Ordensgemeinschaften starten polarisierende Serie zum Weltfrauentag

Ausgehend von der konfrontativen Ordensfrauenzeitschrift „JETZT“, die 1968 in Österreich gegründet wurde, prüfen Ordensfrauen und Ordensmänner die Anliegen von damals unverblümt im Heute.

 

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In einer aufbrechenden Zeit 1968 erschien das "JETZT" der österreichischen Ordensfrauen. (c) Archiv Vereinigung der Frauenorden Österreich(VFÖ).

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Archivrecherchen ließen das Medienbüro-Team auf die sehr modern anmutende Zeitschrift der österreichischen Ordensfrauen mit dem griffigen Titel „JETZT“, die 1968 ins Leben gerufen wurde, stoßen.
Der Untertitel der Quartalszeitschrift war Programm: „Information und „Konfrontation“. Man nahm sich kein Blatt vor den Mund und sprach durchaus heikle Themen wie beispielsweise den gelebten Gehorsam und den Raum für Individualismus an:

„Was die Gemeinschaft braucht, ist der tätige Beitrag jedes einzelnen mit allen seinen Gaben und allen in ihm liegenden Möglichkeiten (…)Passivität und Konformismus sind keineswegs dasselbe wie Gehorsam. Es muss daher konsequent alles ausgeräumt werden, was auf der einen Seite einem Materialismus und auf der anderen einem Infantilismus Vorschub leisten könne. Dadurch wird der Weg frei für die notwendige Mitverantwortung auch innerhalb der Ordensgemeinschaften.“ Sr. Marie Marcelle de Maegdt, Sint-Niklaas, Belgien (JETZT 3/1968, S. 16)

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Unter den Schlagworten "Information" und "Konfrontation" eckte die Redaktion des "JETZT" gerne an. (c) Archiv Vereinigung der Frauenorden Österreich(VFÖ).

Die ehemalige Referatsleiterin für Kulturgüter, Helga Penz sagt dazu: „Die Zeitschrift war graphisch und inhaltlich innovativ, unkonventionell und in einem Ausmaß aufmüpfig, dass nicht wenigen Oberinnen der Atem stockte. Man wählte bewusst die Konfrontation und oft auch Provokation, um Themen in Diskussion zu bringen. Letztendlich fühlten sich aber viele österreichische Oberinnen nicht richtig repräsentiert und der Ordensrat sah sich schließlich veranlasst, die Redaktion abzurufen. Diese wechselte 1969 in einen Münchner Verlag, „Jetzt“ erschien noch bis 1998 als ‚Zeitschrift für Ordensfrauen‘.“

Diesen Texten soll nochmals eine Plattform geboten werden und sie gleichzeitig kritisch im Heute beleuchtet werden. Ab Sonntag, 8. März 2020, erscheinen sieben Beiträge auf der Homepage www.ordensgemeinschaften.at die Passagen aus den ersten Ausgaben der „JETZT“ und bezugnehmende Kommentare einer Ordensfrau, eines Ordensmannes aus heutiger Sicht präsentieren. Sr. Margaretha Herrnau, Erzabt Korbinian Birnbacher, Sr. Beatrix Mayrhofer etc. analysieren, was sich in Sachen Gleichberechtigung und Emanzipation von Frauen aus Perspektive des Ordenslebens getan hat. Sie stimmen zu und sie widersprechen. Dadurch zeichnen sie ein Bild der Entwicklung, die Ordensgemeinschaften auf ihrem Weg vom Zweiten Vatikanum bis heute, als mittlerweile Österreichische Ordenskonferenz gegangen sind.

Das Projekt wurde von Magdalena Schauer und Elisabeth Mayr vom Büro des Bereichs Kommunikation und Medien der Österreichischen Ordenskonferenz entwickelt und durchgeführt.

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Die "Relecture" des "JETZT" durch Ordensmänner und Ordensfrauen sind auch eine Positionsanzeige des Ordensleben heute. (c) Magdalena Schauer

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