Ordensfrau Melanie Wolfers kritisiert Frauenbild in "Querida Amazonia"

Das nachsynodale Schreiben ist für Frauen, die auf mehr Gleichbereichtung hofften, eine bittere Pille. Auch Sr. Melanie Wolfers zeigt sich im Radiointerview mit Ö1 „peinlich berührt“.

 Sr Melanie Wolfers kritisiert das Papstschreiben

Sr. Melanie Wolfers ist „wütend und traurig“ über das Papstschreiben. (c) Wolfers

Sie könne den ganzen Abschnitt über die Rolle als Frau eigentlich „nur zynisch lesen“, sagt Sr. Melanie Wolfers von den Salvatorianerinnen. Dort werde ein Frauenbild aus den vergangenen Jahrhunderten einbetoniert, das sämtliche moderne Forschung bereits widerlegt habe.

Dazu gehöre etwa die typische Argumentation, dass Jesus ein Mann war und deswegen auch nur Männer Priester werden können. Im Schreiben des Papstes wird explizit auf diese Trennung hingewiesen: "Die Liebe und Macht Gottes zeigt sind in zwei menschlichen Gesichtern: Im Gesicht des Mensch gewordenen Sohnes und in dem weiblichen Geschöpf Maria." Es liege, so Sr. Melanie nahe, den Schluss daraus zu ziehen, dass Männer Jesus und Frauen Maria ähneln. Das sei theologisch nicht richtig und fast gefährlich. Ja, es gibt einen Unterschied: Jesus Christus ist Gottes Mensch gewordener Sohn. Aber: beide, sowohl Jesus als auch Maria, sind Menschen. „Es heißt nicht, Gott ist Mann geworden, sondern Gott ist Mensch geworden.“

Ein zweites gängiges Argument gegen die Weihe ist, dass es keine Tradition hat, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Das ist auch korrekt, aber das liege laut Sr. Melanie ganz klar an den patriarchalen Strukturen der Gesellschaft. Immerhin war es bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch undenkbar, dass Frauen wählen gehen konnten. Bis 1971 hat in Deutschland der Mann bestimmt, ob eine Frau arbeiten gehen durfte oder nicht. Natürlich kam vorher niemand auf die Idee, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, das lag jenseits aller Vorstellungskraft.

Vielfalt des Mensch-Seins nur für Männer?

Jetzt mit dem Papstschreiben wurde die Gräben zwischen den Geschlechtern wieder erneuert, anstatt der Versuch gestartet, diese zu schließen. Die Rolle der Frau wird auf ein Wesensmerkmal hin definiert: das der Zärtlichkeit – im Vorbild Mariens. Das Wesen der Frau, ihre Berufung, liegt in der Mutterschaft. „Damit wird Frauen die Freiheit und Vielfalt des Mensch-Seins nicht als etwas zugesprochen, das ihrem Wesen gemäß ist", so Sr. Melanie.

„Traurig und wütend“ ist Sr. Melanie, weil mit der neuen alten Zuschreibung die „Glaubwürdigkeit des Glaubens“ leide. Die Welt brauche „dringend das Evangelium und die Gewissheit, dass alle Menschen Töchter und Söhne Gottes sind“. Die Botschaft wird unglaubwürdig, wenn die Kirche in ihren eigenen Reihen das Evangelium nicht lebt und in den „Strukturen klar eine Diskriminierung sichtbar wird“.

[elisabethmayr]