Selbstbewusst und Goldstücke kommunizieren

Biesinger„Ein schwächelndes Christentum im Sinne eines vagen Profils ist gesellschaftlich problematisch“, hielt Professor Albert Biesinger aus Thübingen vor katholischen SchulerhalterInnen und DirektorInnen auf Schloss Seggau bei der Jahrestagung fest. Sie tagen unter dem Titel: „Weil katholische Privatschule Zukunft gibt!“

 „Eine selbstbewusste christliche Identität muss in den interreligiösen Dialog gehen und sich dort behaupten wollen“, ermutigt der Thübinger Religionspädagoge Albert Biesinger die etwa 60 SchulerhalterInnen und DirektorInnen katholischer Volks- und Sonderschulen mit einem Hinweis auf Papst Franziskus: „Dieser Papst gibt jetzt der katholischen Kirche wieder ein klares Profil.“ Die Dialogfähigkeit muss heute selbstverständlich mit dem Inhalt des Glaubens mitgelernt werden. Biesinger. „Wer heute eindeutig auftritt, hat Zukunft. Es geht darum, selbstbewusst und die eigenen Goldstücke zu kommunizieren.“

Plenum

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Biesinger schlägt einen anspruchsvollen religionspädagogischen Spannungsbogen vor: „Gemeinsamtkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden“. Sowohl an den Gemeinsamkeiten kann der Schüler, die Schülerin lernen und mindstens so stark an Konflikten und Auseinandersetzungen. Das Kind hat heute ein Recht auf Religion. Es geht in der katholischen Privatschule gerade nicht darum, „alle zu nivelieren“. Langfristig ist es zielführender, „jede und jeden in seiner und ihrer Religion zu unterrichten, gerade in einer katholischen Schule.“

Religiöse Bildung als hohes Gut

„Das Profil von Ordensschulen und Diözesanschulen muss anziehend und kann ruhig auch anstrengend sein. Ohne ein gewisses Maß von Anders-Sein werden sie keine Zukunft haben.“ Katholische Schulen müssen sich erkennbar unterscheiden. Biesinger verweist in diesem Zusammenhang auf antropologische Grundannahmen, die Karl Rahner herausgearbeitet hat. 1. Der Mensch ist ein Wesen der Transzendenz und somit geht er auf eine große Verheißung zu. 2. Der Mensch ist eine Wesen der Interkommunikation und er kann nur existieren, wenn er kommuniziert, in Beziehungen lebt. 3. Der Mensch ist ein Wesen des Scheiterns und er lebt von der vergebenden Zusage. Daher gehört es zur Spiritualität einer katholischen Schule, „dass kein Kind unter den Rost fallen darf.“ 4. Der Mensch ist ein Wesen des Geheimnisses und er trägt ein Lebensgeheimnis, das er entdeckt, freilegt und leben möchte.

Luftensteiner, Biesinger

[Rudolf Luftensteiner, Referent für Ordenssschulen und Prof. Albert Biesinger im Gespräch]

 

Das Thema ist heiß

„Wie mit Religion in der Schule umgehen, ist ein ganz heißes Thema“, weiß Biesinger aus seinen Deutschland weiten Erfahrungen. Er sieht die Bedeutung von Religion und Spiritualität ganz massiv im Wachsen. „Die besondere religiöse Mixtur, die derzeit global entsteht, wirft Fragen und Auseinandersetzungen auf. Selbst die Ablehnung Gottes oder die Säkularisierung führt direkt oder indirekt zur Gottesfrage.“ Biesinger plädiert dafür, „Kindern durch religiöse Bildung nicht nur einen Sinn- , sondern einen Verheißungshorizont zu eröffnen“. Er plädiert dafür, dass jene Kinder, die keinen Religionsunterricht besuchen, zumindest einen Ethikunterricht bekommen.

Berührung mit dem Heiligen

Biesinger verweist auf eine katholische Schule in Osnabrück, die sich strukturell in die abrahamitische Tradition stellt und die Schule interreligiös gestaltet: „Mit dieser Schule geht Kirche in der Diaspora in die Offensive und nimmt Juden, Muslime und Christen auf. So wird Vielfalt beispielhaft vorgelebt.“ Spannend ist, wie Symbole und Rituale gestaltet werden. „Gastfreundschaft und Mithören“ sind fundamentale Haltungen. Es geht um die „Berührung mit dem Heiligen in ihrer jeweiligen Religion.“ Rituale und Symoble sind wichtig, weil es ohne Lliturgie zu keiner „Gottesberührung“ kommt. Es ist ein „Verbinden mit dem Himmel“. Es darf zu keiner Übermächtigung kommen, die Erhaltung des eigenen Profils muss gegeben sein und das Kernanliegen muss immer bleiben: Wie entsteht eine hohe Intensität an Gottesbeziehung.

Die Jahrestagung auf Schloss Seggau dauert von 11. bis 14. November 2013. Weitere Themen sind die rechtlichen Veränderungen in der Schulgestzgebung, Schulqualität sowie eine Exkursion in das Schulzentrum der Ursulinen in Graz. In katholischen Schulen in Österreich werden 70.000 Schüler unterrichtet, 50.000 davon in Ordensschulen.

Foto: Albert Biesinger (Druckqualität)

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