"Das Lachen erkennt man an den Augen"

„Bleib Zuhause!“, so lautet die aktuelle, wichtige Devise. Aber was tun, wenn man kein Zuhause hat? Obdachlose Menschen sind von der aktuellen Situation besonders hart betroffen. Désirée Amschl-Strablegg, Bereichsleiterin für Hospiz und Palliativ bei den Elisabethinen, gibt einen Einblick in das momentane Leben im VinziDorf-Hospiz.

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Désirée Amschl-Strablegg bei ihrer Arbeit für das VinziDorf-Hospiz. (c) Elisabethinen Graz 

„Es ist still geworden im VinziDorf-Hospiz. Einerseits weil „Struwl“, unsere musikalische Frohnatur, wieder in eine eigene Wohnung gezogen ist, und andererseits, weil auch im Hospiz Besuchsverbot gilt. Besuchsverbot, um unseren zweiten Schützling vor der neuen, unsichtbaren Bedrohung, dem Coronavirus, zu schützen. Das ist ungewohnt, wenn es so still ist im Hospiz. Denn normalerweise treffen sich dort Menschen, denen das Wohl der Bewohner/innen am Herzen liegt: Ehrenamtliche, Pflegende und Ärzt/innen aus dem Krankenhaus, Besucher aus dem benachbarten VinziDorf.

Anete und Jasminka, unsere wunderbaren Personenbetreuerinnen aus Kroatien – die beiden sind großartig, in dieser Selbstverständlichkeit, in der sie für unsere Bewohner/innen da sind – halten mit Ausdauer die Stellung, ohne dabei den Humor zu verlieren. Die Besuche von Pflegenden und Ärzt/innen finden natürlich unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen statt, die gewohnte Herzlichkeit muss aus sicherer Entfernung – versteckt unter einer Maske – stattfinden. Wie gut, dass man an den Augen das Lachen erkennen kann!

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Schau hin und handle! (c) Elisabethinen Graz

Sehr bald wird ein Herr das zweite Zimmer im Hospiz beziehen. Wir kennen ihn schon, weil wir ihn schon eine Zeit lang im VinziDorf mitbetreuen. Und freuen uns auf ihn, denn mit ihm kommt auch wieder ein wenig mehr Leben ins Haus. Auch er braucht aufgrund einer schweren Erkrankung den Schutz eine gewisse Isolation.

´Schau hin und handle´ kann manchmal auch bedeuten, sich zurück zu halten und besonders gefährdetes Leben zu schützen. Sollte für einen unserer Bewohner jedoch die Zeit zu gehen gekommen sein, dann gilt nur noch eines: da sein – vorbehaltlos.“

Désirée Amschl-Strablegg


Am kommenden Palmsonntag, 5. April, dem dritten Geburtstag des VinziDorf-Hospizes, stellen die Elisabethinen Graz eine neue Initiative in Hinblick auf die Hospizbetreuung bei den Elisabethinen vor, die gerade in diesen herausfordernden Zeiten bedrängend aktuell ist.


[martin gsellmann]