Es braucht viel Wachheit und Solidarität

Salvatorianerinnen JR8A0837 Bruder125 Jahre Salvatorianerinnen weltweit wurde am 8. November 2013 mit einem „Balanceakt“ in Wien gefeiert. Die Generalleiterin Sr. Edtih Bramberger aus Rom ermutigt zu einem wachen Blick und weltweiter Solidarität.

Es ist ganz still im vollen Festsaal, als die Novizin Sr. Ingrid Dullnig von ihren Erlebnissen und Erfahrungen als Scout in London berichtet. Sie schildert von Kirchenräumen, wo Menschen auf einer Couch Platz nehmen zum Gespräch mit einer Person, „die einfach da ist“. Ihr Anliegen ist es, Räume neu zu öffnen auf die Bedürfnisse der Menschen hin.

Salvatorianerinnen Einrad 450

Für und mit allen

Die Provinzleiterin Sr. Brigitte Thalhammer hat in ihrem Anfangsstatement mit Blick auf den Gründer P. Johann B. Jordan festgehalten, „dass auch das Gasthaus ein Ort der Verkündigung ist“. P. Jordan wollte unbedingt Frauen direkt und aktiv miteinbeziehen, „was ihm nicht erlaubt wurde“. So wurden 1888 die Salvatorianerinnen gegründet. Thalhammer: „Heute geht es um ein Leben in Lebendigkeit, um gerechte Lebensmöglichkeiten für alle, um die heilenden Begegnungen in der Nachfolge Jesu und den Einsatz für gerechte Strukturen. In allem ist Universalität unser Grundduktus.“ Unterricht, Krankenpflege, Kinder, Frauen in schwierigen Situationen und Pastoral sind die Themen der 1.160 Salvatorianerinnen weltweit. Ein neu Aufmerksamkeit erfüllt den hellen Saal, als eine junge Frau mit dem Einrad den Balanceakt ganz praktisch vorführt. Wie lernt man auf einem Einrad die Balance zu halten? – wird sie gefragt. Immer wieder fahren, üben und sich helfen lassen. So steht das konkrete Tun und das gemeinschaftliche Leben anschaulich im Raum.

Salvatorianerinnen alle 450

[vlnr: Susanne Heine, Andreas Kaiser, Sr. Edith Bramberger, Sr. Brigitte Thalhammer, Silke Kobald (Bezirksvorsteherin), Ferdinand Kaineder (Moderation)]

Es gibt so viel Ausbeutung von Frauen

„Es braucht viel Wachheit und das Einüben in Richtung der anderen“, stellt die aus Kleinraming in Oberösterrich stammende Generalleiterin in Rom Sr. Edith Bramberger an den Anfang ihres Statements: „Es kommt nicht auf das Ich oder das kleine Wir an, sondern wir müssen universal denken. Es braucht ein neue Kultur der Solidarität und die ständige Erinnerung daran aus der lebendigen Beziehung zu Gott. Die ungleiche Verteilung der Güter auf dieser Welt ist eine direkte Anfrage an unseren Lebensstil. Tragen wir genug zur Veränderung dieser ungerechten Situation bei? Es braucht einen wachen Blick, ein solidarisches Tun.“ Bramberger spricht neben der weltweiten Solidarität das Thema Frauen an: „Das Thema Frauen ist ein wesentliches Thema in Gesellschaft und Kirche. Es gibt so viel Ausbeutung von Frauen weltweit. Da wollen wir die Not aufzeigen und ganz konkret helfen.“ Bramberger nennt konkrete Beispiele und Erfahrungen ihrer Mitschwestern in Afrika und anderen Kontinenten.

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 [Univ. Prof.in Susanne Heine]

Ein Aufbruch braucht immer alle, unterschiedslos

„Mission hat nichts mit kirchlicher Selbstverteidigung zu tun“, hält die Universitätsprofessorin und evangelische Pfarrerin Susanne Heine in ihrem Statement fest: „Ziel von Mission ist ein glaubendes Leben, ein Sprechen einzeln und in Gruppen über den Glauben, ganz konkrete Taten der Diakonie als Lebenshilfe und ein einladendes Gemeinschaftsleben.“ Heine blickt in die Bibel und meint, „dass von Anfang an Frauen sowohl Gemeinden geleitet als auch Witwenkleider geschneidert haben. Damals wie heute gilt: Ein Aufbruch braucht immer alle, unterschiedslos“. Heine warnt vor den Männern, „die Frauen ausgrenzen und unter sich die Ämter verteilen.“ Heine wünscht den Salvatorianierinnen, „dass ihr Charisma in Hülle un Fülle bleibt, über die ganze Welt verstreut ist und sich in einem guten Miteinander entfaltet.“ Der örtliche Pfarrer Andreas Kaiser spricht von der „Erzähl- und Deutegemeinschaft einer Pfarre“ und der Hoffnung, dass die Schwestern als „Kundschafterinnen für Neues und ihren Erfahrungen im Umgang mit besonderen Lebenssituationen“ sich immer wieder mit der territorialen Pfarre verknüpfen. Ob es bald eine Couch in der Kirche von Ober St. Veit geben wird, wie die Novizin in London gesehen, hat der festliche „Balanceakt“ nicht entschieden. Die lebendigen und angeregten Gespräche haben gezeugt, dass die Salvatorianerinnen den Balanceakt zwischen Erbe, Auftrag und Zukunft gut meistern.

Salvatorianerinnen Irmtraud 450

Salvatorianerinnen

Sr. Brigitte Thalhammer und Sr. Edith Bramberger - Pressefoto - Download

Fotocredit: Katrin Bruder

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