"Ich habe gelernt, dass sich Kirche verändern kann"

Sr. Christine Rod MC war gestern zu Gast in der Talkreihe "Prominente Ordensleute im Gespräch" und sprach u. a. über ihren Weg in ihre Gemeinschaft, über die gestiegene Nachfrage nach dem "Freiwilligen Ordensjahr" in Coronazeiten und warum sie immer wieder auf die fehlende Ordenstracht angesprochen wird. 

20201020 Sr. Christine Rod

"Unser Leben und Wirken als Ordensleute soll für andere einen positiven Unterschied ausmachen", betont die Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz. (c) Wolfgang Linhart

Das Gespräch auf Radio Klassik hier zum Nachhören.

Einen positiven Unterschied machen

"Unser Leben und Wirken als Ordensleute soll für andere einen positiven Unterschied ausmachen", so die Ordensfrau Sr. Christine Rod von den Missionarinnen Christi, die gestern zu Gast im Radio-Gespräch "Prominente Ordensleute" war. Sie gab Einblick in ihr Ordensleben, über ihren eigenen Lebensweg, der sie schließlich über Umwege, die im Nachhinein fast als "Vorsehung" wirkten, mit 41 Jahren in den Orden der "Missionarinnen Christi" geführt hatte.

Vom Waldviertel auf die Philippinen und zurück

Christine Rod, geboren 1959 in Niederösterreich, studierte nach der Matura in Laa an der Thaya in Wien Theologie und Germanistik. Prägend in Erinnerung bleiben sollte ihr der Pfarrer der Gemeinde Laa, der spätere Weihbischof Krätzl, der viele neue Initiativen - im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzil - in der Pfarre durchführte. Kirche als etwas Neues, Kirche im Aufbruch, Kirche als einen Ort, wo etwas spannendes passiert, diese Bild nahm sie sich mit: "Ich habe gelernt, dass sich Kirche verändern kann."

Von 1985 an stand Christine Rod in den pastoralen Dienst der Erzdiözese Wien. Zwischen 1990 und 1992 verbrachte sie dabei einen Studienaufenthalt auf den Philippinen in Manila. Im Jahr 2000 trat Rod in die Gemeinschaft der Missionarinnen Christi ein. Von 2003 bis 2013 leitete sie den Bereich Ordensentwicklung im Kardinal-König-Haus. 2013 übernahm sie für sechs Jahre die Regionalleitung der Missionarinnen Christi für Deutschland und Österreich. Nach einem Sabbatjahr in Israel kehrte Rod nach Österreich zurück.

Seit Mai 2020 ist sie Generalsekretärin der Ordenskonferenz. Die Maxime der Frauen- und Männerorden, die nun gemeinsam unter dem Dach der Ordenskonferenz organisiert sind: "Wir wollen präsent, relevant und wirksam sein und bleiben", so Sr. Rod.

Sr. Christine mal 4

Kirche als etwas Neues, Kirche im Aufbruch, Kirche als einen Ort, wo etwas spannendes passiert, diese Bild nahm sich Sr. Christine Rod von ihrer Heimatpfarre im Waldviertel mit. (c) Wolfgang Linhart

Erofolgsstory "Freiwilliges Ordensjahr"

Vor vier Jahren haben die heimischen Ordensgemeinschaften das Projekt "Freiwilliges Ordensjahr" gestartet. Interessierte Frauen und Männer können zwischen drei und zwölf Monaten in einem Orden mitleben. War in den ersten drei Jahren die Resonanz bereits recht gut, so sei das Interesse seit dem Beginn der Corona-Pandemie nochmals deutlich gestiegen.

Es würden sich vor allem junge Männer melden. In Corona-Zeiten sei wohl bei vielen die Frage nach dem Sinn des Lebens neue aufgekommen, so die Erklärung Sr. Rods. Sie war am Montagabend zu Gast in der Sendung "Prominente Ordensleute im Gespräch" auf Radio Klassik Stephansdom. 

Die für das Projekt verantwortliche Ordensfrau Ruth Pucher MC führe pro Woche rund zwei Gespräche mit Interessenten, berichtete Rod. Dabei würden die Erwartungen abgeklärt. Das freiwillige Ordensjahr könne bzw. solle helfen, eine Klärung in Lebensfragen zu bringen, und zum anderen die Orden wieder stärker ins Gespräch zu bringen. Einige Teilnehmer seien auch schon in einen Orden eingetreten.

Ordensleben nach wie vor Zukunft

Auch wenn die Zahl der Ordensleute gerade in Österreich bzw. Mitteleuropa zurückgeht, hat das Ordensleben nach wie vor Zukunft, zeigte sich die Ordenskonferenz-Generalsekretärin überzeugt. Sie verwies u. a. auf das nachsynodale Schreiben "Vita Consecrata" von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1996, in dem es darum geht, dass durch die Orden Gottes Wirken in der Welt spürbarer bzw. die Welt menschlicher und gerechter werden soll. 

"EIN Ordensleben als solches gibt es nicht"

Das merke man schon am Aussehen. Die einen tragen Ordenstracht, die anderen nicht. Gerade das Fehlen einer Ordenstracht verwunderte doch einige. "Ich werde manches Mal stauenend gefragt, was ist denn ihr Ordenskleid? Dann antworte ich gerne heute das, morgen etwas anderes. DIe Antwort ist dann oft, ah morgen ziehen sie dann eines an", erzählt die Ordensfrau schmunzelnd. Ordenskleider sind scheinbar nur ein äußeres Zeichen, stehen aber gerade deswegen für die Verschiedenheit und Vielfalt der Gemeinschaften. 

 

20201020 Sr. Christine Rod 2

Die Gastgeberin des Abends, Lisa Huber vom Quo vadis?, freute sich über die Möglichkeit eines Live-Talks. (c) Wolfgang Linhart

Die Sendereihe "Prominente Ordensleute im Gespräch" ist eine Kooperation von "Radio Klassik Stephansdom" und "Quo Vadis?", dem Zentrum für Begegnung und Berufung der Ordensgemeinschaften Österreichs am Stephansplatz 6, (Zwettlerhof). Im "Quo Vadis" werden die Live-Gespräche auch aufgezeichnet, die auch nach der Ausstrahlung weiterhin im Podcast nachgehört werden können.

 Quelle: kathpress, Radio Klassik


Weiterführende Infos: 

Das Video zum "Freiwilligen Ordensjahr" wurde bereits mehr als 11.000-mal angeklickt. (c) YouTube

[mschauer-burkart]