Mutbotschaft: HOPE-Office statt Homeoffice

 P. Alois Köberl über die aktuelle Lage in Stift Melk und seinen Zugang zur Krisensituation als junger engagierter Ordensmann. Sein Motto: Hopeoffice statt Homeoffice und alles in Gottes Hand legen.

 P. Alois Köberl

P. Alois Köberl startete gemeinsam Mitbrüdern mit dem HOPE-Office eine Gebetsoffensive (c) P. Alois Köberl

Ein Stück unserer Seele fehlt

Es ist sehr, sehr ruhig geworden bei uns. Unsere Tore sind geschlossen, weder Schüler, Lehrer noch unsere MitarbeiterInnen, die Gottesdienstgemeinde oder die vielen Touristen sind momentan hier. Zum einen konnte bzw. kann ich dem auch etwas Positives abgewinnen, weil es einfach auch wieder ein bisschen durchatmen lässt, und man auch das Kloster wieder für sich selbst entdecken kann.
Doch zum anderen habe ich relativ bald gemerkt, dass dem Haus dadurch etwas Wesentliches fehlt. Was unser Haus ausmacht ist nicht nur die benediktinische Gemeinschaft die hier lebt, sondern das sind die vielen, vielen Menschen, die hier ein und aus gehen und die sich bei uns auch ein Stück weit zuhause fühlen.

Sie fehlen – und das umso mehr, ja länger diese Situation andauert. Ich würde fast sagen, dass uns deshalb momentan auch ein Stück „unserer Seele“ fehlt, was natürlich weh tut.

HOPE-OFFICE statt Homeoffice

Gemeinsam mit einigen Mitbrüdern versuche ich eine Art „Nachrichten-Fasten“. Das heißt, ich muss nicht bis ins letzte Detail ständig „up-to-date“ sein, was die Corona-Krise betrifft.

 Und wir starteten mit unserem >HOPEoffice< eine Hoffnungs- und Gebetsoffensive. Dabei haben wir vorübergehende einen Raum neben unserer Benediktuskapelle als Art „Medienbüro“ eingerichtet.

Von der Kapelle aus – wo wir uns im persönlichen Gebet zuerst selbst immer wieder dem lebendigen und lebendigmachenden Gott als Grund unserer Hoffnung anvertrauen - planen wir verschiedenste Aktionen und Initiativen, die wir dann versuchen, digital und multimedial mit Bildern, Videos, Audiobotschaften etc. umzusetzen.
Uns ist es wichtig, die Menschen nicht einfach nur mit Gebeten „zu versorgen“, sondern sie auch aktiv einzubinden. So bekommen wir beispielsweise konkrete Gebetsanliegen, Bitten oder Dank via Whatsapp, Instagram, SMS, Email oder Audiobotschaft. Diese nehmen wir noch am selben Tag in unser Gebet hinein. Wer dies als zusätzlichen Trost wünscht, bekommt auch eine Aufnahme davon.

 Auf YouTube - Stichwort #einfachGebet - haben wir einige Gebete online gestellt, die in den letzten Wochen entstanden sind und in denen ebenso Bitte und Dank der Menschen zum Tragen kommen.
Für die Karwoche (Palmsonntag, Gründonnerstag, …) werden diese Gebete aus vielen Beiträgen jener Menschen zusammengestellt, die sich unserem Haus verbunden fühlen.
So soll eine Art „gemeinsames Feiern“ trotz der räumlichen Distanz ermöglicht werden.

 Der Pfarrverband Melk-St. Koloman hat auf seiner Homepage und auf jener des Stiftes überdies eine sehr gute Auswahl an Feiermöglichkeiten und Ritualen für die Hauskirchen zusammengestellt; auch hier gilt, dass die Gläubigen zuhause ihren Glauben feiern sollen sich so bestärkt wissen. Und so versuchen wir Ostern zu begehen: Gemeinsam zu feiern, mit den Menschen verbunden zu sein und sie eben auch aktiv virtuell einzubinden.

Genau jetzt ein Zeichen setzen

Meine Priesterweihe wäre für den 10. Mai geplant; Die Regierung hat gestern alle Veranstaltungen bis Ende Juni ausgesetzt.

Ich persönlich fände es gut und richtig, wenn die Weihe – wenn auch nur im kleinsten Rahmen, ggf. mittels Livestream übertragen – am geplanten Termin stattfinden könnte. Es wäre ein Signal, mit dem die Kirche sagen könnte: Gerade jetzt, in der Krise, gibt es Menschen, die sich diesem Dienst stellen.
Aber es müssen viele Faktoren berücksichtigt werden und die Gesundheit aller Beteiligten steht selbstverständlich an erster Stelle!
Auch wenn ich es schade fände, wenn die Weihe in den Herbst – „wenn alles vorbei ist und wir uns wieder freuen können“ – verschoben würde, so möchte ich es doch in Gottes Hand legen, ER selbst soll mich schließlich zu einem Hoffnungszeichen für die Welt formen und nur ER weiß, welche Schritte dazu (wann) nötig sind.

Der Tod hat nicht das letzte Wort

Meine Mutbotschaft in diesen Tagen: Ich spüre mehr denn je, dass Gott mit uns ist! Gerade unsere geprägte Zeit des Fastens und des darauffolgenden Osterns sagt uns doch:

Auf die Fastenzeit, auf das Dunkel des Karfreitags folgt der Ostermorgen; auf das Unfassbare folgt das Unglaubliche: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern die Liebe ist stärker als der Tod.
Gerade jetzt dürfen wir mit dieser unserer Frohen Botschaft nicht hinter dem Berg halten, gerade jetzt müssen wir weitersagen: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Denn er, Gott selbst, stärkt, trägt und führt uns, wenn wir uns ganz ihn seine Hand geben.

Ihr P. Alois Köberl

 

[magdalena schauer]