Missionstag: Werte für das Zusammenleben

Am Missionstag bei den Herbsttagungen der Österreichischen Ordensgemeinschaften diskutierten Missionsverantwortliche der Orden und Interessierte am Thema Weltkirche über das Zusammenleben in Zeiten von Corona und den interreligiösen Dialog.

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Bereichsleiterin für Mission und Soziales, Lisa Huber, führte durch den Missionstag 2020. (c) Steinringer

Lisa Huber, die neue Bereichsleiterin der Österreichischen Ordenskonferenz für Mission und Soziales begrüßte gemeinsam mit P. Franz Pilz SVD, Leiter der Arbeitsgruppe Mission und Missionsprokurator der Steyler Missionare, traditionell aus dem Kardinal König Haus die rund 30 TeilnehmerInnen per Video.

Bischof Dr. Werner Freistetter gestaltete zu Beginn der Tagung am Gedenktag der hl. Katharina eine geistliche Einstimmung. In der Geschichte des barmherzigen Samariters lassen sich Parallelen zum heutigen „gehetzten und getriebenen Lebensstil“, selbst im Lockdown, erkennen. Für „Wertefragen des Zusammenlebens“, so der Titel des Missionstages, brauche es Ruhe und innere Stille.

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Bischof Werner Freistetter am Missionstag 2020. (c) Huber

Frau Dr. Sigrid Müller, Professorin für Moraltheologie an der Universität Wien, gab den thematischen Input zur Tagung, den sie in zwei Impulse aufteilte: einen Impuls zur Corona-Pandemie und einen zum interreligiösen Dialog. „Der Sintflut Corona – und was wir daraus lernen können“, unter diesem Titel ging Prof. Sigrid Müller vier Fragen nach: Was sind Werte? Was können wir aus der Coronakrise lernen? Welche Impulse finden wir dazu bei Papst Franziskus und welche Werte zählen für uns? Müller unterschied „nicht sittliche Grundwerte“, die unverzichtbar sind, wie Gesundheit, Freiheit, Eigentum, auf die alle anderen Werte aufbauen und „allgemeine sittliche Werte“, wie Achtung der Menschenwürde und Gerechtigkeit.

Sintflut Corona

Zur Coronakrise bemerkte Prof. Sigrid Müller, dass wie bei jeder Katastrophe, ob Sintflut oder auch einem Krieg, die Sinnsuche beginne. So zeige die Pandemie, was in der Gesellschaft im Argen liege. Ein Beispiel: Sozial schlechter gestellte Kinder verlieren im Distance Learning durch technische Nachteile ihre Chancengleichheit. Papst Franziskus mahnt, nach der Corona-Zeit nicht zurückzukehren zum Alten. So forderte er in einer Videobotschaft junge UnternehmerInnen auf, Entwicklungsmodelle für eine Wirtschaft zu finden, die den Menschen nicht nur am Papier, sondern real in den Blick nimmt.

„Welche Werte zählen nach Corona?“ fragte Prof. Sigrid Müller. Die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel sei die Ankündigung von einsetzbarem Impfstoff. „Es ist Land in Sicht für die Gesundheit, aber nicht für den Frieden oder die Ökologie“, so Müller. In der ersten Diskussionsrunde wurden viele Chancen für soziales Engagement in der Pandemie ausgemacht. Als Kirche müsse man selbst mutig sein, Veränderung in die eigene Hand zu nehmen.

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Austausch, Begegnung und Information - das war der Missionstag bei den #einfach anderen Herbsttagungen der Österreichischen Ordensgemeinschaften. (c) Gsellmann

Geschwisterlichkeit als Auftrag

Als zweiten Impuls brachte Prof. Sigrid Müller das Dokument zum interreligiösen Dialog von Abu Dhabi ein. Ziel des Dokumentes sei es, für eine Kultur der gegenseitigen Hochachtung zu arbeiten. Das Leitmotiv der Brüderlichkeit im Umgang mit anderen Religionen werde seit Papst Johannes XXIII. formuliert. Geschwisterlichkeit im Islam lässt sich nicht von einer „Gotteskindschaft“ herleiten, sondern über eine gemeinsame Abstammung von Adam und Eva. Im Dokument gehe es um erstens, die Verantwortung vor Gott, zweitens den Weg des Dialoges und drittens, der Regel der Zusammenarbeit. Papst Franziskus setze auf den interreligiösen Dialog, um vor allem gemeinsame soziale und ökologische Ziele zu verfolgen.

P. Franz Pilz erzählte in der anschließenden Diskussion von einem Projekt auf den Philippinen, wo Ordensangehörige mit Muslime in einem ökologischen Projekt zusammenleben. Auch der Terroranschlag in Wien war Thema und wie hier in Österreich der interreligiöse Dialog geführt werde.  Im Vordergrund stand die Frage, was die Kirche nach Corona anders machen könne, welche Weichen zur Veränderung also jetzt gelegt werden können.

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Vorstellung des neuen Bereichs Mission und Soziales in der Österreichischen Ordenskonferenz. (c) Gsellmann

Neuer Bereich mit vier Themen

Katrin Morales von der Jesuitenmission berichtete nach einer kleinen Pause über die Weltkirche-Tagung, die als Webinar abgehalten wurde, zum Thema „Globale Krise – Globale Kirche“. Anja Appel, Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, erzählte von den Verbesserungen im eigenen Statut und vom Missionsrat, der von der Bischofskonferenz zum Zweck der Vernetzung eingerichtet wurde. Lisa Huber stellte als neue Bereichsleiterin für Mission und Soziales das Organigramm der Österreichischen Ordenskonferenz und damit den neuen Bereich Mission und Soziales vor. Vier Themen gibt es im Bereich: „Mission international“, „Mission in Europa“, „soziale Initiativen“ und „zweiheimische Ordensleute“. Den Abschluss bildete ein Mittagsimpuls von Sr. Christa Petra Ahrer.

Vortragsfolien von Prof. Sigrid Müller

[manuela grabmayr & martin gsellmann]