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Wo Freundschaften entstehen, haben Angst und Vorurteile keinen Platz

Sr. Waltraud Irene von den Kleinen Schwestern Jesu lebt seit vier Jahren in Wien und ist in engem Kontakt mit geflüchteten Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak und Armenien. Sie engagiert sich für ein gutes Leben aller und unterstützt geflüchtete Menschen im Alltag. „Ich übersetze Behördenbriefe in ein einfaches Deutsch, lerne mit Erwachsenen Deutsch oder mache mit Kindern Hausübungen.“

Die Kleinen Schwestern Jesu Sr. Waltraud Irene, Sr. Brigitta Maria und Sr. Anita Maria unterstützen geflüchtete Menschen. Sie helfen bei Behördengängen, bei der Arbeitssuche oder dem Erlenen der deutschen Sprache. © privat              Die Kleinen Schwestern Jesu Sr. Waltraud Irene, Sr. Brigitta Maria und Sr. Anita Maria unterstützen geflüchtete Menschen in Wien. (c) privat

Sie ist überzeugt, dass ein wichtiger und zentraler Punkt für die Integration von geflüchteten Menschen in der Sprache liegt: „Für Kinder ist ein guter Schulabschluss ganz wichtig, damit ihr Leben gut gelingen kann.“ Sr. Waltraud Irene erzählt, sie fühle sich oft in diese Menschen hinein, um sie besser zu verstehen, um nachfühlen zu können, wie es ihnen geht. Ganz spontan habe sie mal einen jungen Mann in der Kirche angesprochen. „Er stand ganz alleine hinten und ich habe ihn einfach angesprochen.“ Milad erzählte ihr, dass er aus Afghanistan geflüchtet sei und erst seit kurzem in Wien lebe. Er sprach sehr gut Deutsch und erzählte Sr. Waltraud, dass er sogar Arbeit gefunden habe – auf dem Bau. „Milads größte Sorge war, dass er seine Sprachkenntnisse verliert, weil auf der Baustelle, niemand Deutsch spricht. Dann habe ich ihn spontan zu uns zum Mittagessen eingeladen“, erzählt die kleine Schwester Jesu.

„Beim gemeinsamen Essen, haben meine Mitschwestern und ich ihn dazu ermutigt, den Hauptschulabschluss nachzuholen.“ Seine anfänglichen Zweifel, dass er das nicht schafft, wurden von den Schwestern aus dem Weg geräumt. „Eine Mitschwester von mir hat mit ihm Englisch gelernt und ich habe jemanden gesucht, der mit ihm Mathematik lernt. Er hat den Hauptschulabschluss wirklich geschafft und macht jetzt eine Lehre in einem metallverarbeitenden Betrieb. Und den Führerschein hat er auch schon gemacht“, erzählt Sr. Waltraud freudestrahlend. Der junge Afghane sei wirklich gut integriert, arbeitet mit Österreichern zusammen und ist sehr glücklich, ergänzt sie. „Es hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt.“

Fremdes bereichert!

„Ich wünsche mir, dass wir auf Fremde zugehen, dass wir uns für die Menschen interessieren. Wir erweitern unseren eigenen Horizont und machen anderen Menschen eine Freude. Wo Freundschaft entsteht, haben Angst und Vorteile keinen Platz“, fasst Sr. Waltraud zusammen und appelliert an alle: „Begegnen wir allen Menschen auf Augenhöhe, ohne Vorurteile. Wir alle sind menschlich und haben die gleichen Bedürfnisse – egal wo jemand herkommt.“

„Unsere Gemeinschaft ist aus einer Begegnung heraus entstanden“

Die Kleine Schwestern Jesu wurden zu Beginn des zweiten Weltkrieges in Algerien gegründet. Wie der Name verrät, wollen sie mit den „kleinen“ Leuten sein, mit Menschen am Rande der Gesellschaft. Bereits die Gründerin der kleinen Schwestern Jesu hat zahlreiche Freundschaften zu Muslimen gepflegt, das habe das Charisma der Gemeinschaft nachhaltig geprägt. „Man sagt oft, eine Gemeinschaft besteht aus einem Bedürfnis heraus, aber bei uns kann man sagen, unsere Gemeinschaft ist aus einer Begegnung entstanden. Einer Begegnung mit anderen Kulturen, Sprachen, Völkern, Religionen. Unser Apostolat ist die Freundschaft. Wir versuchen in jedem Menschen einen Bruder oder eine Schwester zu sehen – egal woher er oder sie kommt, welche Hautfarbe, welche Religion oder Kultur er oder sie hat“, erzählt Sr. Waltraud über das Charisma ihrer Ordensgemeinschaft.

[renate magerl]

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