Ostmark: Ordensmänner im Widerstand

2013 03 12 Gapp-junger20Priester20b marianisten at TEASERUnter den 724 von der Gestapo inhaftierten Klerikern waren auch zahlreiche Ordensmänner. Manche von ihnen bezahlten ihren Widerstand mit dem Leben.

Organisierter aktiver Widerstand ganzer Klöster gegen das Nazi-Regime war selten, meist waren Einzelpersonen aktiv. Ein Beispiel dafür war der Klosterneuburger Chorherr Roman Scholz, der sich mit der von ihm gegründeten "Österreichischen Freiheitsbewegung" um die "Wiederherstellung eines freien, selbständigen Österreich" bemühte. Dabei hielt Scholz seine konspirative Tätigkeit gänzlich vom Klosterleben in Klosterneuburg fern, um seine Mitbrüder nicht zu gefährden. Von einem Mitglied der eigenen Gruppe, dem Burgschauspieler Otto Hartmann, verraten, wurde Scholz im Juli 1940 von der Gestapo verhaftet und schließlich im Mai 1944 hingerichtet.

Im Rahmen der Verhaftung von Scholz wurde auch eine Widerstandsgruppe des Stiftes Wilhering "aufgedeckt". Nur vier Tage nach der Verhaftung von Scholz folgte die Inhaftierung des Wilheringer Zisterziensers P. Gebhard Rath und weiterer Mitbrüder. Die Aufdeckung der Widerstandsgruppe lieferte den Nationalsozialisten einen Anlass, „gegen das Kloster selbst vorzugehen". So folgte 1940 nach der Inhaftierung des Abtes Bernhard Burgstaller die Beschlagnahmung des Klosters sowie die Ausweisung der Mönche. Abt Burgstaller starb am 1. November 1941 im Gefängnis.

Wehrkraftzersetzung und Jugendkirche: Gründe für Verhaftung und KZ

Zahllose Ordensmänner wurden vor die Gestapo zitiert, oft mehrfach. Andere wurden festgenommen. Die Gründe für die Festnahme reichten von belanglosen Äußerungen gegen die Partei und das Regime, die nach dem Heimtückegesetz von 1934 geahndet werden konnten, über "Wehrkraftzersetzung", Abhören von Auslandssendern, angebliche Devisenvergehen oder Sittlichkeitsdelikte bis hin zu verbotener kirchlicher Tätigkeit wie dem Abhalten von Jugendveranstaltungen in "nichtkirchlichen Räumen". Wer rechtskräftig verurteilt war und seine Strafe verbüßt hatte, wurde oft unmittelbar nach seiner Entlassung ins Konzentrationslager verschleppt. Eine große Zahl junger Kleriker und Brüder wurde zur Wehrmacht eingezogen und kam zu den besonders gefährdeten Sanitätseinheiten.

Eichmann war für Jesuiten zuständig

Eine "Sonderbehandlung" erfuhren die Jesuiten. Neben Kommunisten, Juden und Freimaurern galten sie als Reichsfeinde. Die Angelegenheiten der Gesellschaft Jesu bekam das "Judenkommissariat" des Reichssicherheitshauptamtes übertragen. Leiter dieses Kommissariats war der berüchtigte Adolf Eichmann (1906- 1961). Auf Anordnung Hitlers vom 31. Mai 1941 hin wurden Angehörige der Gesellschaft Jesu als "nicht zu verwenden" ("nzv") aus der Wehrmacht ausgeschlossen.

Ordensmänner hingerichtet

Zahlreiche Ordensmänner wurden durch ihr Zeugnis zu Märtyrern. So wurde der Pallottinerpater Franz Reinisch am 21. August 1942 in Brandenburg-Görden enthauptet, da er den Fahneneid auf Hitler verweigert hatte. Am 13. August 1943 wurde in Berlin-Plötzensee der Marianistenpater Jakob Gapp hingerichtet. In Brandenburg-Görden hingerichtet wurden die beiden Jesuitenpatres Alois Grimm (11. September 1944) und Johann Steinmayr (18. September 1944). Noch kurz vor Kriegsende, am 15. April 1945, wurden in der Haftanstalt Stein die Franziskanerpatres Angelus Steinwender und Kapistran Pieller zusammen mit dem Weltpriester Anton Granig erschossen.

Insgesamt wurden in der Zeit des Nazi-Regimes von geschätzten 8.000 Klerikern in Österreich 724 inhaftiert. 15 Priester wurden zum Tod verurteilt und hingerichtet, sieben starben im Gefängnis. Mehr als 300 Priester wurden des Landes verwiesen, 1.500 Geistliche wurden mit Predigt- und Unterrichtsverbot belegt.

[kathpress]