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Eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft

Ordensfrauen der Franziskanerinnen Amstetten leben und arbeiten im Internat und Sekretariat der Höheren Lehranstalt für Sozialmanagement und der Fachschule für Sozialberufe des Trägervereins der Franziskanerinnen in Langenlois mit. 2016 kam der junge Afghane Ziaulrahman Zaland, von den Schwestern und Freunden liebevoll „Zia“ genannt, in die Fachschule.

Sr. Hildegund Kammerhofer und ihre Mitschwestern unterstützen und helfen Zia, damit er hoffentlich bald Sicherheit hat und in Österreich bleiben kann. (c) Franziskanerinnen AmstettenSr. Hildegund Kammerhofer und ihre Mitschwestern unterstützen und helfen Zia, damit er hoffentlich bald Sicherheit hat und in Österreich bleiben kann. (c) Franziskanerinnen Amstetten

„Die Mitschülerinnen und Mitschüler haben Zia herzlich aufgenommen. Er hat sich schnell integriert und sehr fleißig gelernt“, erinnert sich Sr. Hildegund Kammerhofer an die ersten Wochen mit Zia. Als die Schwestern erfuhren, dass Zia mit drei anderen Flüchtlingen in einem kleinen Zimmer lebte und keinen eigenen Tisch und Sessel hatte, um die Hausaufgaben machen zu können, zögerten sie nicht lange, und nahmen Zia im Gästezimmer der Ordensgemeinschaft auf. Der neue Mitbewohner zog kurz vor Weihnachten ein. Seitdem lebt die vielleicht etwas ungewöhnliche Wohngemeinschaft zusammen im Kloster der Schulschwestern in Langenlois (NÖ). „Wir haben viel Freude miteinander, aber auch große Sorgen, die wir mit Zia teilen. Die Unsicherheit, ob er in Österreich bleiben kann oder nicht, ist zermürbend – für Zia und auch für uns“, ist Sr. Hildegund besorgt.

Zia darf nicht abgeschoben werden

Denn obwohl Zia seit 2015 in Österreich ist, in Langenlois die Fachschule absolviert hat, gut integriert ist, aktuell eine Ausbildung zum Altenfachbetreuer und Pflegeassistenten macht, ist noch immer nicht sicher, ob er bleiben darf.

„2019 war eine schlimme Zeit für uns. Zia erhielt die Nachricht, dass er abgeschoben wird. Weil mit seiner Ausbildung auch eine Berufsberechtigung verbunden ist, hofften wir aber auf einen positiven Bescheid der Behörde. Leider ist das von den Behörden nicht so gesehen worden. Es kam zu einem nächtlichen Polizeieinsatz mit Hausdurchsuchung und Zia wurde in das Polizeianhaltezentrum Wien – Roßauer Lände gebracht. Wir hatten alle Angst um Zia, weil wir wussten, dass er in Afghanistan von den Taliban verfolgt wird,“ schildern die Ordensfrauen.

Aber so leicht gaben die Schwestern nicht auf. Sie setzten alle Hebel in Bewegung: „Wir versuchten einfach alles.“ Der Zusammenhalt in der Gemeinde war und ist groß – Bürgermeister, Flüchtlingshilfe, Bewohnerinnen und Bewohner, Schülerinnen und Schüler, alle haben Zia ins Herz geschlossen und haben gekämpft, dass er bleiben darf. Für alle waren es schwere Stunden, in denen Zia auch nicht erreichbar war. Nach zwei Tagen des Wartens, kam um 23.30 Uhr der erlösende Anruf: Zia steht am Bahnhof in Spittelau, aber es fährt kein Zug mehr. „Wir waren so erleichtert und ich machte mich mit einem befreundeten Helfer sofort auf den Weg, um Zia wieder nach Hause zu holen“, berichtet Sr. Hildegund. Zia durfte ein zweites Mal um Asyl ansuchen.

Endlich Sicherheit?!

Die Ordensfrauen begleiten Zia zu Gerichtsterminen, helfen ihm bei der Bürokratie und kümmern sich, wenn er Unterstützung braucht. Ende Juli dieses Jahres war wieder eine Verhandlung, die über das weitere Schicksal von Zia entscheiden sollte. „Bis jetzt warten wir auf die Nachricht, ob das unerträgliche Bangen nun vorbei ist und Zia bei uns bleiben kann. Es wäre das größte Geschenk, wenn er endlich Sicherheit und Gewissheit bekommen würde.“

Doch all die Hindernisse und Stolpersteine die Zia in den Weg gelegt werden, entmutigen ihn nicht. „Er geht seinen Weg sehr mutig weiter.“ Der junge Afghane macht die Ausbildung für Pflegeassistenz und zum Altenfachbetreuer in der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Horn. Aktuell absolviert er wieder ein 8-wöchiges Praktikum, das zur Ausbildung gehört, im Krankenhaus Krems. „Er hat so viel Freude bei seiner Arbeit mit den Menschen und er bekommt auch sehr gute Beurteilungen. Der Humor kommt bei uns auch nicht zu kurz. Zia nimmt uns Schwestern oft ganz schön auf die Schaufel und freut sich, wenn wir darauf einsteigen“, erzählt Sr. Hildegund und lacht.

„Zia ist jetzt 24 Jahre jung und zu einem sehr selbstständigen, gefestigten jungen Mann herangewachsen. Er schätzt unsere Lebensweise als katholische Ordensfrauen und hat großen Respekt vor der christlichen Kultur in Österreich. Wir möchten, dass er vom Staat Österreich endlich als asylberechtigt anerkannt wird. Zia ist kurz vor Weihnachten bei uns eingezogen und wir zitieren gern, in Anlehnung an die Bibel: ,Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.‘ Er ist ein Teil unserer Kultur geworden. Er braucht nur endlich Sicherheit!“

„Wenn ich mal einen Pass habe, …“

In letzter Zeit war Zia wieder sehr nachdenklich. Die Geschehnisse in Afghanistan haben ihn sehr beschäftigt. „Zia hat noch fünf Geschwister in Afghanistan – drei jüngere Brüder und zwei jüngere Schwestern. Alle paar Wochen schaffen sie es, sich zu hören. Die Geschwister verstecken sich und haben Angst.“ Sein Vater ist nach einem Bombenangriff gestorben, als Zia schon in Österreich war. Seine Mutter ist bei der Geburt der jüngsten Schwester gestorben. „Man muss sich das mal vorstellen, was Zia in diesen jungen Jahren schon alles erlebt hat“, verdeutlicht Sr. Hildegund das Schicksal des jungen Afghanen und verliert trotzdem nicht den Mut an eine glückliche Zukunft für Zia hier in Österreich: „Manchmal, wenn wir beisammensitzen, träumen wir von der Zukunft. Zias Sätze beginnen dann meist mit ‚Weißt du, wenn ich mal einen Pass habe, …‘“

[renate magerl]

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