsergänzungsmitteln und Ballaststoffen sowie von Medikamenten zur Stuhleindickung oder Zäpfchen zur gezielten Entleerung. Bei schwereren Fällen kommen entsprechende Spezial-Operationen des Beckenbodenzentrum-Teams zum Einsatz. Leiterin Haunold: „Es gibt die Möglichkeit den Schließmuskel zu rekonstruieren oder – wenn er intakt aber schwach ist – eine Art Schrittmacher einzubauen, der durch zarte elektrische Impulse die Muskelfunktion wieder kräftigt und die Kontinenz verbessert.“