Provinzoberer selbst in unmittelbarer Nähe des Terrorgeschehens

P. Bernhard Bürgler, Provinzoberer der österreichischen Jesuiten war selbst in unmittelbarer Nähe des gestrigen Terrorgeschehens. «Meinen Hass bekommt ihr nicht» ist auch seine Botschaft, denn der Auftrag aller Ordensleute sei die Verständigung zwischen den Menschen und zwischen den Religionen.

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P. Bernhard Bürgler, Provinzoberer der Jesuiten Österreich war am 2.11.2020 selbst in unmittelbarer Nähe des Terrorgeschehens (c) magdalena schauer-burkart

Schüsse und Lärm 

Genau zur Tatzeit war der Provinzobere der Jesuiten mit einem Taxi am Weg vom Wiener Hauptbahnhof ins Provinzialat der Jesuiten im 1. Wiener Gemeindebezirk. Auf der Fahrt durch die Rotenturmstraße stockte der Verkehr plötzlich und der Wagen musste halten.
Vor dem Taxi befanden sich bereits mehrere Fahrzeuge im Stillstand: «Der Taxifahrer und ich haben uns gefragt, was los ist, vor uns standen die Autos und wir sahen nur Blaulicht. Zuerst haben wir abgewartet, was passiert und als der Taxifahrer dann sagte, er komme nicht mehr weiter, sagte ich «Gut dann bezahle ich und gehe zu Fuß nach Hause.»

P. Bürgler bezahlte den Fahrer, öffnete die Taxitüre und wollte über die Bäckerstraße hinuntergehen, als er plötzlich Schüsse und Lärm hörte: «Daraufhin bin ich wieder in das Taxi eingestiegen. Bald darauf konnten wir dann doch weiterfahren, sind dann gleich rechts abgebogen und so gelangte ich nach Hause. Unterwegs habe ich dann am Handy schon gesehen, was los ist und danach erst wirklich mitbekommen, was da gerade geschehen ist.»

 

Mein erster Gedanke war, dass ein Unfall passiert sein müsse


Der Provinzobere der Jesuiten hörte die Schüsse aus nächster Nähe, wurde sich der Gefahr aber erst im Nachhinein bewusst: «Es war sehr nahe, ja! In dem Moment habe ich es aber nicht so dramatisch erlebt und mich zuerst nur einmal gewundert. Das Eindrücklichste waren die Massen von jüngeren Leuten, die vom Schwedenplatz Richtung Rotenturmstraße heraufgeströmt sind. Mein erster Gedanke war, dass ein Unfall passiert sein müsse.»

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"Gewalt hat in keiner Religion einen Platz!" betont der Jesuit P. Bernhard Bürgler. Mit seinen Gebeten und Gedanken ist er bei den Opfern der Terroranschlags und ihren Angehörigen (c) magdalena schauer-burkart

Gewalt hat in der Religion keinen Platz


Heute, am Morgen nach dem Terrorakt, bekundet er sein Erschrecken über diese ausufernde Gewalt gegenüber zufällig anwesenden Personen. Gerade gestern sind so viele Menschen unterwegs gewesen, um sich vor dem Lockdown das letzte Mal für längere Zeit persönlich zu treffen. Er betont: «»Gewalt hat in der Religion, in keiner Religion (!), einen Platz! Auch ich unterstreiche den Satz «Meinen Hass bekommt ihr nicht.», der durch Antoine Leiris bekannt wurde, der während der Terroranschläge 2015 die Liebe seines Lebens verlor.»»

P. Bürgler bedankt sich bei allen Sicherheitskräften, Rettungsleuten und Politikern, die mit dieser schwierigen Situation sehr professionell umgehen: «Der Auftrag an uns Ordensleute ist die Verständigung untereinander und zwischen den Religionen. Dafür leben und arbeiten wir und dafür werden wir uns immer einsetzen.
In Gedanken und im Gebet sind wir bei allen Opfern und ihren Angehörigen.»

 

[magdalena schauer-burkart]