Nähe trotz Distanz: Seelsorge in Corona-Zeiten

Die Besuchsbeschränkungen in Krankenhäusern und Seniorenheimen stellen PatientInnen, BewohnerInnen, Angehörige und Pflegepersonal auf eine harte Probe. SeelsorgerInnen versuchen, über die notwendige Distanz hinweg Nähe zu ermöglichen. Ein Bericht aus der Diözese Linz.

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Besuche der SeelsorgerInnen finden unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen statt. (c)  Aschauer

Seit Mitte März kämpfen die (Ober-)ÖsterreicherInnen aufgrund der Corona-Pandemie mit massiven Einschränkungen. Menschen in Krankenhäusern und Seniorenheimen treffen die Schutzmaßnahmen besonders: Keine Besuche der Angehörigen, nur Kontakt per Telefon, Videochat oder schriftlich. Und obwohl die Besuchsbeschränkungen mit 4. Mai gelockert wurden fehlen Berührungen, Umarmungen und persönliche Gespräche mit der Familie oder Freunden vielen Menschen.

Bis vor Kurzem waren auch Besuche von SeelsorgerInnen nicht erlaubt. Diese haben nach Wegen gesucht, um PatientInnen und BewohnerInnen trotzdem begleiten zu können. Die Krankenhausseelsorge bot telefonische 24-Stunden-Beratung an. „Viele KollegInnen waren äußerst kreativ“, erklärt der Referatsleiter für Altenpastoral der Diözese Linz, Mag. Rupert Aschauer. SeelsorgerInnen haben für BewohnerInnen kleine Aufmerksamkeiten gebastelt oder Gebetsblätter zur Verfügung gestellt.

Gesten schaffen Nähe

Doch sei es „höchste Zeit, dass SeelsorgerInnen wieder kommen dürfen“, sagt Aschauer, der selbst seelsorglich im SENIORium Mauthausen tätig ist. Denn kein Telefonat oder Videochat könne ein persönliches Gespräch ersetzen. Davon ist auch Mag.a Christiane Roser, Referentin für Krankenhauspastoral, überzeugt. Seit Anfang Mai ist der Besuch im Zimmer für SeelsorgerInnen wieder möglich. Dies erfolgt nach vorheriger Rücksprache mit dem Pflegepersonal und den PatientInnen. Auch wenn körperliche Nähe oft als „heilsam“ erlebt wird: Auf Berührungen muss noch verzichtet werden.

„Neue Gesten werden gefunden oder wiederentdeckt, die Nähe und Verbundenheit ausdrücken sollen“, schildert Roser. Zum Beispiel: „Handflächen aneinanderlegen, vor dem Herzen halten und verbeugen oder mit den Händen die Kontur eines Menschen nachzeichnen und symbolisch Schutz und Behütet-Sein ausdrücken. Auch Segensgesten über dem Kopf sind bekannt und nach wie vor möglich.“ Trotzdem ist es für alle Beteiligten eine große Herausforderung, sich auf die Wirkung des Verlustes, der Distanz und auch der Abwesenheit einzulassen und daraus dann eine der Situation angemessene neue Praxis zu entwickeln.

Gottesdienste, die in der Zeit der großen Einschränkungen zum Teil über das Hausradio oder Haus-TV der jeweiligen Einrichtungen übertragen wurden, können jetzt wieder – unter bestimmten Bedingungen – stattfinden. Die SeelsorgerInnen nutzen aber diverse Medien, um etwa auch zu Angehörigen zu vermitteln. 

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KrankenhausseelsorgerInnen haben viele emotional schwierige Situationen zu meistern. (c)  Winlkmayr

Denn die Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit den Liebsten ist oft groß – wie zum Beispiel bei einer Tochter, die sich um ihre Mutter sorgte. Sie kontaktierte die Krankenhausseelsorge: „Im Gespräch stellte sich heraus, dass die Dame Musikerin war. Der Seelsorger vor Ort ermöglichte ihr über das Haus-Radio eine Übertragung von der Kapelle an das Krankenbett der Mutter. Die Tochter spielte ihrer Mutter vor und sandte ihr einen persönlichen Gruß“, erzählt Roser. Der Seelsorger war währenddessen bei der Patientin und schaute darauf, dass sie die Übertragung auf dem richtigen Kanal verfolgen konnte.

„Viele emotional schwierige Situationen“

Manche Besuche finden im Garten unter Einhaltung der Abstandsregeln statt. Einige Einrichtungen stellen separate Räumlichkeiten zur Verfügung. Eigene Besucherkojen und Plexiglasscheiben bieten Schutz vor möglicher Ansteckung. Händedesinfektion vor und nach den Besuchen war immer schon üblich. Jetzt wird mit neuer Dringlichkeit darauf geachtet. Mund-Nasen-Schutz oder auch Gesichtshelme sind verpflichtend. „Ältere Menschen hören oft schlecht. Mit Mund-Nasen-Schutz ist das oft schwierig“, weiß Aschauer. Heikel sind auch Verabschiedungen von Sterbenden, wenn nur eine Person teilnehmen kann. „Dabei kam es zu vielen emotional schwierigen Situationen“, berichtet Roser. Aufgrund der Personenbeschränkung werden bei Verabschiedungen von Toten manchmal bis zu drei Verabschiedungsfeiern nacheinander begangen. Herausforderungen liegen schließlich auch darin, die SeelsorgerInnen selbst zu schützen, wenn sie aufgrund von Vorerkrankungen selbst zur Risikogruppe gehören.

Neue Kooperationen sind entstanden, die Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team hat sich intensiviert. Trotzdem: „Alle wünschen sich Normalität zurück“, sagt Roser. „Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Pandemie lässt niemanden unberührt.“

 

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Kommunikationsbüro der Diözese Linz
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[elisabeth mayr]