Corona verstärkt Armut und Gewalt gegen Frauen in Afrika

Mahnende Worte findet der Jesuit Charles Chilufya, Leiter des Büros für Gerechtigkeit und Ökologie der Jesuitenkonferenz von Afrika und Madagaskar im "Vatican News"-Interview: Corona führe zu steigender Gewalt gegen Frauen, mehr Armut und sozialer Ungleichheit.

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P. Charles Chilufya ist auch Koordinator der vom Vatikan eingesetzen Taskforce für Afrika "Vatican Covid-19 Commission". (c) YouTube

Die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie auf dem afrikanischen Kontinent seien gravierend. Die wirtschaftliche Not aufgrund des Corona-Lockdowns habe das Einkommen vieler Menschen in ganz Afrika gemindert und zu Arbeitslosigkeit und Hunger geführt. Als unmittelbare Auswirkung nannte der Jesuit eine Zunahme von sexueller und häuslicher Gewalt sowie von Kinder- und Zwangsehen; teils hätten Familien ihre Töchter für Sex verkauft.

Eine Folge der coronabedingten Schulschließungen sei auch ein Anstieg von Teenagerschwangerschaften sowie der sexuellen und geschlechtsspezifischen Gewalt. Die Opfer seien vor allem junge Mädchen und Frauen, die wegen der Corona-Maßnahmen Missbrauchstätern stärker ausgeliefert seien, so der Jesuitenpater.

Ein Großteil der Schüler sei bis heute vom Unterricht abgeschnitten, berichtete P. Chilufya. Als Grund nannte er fehlende oder schlechte Internetverbindungen. "Die Versuche, Online-Lernen anzubieten, richten sich letztlich an sehr, sehr wenige Schüler - weniger als zehn Prozent. Schülern in ländlichen Gebieten ist so etwas unmöglich. Die Folge ist, dass diese Kinder lange einfach nur zu Hause sitzen und de facto nichts tun."

Zweite Corona-Welle

Aktuell erlebt Afrika steigende Corona-Fallzahlen. Ein Impfprogramm sei für den Kontinent jedoch noch nicht in Sicht, meinte Chilufya. Zum Jahresende 2020 wurden für den Kontinent etwa 2,7 Millionen Corona-Infektionen und knapp 65.000 Todesfälle gemeldet; was etwa drei bis dreieinhalb Prozent der weltweiten Infektionen und Todesfälle entspricht. Die Infektionszahlen in Afrika könnten jedoch höher sein, da auf dem Kontinent vergleichsweise wenig getestet wird und für den Großteil der afrikanischen Staaten kaum Daten vorliegen.

Aufgrund der mangelhaften Gesundheitsversorgung in vielen Ländern sei Afrika weniger in der Lage, die Menschen angemessen zu schützen und zu versorgen, meinte der Jesuitenpater. Eine prekäre Situation, die sich auch in den aktuellen Corona-Zahlen spiegle: So breitet sich das Virus während der zweiten Corona-Welle vor allem in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte aus. Besonders betroffen seien etwa Nigeria und Kenia, es fehle an Ressourcen und Infrastruktur, um Coronakranke zu versorgen, so der Jesuit, der auch Mitglied der vatikanischen Covid-19-Kommission ist.

Gefährdet seien aber nicht nur die Corona-Patienten, sondern auch das Gesundheitspersonal und deren Angehörige, betonte Chilufya in "Vatican News". "Derzeit streiken in Kenia Ärzte und Pflegende, weil sie sich bei ihrer Arbeit nicht ausreichend schützen können und die Kollegen wegsterben sehen."

Papst blickt auf Afrika

Papst Franziskus hatte im Rahmen der vatikanischen Hilfsmaßnahmen in der Pandemiezeit unter anderem Beatmungsgeräte für Krankenhäuser in armen Ländern gespendet, darunter Sambia und Malawi, und einen Corona-Hilfsfonds für Entwicklungsländer einrichten lassen. Zuletzt forderte der Papst verstärkt einen Zugang zu Corona-Impfstoffen für alle Menschen weltweit, einen Schuldenerlass für arme Länder und einen globalen Waffenstillstand, um humanitäre Hilfen zu erleichtern.

Quelle: Vatican News, Kathpress

[elisabeth mayr]