Weltfrauentags-Serie Tag 4: Gelebte Spiritualität

Sr. Ruth Pucher MC, Leiterin des Bereichs Ordensentwicklung im Kardinal-König-Haus, geht der Frage nach, wie Spiritualität in der Kirchengemeinde gelebt werden kann. Eines vorweg: alle Wege führen zu Gott.

 

20200227 Frauentag JETZT Hefte 5 700 Spiritualität von oben oder von unten? (c) Schauer
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Die Grundlage von Sr. Ruth Puchners Reflexionen über das Thema Spiritualität bildet ein Textauszug aus dem Buch "Change not Changes" , dass 1969 Father C. J. McNaspy verfasst  hat. Das Buch forderte zu einem gemeinsamen, nachhaltigen Aufbruch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils auf: eine tiefer gehende Änderung der Kirche und keine kosmetischen Korrekturen lautete die Botschaft von Father McNaspy.

Father McNaspy war Professor an der Loyola Univesität New Orleans und von 1960 bis 1970 Associate Editor der wöchentlich erscheinenden Jesuiten-Zeitschrift "America". Sein Anliegen war es stets, in den USA und später als Missionar in Paraguay die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils ("der neuen Look der Kirche") an junge Leute weiter zu vermitteln.

Textpassagen für die Zeitschrift

Die Zeitschrift JETZT übersetzte mehrere kurze Passagen aus seinem Buch unter der Rubrik "Konfrontation". In dem kurzen, von uns für diese Serie gewählten, Textauszug geht es um den Wandel in der Liturgie und wie sie jetzt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeordnet werden kann. 

1969: C. J. McNaspy 'Change, not changes', Textauszug

"Das (Anm. Mittelalter und frühe Neuzeit) entspricht jener Periode der Liturgie, da mehr beobachtet wurde als teilgenommen. Die Leere wurde durch Andachten ausgefüllt: Rosenkranz, Kreuzweg, Krippenandacht usw. Alles sehr gut, alles von bleibendem Wert. Heute aber kommt hinzu: die Dokumente des II. Vatikanums kehren zur ursprünglichen Spiritualität zurück und zu den ersten Quellen, der Schrift und der Heilgeschichte. Die Geistigkeit heute ist im Paschah-Mysterium und in der Gegenwart Christi zentriert. Liturgie wird nicht mehr in der Vertikalen, als Weg zu einem Gipfel gesehen, sondern als eigentlicher Brennpunkt des geistlichen Lebens."
Aus "JETZT", Zeitschrift der österreichischen Ordensfrauen, 2/1969


2020: Sr. Ruth Pucher MC,  Leitung Ordensentwicklung im Kardinal König Haus

„Das Zitat spricht die Frage an, ob wir mehr einer „Spiritualität von oben“ oder einer „Spiritualität von unten“ folgen wollen. Natürlich gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Aber unter bestimmten Umständen scheint dieser oder jener Zugang mehr zum Leben und damit zu Gott zu führen.

Spiritualität von oben

Bei einer „Spiritualität von oben“ sind die Gläubigen stark von Idealen geleitet – aus der Heiligen Schrift, von Autoritäten der Kirche wie Heilige, heutige Amtsträger oder von eigenen Vorstellungen, wie man sein sollte. Dieser Weg bietet die Chance, über sich selbst hinauszuwachsen und höher zu Gott aufzusteigen. Askese und Vollkommenheitsstreben sind die wichtigsten Vehikel auf diesem Weg. Dass dabei oft die eigene Wirklichkeit und die anderer übersehen werden, sind Schattenseiten und führen oft in die Überforderung.

Spiritualtitä von unten

Eine „Spiritualität von unten“ setzt in der Wirklichkeit der Menschen an und ist von der Überzeugung getragen, dass Gott inmitten dieser Welt zu finden ist. Die eigene Situation wahrzunehmen und anzunehmen, unrealistische Phantasien abzulegen und darin offen zu werden für Gottes Wirken an jedem Menschen, sind dabei Schritte, die mehr zu Gott führen. Falsch verstanden kann dieser Weg in die Untätigkeit führen, weil Gott sowieso überall zu finden ist. Aber gerade in der Spiritualität von unten gilt es, beständig dran zu bleiben an der eigenen Entwicklung und Versöhnung mit meiner Lebensgeschichte.

Das Pascha-Mysterium bedeutet für mich genau das: den Abstieg in die eigene Realität, um zu neuem Leben aufzusteigen.

Sr. Ruth Pucher  


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[elisabeth mayr]