„Gegen den Ausverkauf der Menschenwürde“

„Menschenwürde – du spielst eine Rolle“: Die Benefizmatinee gegen Menschenhandel am 18. Oktober 2020, initiiert von der Salvatorianerin Sr. Maria Schlackl in Kooperation mit dem Musiktheater Linz, machte betroffen.

20201018 sr maria Schlackl SDS Berthold Tauber 700

Initiatorin Sr. Maria Schlackl SDS: "Dazu sind wir aufgerufen, uns zu vernetzen und wirksam werden für ein würdevolles Menschsein". (c) Berthold Tauber

Es waren zweieinhalb Stunden, die informierten, die aufhorchen ließen, die betroffen machten, die manchmal sogar Tränen des Mitleids und des Zorns hervorbrachten. Was die Salvatorianerin Sr. Maria Schlackl und das Musiktheater Linz unter dem Titel „Menschenwürde, du spielst eine Rolle“ am 18. Oktober 2020, dem Europäischen Tag gegen Menschenhandel, gemeinsam auf die Bühne brachten, war eine für das Publikum eine emotionale Berg- und Talfahrt, die das Grauen des Menschenhandels anschaulich in Worte, in Musik und in Tanz fasste. Unberührt blieb keiner der Zuseher.

40 Millionen Menschen, so Schätzungen, sind Opfer des Menschenhandels. Es ist ein Milliardengeschäft; die Gewinne werden weltweit auf 32 Milliarden US-Dollar geschätzt – jährlich. Die Opfer sind Männer, Frauen, Kinder, sogar Babys; sie werden als Arbeits- oder Sexsklaven missbraucht oder zum Zweck der Organentnahme, Heirat oder Adoption verkauft.

20201018 WareMenschLinz 02

Bundespräsident Alexander van der Bellen bedankte sich in einer Videogrußbotschaft für das Engagement von Sr. Maria Schlackl. (c) Berthold Tauber

Bundespräsident Van der Bellen: Respekt und Danke

In einer Video-Grußbotschaft bedankte sich Bundespräsident Alexander van der Bellen bei Sr. Maria Schlackl und ihrem Team von der Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel“ für ihren „mutigen und engagierten Einsatz“, der ihr „oft nicht nur Anerkennung, sondern auch Anfeindung und Kritik einbringe. Und trotzdem tun sie es. Respekt und Danke!“ Sie widme sich „einem Leben im Schatten, abseits von Würde, Wohlstand und Freiheit.“ Und weiter: Das „Geschäft mit der Ware Mensch sei Realität, aber daran dürfen wir uns niemals gewöhnen.“

20201018 WareMenschLinz 03

Hausherr Intendant Hermann Schneider begrüßte die Gäste zur Benefizmatinee. (c) Berthold Tauber

Herrmann Schneider: Kunst ist Einführung ins Leben

Für Musiktheater Linz Intendant Herrmann Schneider war es eine Selbstverständlichkeit, sein Haus für diese Matinee zur Verfügung zu stellen. Man wolle damit seine Solidarität im Kampf gegen Menschenhandel zeigen. Doch mehr noch: „Der amerikanische Komponist John Cage definierte den Unterschied zwischen gegenwärtiges und früheres Kunstverständnis“, so Intendant Schneider. „Früher haben die Menschen Kunst als etwas verstanden, was besser organisiert war als das Leben, und in das man sich flüchten konnte vor dem Leben. Heute verstehen wir Kunst als Einführung in das Leben. Das ist genau unser Auftrag.“ Deswegen habe man auch das Musiktheater als Ort für diese Veranstaltung gewählt. Und weiter: „Aus diesem Grund ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, nicht nur von mir, sondern vom ganzen Ensemble, zu sagen, das ist unser Selbstverständnis, deswegen genauso Kunst zu machen.“

20201018 Bischof Manfred Scheuer LAbg. Christian Kolarik LR Birgit Gersorfer Superintendent GeRold Lehner Intendant Hermann Schneider Moderator Peter Wesely. 700

Bischof Manfred Scheuer, LAbg. Christian Kolarik, LR Birgit Gersorfer, Superintendent Gerold Lehner, Intendant Hermann Schneider, Moderator Peter Wesely. (c) Berthold Tauber

 Sr. Maria Schlackl: der Menschenwürde Stimme geben

„Menschenwürde wohnt in jedem Menschen inne“, sagte Matinee-Initiatorin Sr. Maria Schlackl in ihrer Begrüßungsrede. „Sie umhüllt uns, schützt uns. Können wir davon ausgehen, dass das für alle Menschen gilt?“ Es stünde in der Deklaration der Menschenrechte, dass alle Menschen gleich seien frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Doch das stünde nicht im Einklang mit der Wirklichkeit. Können Menschen ihre eigene Würde schützen vor fremden Zugriff? Können sie hineinschlüpfen in die Menschenwürde wie die Rolle in einem Theater? „Ist die Menschenwürde in Gefahr? Das ist eine der großen Menschenrechtsfragen, der wir uns stellen müssen.“

Als Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel“ und sehe man für sich den Auftrag, die „Frage nach dem Menschen und seiner Würde wachhalten und eben dieser Frage Stimme und Ausdruck durch unseren öffentlichen Auftritt geben“, so Sr. Schlackl. „Dazu sind wir aufgerufen, uns zu vernetzen und wirksam werden für ein würdevolles Menschsein – in erster Linie gegen den Ausverkauf der Menschenwürde. Für eine respektvolle Gesellschaft ohne Machtgefälle zwischen Frau und Mann. Für eine Gesellschaft, in der Menschen nicht ausgebeutet und in sklavenähnlichen Bedingungen gehalten und missbraucht werden. Denn dafür gibt es Profiteure“, so die Salvatorianerin.

20201018 WareMenschLinz 04

Bewegend: Dance Kompany Variable – Menschenwürde bewegt – heraus aus Unterdrückung und Abhängigkeit. (c) Berthold Tauber

Die Benefizmatinee, deren Reinerlös dem Verein SOLWODI zugutekommt, wurde künstlerisch unterstützt durch Daniela Dett und Christian Fröhlich vom Musiktheater Linz, dem Kammermusikensemble Lentia Nova unter der musikalischen Leitung von Michael Wahlmüller und der Dance Company Variable.

20201018 WareMenschLinz 05

Teil des Programms: Sich erheben - eine Solotanz von Lieselotte Judith Höfler – ein Ringen mit Kraftanstrengung – heraus aus der Spirale. (c) Berthold Tauber

Unter den 180 Gästen konnten auch Bischof Manfred Scheuer, Sr. Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Landtagsabgeordneter Christian Kolarik, Landesrätin Birgit Gerstorfer und Superintendent Gerold Lehner begrüßt werden.

 

[robert sonnleitner]