Bischofskonferenz für Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria

Österreichs Bischöfe in Stellungnahme: "Bilder des Elends schreien zum Himmel und rufen uns in eine Verantwortung, von der wir uns nicht dispensieren können" - Kirche empfiehlt Bundesregierung "Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen" und will sich daran beteiligen.

Gruppenfoto der Bisch fe zum Auftakt ihrer Sommervollversammlung am vom 15 bis 18 Juni 2020 in Mariazell asset 467850a8d3a8f261e928

Unter dem Titel "Brennendes Elend vor den Toren Europas - und wir?" veröffentlichte die Österreichische Bischofskonferenz am 10. 9. 2020 ihre Stellungnahme zum Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos. (c) Kuss

Österreich soll sich an der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem niedergebrannten griechischen Lager Moria beteiligen und die katholische Kirche will diese Maßnahme im eigenen Bereich aktiv unterstützen. Das hat die Österreichische Bischofskonferenz in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen auf Lesbos am Mittwoch erklärt. Darin danken die Bischöfe der Bundesregierung für die angekündigte großzügige Soforthilfe vor Ort, halten dies aber für nicht ausreichend. Die Bischofskonferenz empfiehlt daher der Bundesregierung nachdrücklich "die Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen".

Bilder des Elends, die zum Himmel schreien

"Mit größter Sorge und Betroffenheit" reagieren die Bischöfe auf die Szenen rund um den Brand des Flüchtlingslagers und halten fest: "Es sind Bilder des Elends, die zum Himmel schreien. Sie rufen uns in eine Verantwortung, von der wir uns nicht dispensieren können." Die schon zuvor katastrophale Situation tausender Fluchtreisender habe sich dort zu einem "wahren Alptraum" verschärft.

Jedes politische Kalkül über die Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen in Europa sei angesichts der aktuellen Notlage daher völlig verfehlt. "Jetzt zählt rasches und entschlossenes Handeln. Wir können und dürfen nicht wegschauen", appelliert die Bischofskonferenz und hält fest: "Es gibt keine Alternative zur schnellen und systematischen Evakuierung der Asylsuchenden aus den griechischen Lagern."

Europa hat Kraft zur Solidarität

Neben der zugesagten Soforthilfe solle sich Österreich so wie andere europäische Länder auch an der Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria beteiligen. "Was hindert uns, dem Beispiel anderer Länder zu folgen? Europa hat die Kraft zur Solidarität - sie ist jetzt gefragt", betonen die katholischen Bischöfe. Sie verweisen darauf, dass es zahlreiche Einzelpersonen und Institutionen in Österreich gibt, die zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit seien. "Selbstverständlich sind auch wir als katholische Kirche in Österreich wieder dazu bereit, ein angemessenes Kontingent von verzweifelten Menschen in unseren kirchlichen Einrichtungen und Räumen zu beherbergen", hält die Bischofskonferenz fest. "Wir folgen damit auch dem Beispiel von Papst Franziskus und erinnern dankbar an die humanitären Aufnahmeprogramme aus den syrischen Elendslagern vor wenigen Jahren."

Ausdrücklich danken die Bischöfe allen, die schon bisher mit höchstem Einsatz gegen das Flüchtlingselend an den südöstlichen Außengrenzen Europas gekämpft haben. "Lassen wir die vielen Engagierten im Dienst an den Notleidenden nicht allein! Jetzt braucht es weitere Schritte einer großzügigen Nächstenliebe, die Leben rettet."

Quelle: kathpress

[martin gsellmann]