#Einfach in Geschwisterlichkeit

Stellungnahme der Vorsitzenden der Österreichischen Ordenskonferenz zur am Sonntag, 4. Oktober 2020 veröffentlichten Sozialenzyklika von Papst Frnaziskus „Fratelli tutti“.

201911 WEB Vorsitzende Österreichische Ordenskonferenz Foto Schauer

Seit Dezember 2019 stehen Generaloberin Franziska Bruckner und Erzabt Korbinian Birnbacher OSB der Österreichischen Ordenskonferenz vor. (c) schauer-burkart

Papst Franziskus legt mit der Veröffentlichung der Sozialenzyklika ‚Fratelli tutti‘ ein weiteres Puzzlestück seiner wesentlich vom Hl. Franz von Assisi geprägten Theologie vor. Geschwisterlichkeit ist uns Ordenschristen als konkreter Lebensentwurf mitgegeben. Ausdrücklich bezieht sich Papst Franziskus zum einen auf die Regel des Hl. Benedikt und die gebotene Gastfreundschaftund zum anderen auf die Friedensbemühungen des Hl. Franziskus, der eine der größten Ordensfamilien als lebendiges Beispiel radikaler Geschwisterlichkeit um sich versammelt hat.

Papst Franziskus zeigt in seiner Enzyklika den Weg einer politischen Geschwisterlichkeit auf, wenn er zB in Nr. 180 schreibt: „Es ist keine pure Utopie, jeden Menschen als Bruder oder Schwester anerkennen zu wollen und eine soziale Freundschaft zu suchen, die alle integriert. Dazu braucht es Entschiedenheit und die Fähigkeit, wirksame Wege zu finden, die sie real möglich machen. Jegliches Bemühen in diese Richtung wird zu einer anspruchsvollen Ausübung der Nächstenliebe. Denn ein Einzelner kann einer bedürftigen Person helfen, aber wenn er sich mit anderen verbindet, um gesellschaftliche Prozesse zur Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit für alle ins Leben zu rufen, tritt er in das Feld der umfassenderen Nächstenliebe, der politischen Nächstenliebe ein.“

Für uns Ordenschristen heißt der ausführliche Ruf von Papst Franziskus sich mehr in der politischen Geschwisterlichkeit einzubringen und damit die Kraft der Nächstenliebe spürbar zu machen. Wir danken Papst Franziskus insbesondere für die Kapitel, in denen  er vor Populismus genauso warnt, wie vor einer Verteufelung von Politik und Wirtschaft. Wir brauchen eine Kultur des geschwisterlichen Aufeinander-Zugehens, um die Probleme unserer Gegenwart ehrlich für eine gute Zukunft aller Menschen anzugehen.

Erzabt Korbinian Birnbacher und Sr. Franziska Bruckner

[martin gsellmann]