Mutbotschaft: Solidarität wird großgeschrieben und gelebt

Sr. Angelika Garstenauer ist Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck und schreibt ganz offen darüber, wie sie und ihre Gemeinschaft damit umgehen, dass von heute auf morgen alles anders ist. Von den Ängsten und dem Vertrauen auf den Herrn, das Stütze und Halt geben kann, und der Solidarität und Hilfsbereitschaft, die beinahe Unmögliches leisten. 

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"Ich merke und spüre, dass ich achtsamer und aufmerksamer bin, dass ich mich verlässlich und konsequent auf dieses Leben jetzt einlasse und alles tue, um die anderen und mich nicht zu gefährden." beschreibt Sr. Angelika Garstenauer wie sie die aktuelle Situation wahrnimmt.

Vertrauen in allen Formen

 „Allein das Vertrauen auf den Herrn ist uns Stütze und Halt“ – mit diesen Worten, die unserer Mitgründerin Sr. Franziska Wimmer tief ins Herz geschrieben waren, möchte ich diese Zeilen beginnen.

Vertrauen – genau das brauchen wir alle in dieser so schweren und herausfordernden Zeit der Corona Krise. Vertrauen untereinander, Vertrauen zu uns selber und ganz besonders Vertrauen auf GOTT, um Halt und Stütze zu bekommen.
Wir leben in einer außerordentlichen Zeit. Ich habe eine solche Zeit noch nie erlebt und viele andere auch nicht. Das kleine, winzig kleine Virus, so mächtig, übermächtig!Wann wache ich endlich auf und bin froh, dass ich nur geträumt habe? Leider funktioniert das nicht, denn es ist die Wirklichkeit, die wir gerade erleben und erfahren. Von heute auf morgen ist alles anders.

Wir sehen und hören es fast stündlich in den Nachrichten: Die Corona Krise hat uns fest im Griff.
Diese Krise ist eine echte Herausforderung für alle, für Familien, für die Gesellschaft, für die Wirtschaft, für die ganze Welt.
Und genau so trifft es unsere Gemeinschaften, die kleinen und großen, es trifft unser Zusammenleben und natürlich jede von uns persönlich. In der Gemeinschaft bemühe mich, mit dieser Situation so gut wie möglich umzugehen. Ich gebe mein Bestes, mich auf diese Zeit und auf die Menschen, die mich brauchen, einzulassen.

Verantwortung wahrnehmen

Mit meinen Mitschwestern in der Ordensleitung nehme ich die Verantwortung für die Gemeinschaft wahr. Denn viele gehören zur Risikogruppe, daher ist es umso wichtiger, sie und zugleich viele andere zu schützen. Die Verantwortung ist groß und wir müssen sie wahrnehmen!

Die schrittweisen Anweisungen und Vorschriften führen zu Verunsicherung bei den Mitschwestern, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Alten- und Pflegeheimen, in den Bildungseinrichtungen und in allen Bereichen unseres Ordens.

Was mir sehr viel Hoffnung, Mut und Zuversicht gibt, sind der Einsatz und das Engagement, die Hilfsbereitschaft und Unterstützung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Solidarität wird großgeschrieben und gelebt, beinahe Unmögliches wird in unseren Einrichtungen geleistet. Dafür spreche ich meinen großen Dank aus.

„Gemeinsam schaffen wir das“ – und „Wir bleiben zu Hause und beten für dich!“ – so haben wir es als Gemeinschaft kundgetan und das machen wir auch sehr verlässlich und konsequent. Wir Schwestern beten, wir nehmen die Anliegen, Ängste und Unsicherheiten mit ins Gebet und bitten um Gottes Schutz und Segen.

Der Alltag ist anders

Für mich persönlich gestaltet sich der Alltag auch anders als gewöhnlich. Termine und Sitzungen mache ich von zu Hause aus. Via Email, Skype-Konferenzen … viele Gespräche mache ich per Telefon. Ganz unterschiedlich sind die Anliegen, Sorgen und Nöte, die mir da anvertraut werden.

Irgendwie bedeutet das auch weniger Druck und Stress, schenkt mehr Zeit und gibt mir Möglichkeiten, mich wieder auf Wesentliches zu konzentrieren. Oft wird mir dann auch wieder sehr bewusst, wie dankbar ich sein darf für das Geschenk meiner Berufung. Ich habe einerseits mehr Zeit fürs Gebet, muss viel weniger unterwegs sein, habe weniger persönliche Kontakte…, andererseits empfinde ich die notwendigen Maßnahmen auch als Einschränkung.

Was macht das alles mit mir?

Ich merke und spüre, dass ich achtsamer und aufmerksamer bin, dass ich mich verlässlich und konsequent auf dieses Leben jetzt einlasse und alles tue, um die anderen und mich nicht zu gefährden. Meine Aufmerksamkeit richtet sich noch stärker auf mein Gegenüber, das ich jetzt nicht sehen kann, ich konzentriere mich und bin sehr bedacht, ganz da zu sein, einfühlsam und empathisch zuzuhören, auch die leisen Töne zu erlauschen. In meinem Inneren, in meinem Herzen, sind mir jetzt viele Menschen näher, weil ich mich tiefer, mit meinen Gedanken und mit meinem ganzen Wohlwollen mit vielen verbunden fühle.

Und dennoch vermisse ich die vielen, netten Begegnungen mit den Menschen und die persönlichen Kontakte von Angesicht zu Angesicht.Ich versuche, die Menschen in der ganzen Welt – sei es in Italien, Spanien, in den USA … –, mitzutragen und möchte sie in Verbindung bringen mit dem Gott des Lebens, der Liebe und des Erbarmens. Sie sollen spüren, dass es Menschen gibt, die für sie beten und an sie  denken, die den Schrei hören und nicht überhören. Ich vertraue, glaube und hoffe, dass wir in dieser schwierigen Situation nicht alleine sind.

Daher stärkt mich in dieser Zeit vor allem das Gebet, auch wenn wir es nicht gemeinsam verrichten können. Hier fühle ich mich mit allen verbunden, ich bringe alle Sorgen, Nöte, Ängste und Anliegen vor Gott zur Sprache.Von großer Bedeutung sind für mich die kleinen alltäglichen Aufmerksamkeiten, Freuden und auch schönen Momente. Auf sie dürfen wir nicht vergessen.

Nichts ist selbstverständlich, das spüren und erleben wir besonders jetzt.

Ich wünsche uns ein mutiges, frohes, dankbares Herz, Vertrauen und Zuversicht für jeden neuen Tag!

 Sr. Angelika Garstenauer

 

[mschauer]