Ordensfrau: Synodentext zum Frauendiakonat bewusst "vorsichtig"

Synoden-Teilnehmerin Sr. Birgit Weiler von den Missionsärztlichen Schwestern berichtet am 31. Oktober 2019 auf feinschwarz.net von "nötigem Zugeständnis", aber auch von vielen Reformvorstößen zugunsten von Frauenmitverantwortung bei der Amazonien-Synode.

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Im Exklusivbericht für die Plattform feinschwarz.net interpretiert die Missionsärztliche Schwester und Teilnehmerin an der Amazonassynode Birgit Weiler die Ergebnisse. (c) Vaticannews.va

Es sei ein "nötiges Zugeständnis" gewesen, dass der Textabschnitt zum Frauendiakonat im Schlussdokument der Amazonien-Synode "sehr vorsichtig formuliert" worden sei. Nach den Worten der in Peru lebenden deutschen Ordensschwester Birgit Weiler, die als Expertin für interkulturelle Theologie zur Synode geladen worden war, galt es "sicher zu stellen, dass dieser Abschnitt überhaupt im Schlussdokument erscheint". Der Artikel über das Frauendiakonat hatte nach jenem über die verheirateten Priester die meisten Gegenstimmen zu verzeichnen, erinnerte Weiler in einem "Exklusivbericht" auf der theologischen Feuilleton-Plattform feinschwarz.net über die Diskussionen und Ergebnisse der Bischofsversammlung.

Wunsch nach Diakoninnenweihe

In vielen Beiträgen in der Synodenaula wie auch in den kleinen Arbeitszirkeln sei ungeachtet dessen die Notwendigkeit unterstrichen worden, "effektiv an der Überwindung von Machismo und Klerikalismus in der Kirche im Allgemeinen und der Kirche Amazoniens im Besonderen zu arbeiten, Frauen mehr Leitungsverantwortung und Leitungsämter, die kein Weiheamt voraussetzen, - und das sind viele -, zu übertragen". Laut Weiler wurde dies "nicht nur von uns Frauen, sondern ebenso von vielen Bischöfen gefordert". In ihrer Arbeitsgruppe habe zum Beispiel ein Bischof gesagt, der eine Frau zur Generalvikarin seiner Diözese ernannte, dass "synodale Kirche sein" bedeute, miteinander zu beraten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. "Wir Frauen wurden von vielen Bischöfen darin unterstützt, dass es unbedingt an der Zeit ist, formal anzuerkennen, was in der Kirche Amazoniens bereits Realität ist, nämlich, dass die katholische Kirche an vielen Orten nur dank der Frauen präsent ist", schrieb die in Südamerika tätige deutsche Ordensfrau.

Von vielen Frauen, aber auch von mehreren Bischöfen sei zudem deutlich der Wunsch vorgetragen worden, die Diakonninenweihe in der katholischen Kirche einzuführen. Das sei in den Konsultationen von vielen Menschen im Amazonasgebiet erbeten worden. Darauf wolle Weiler - wie sie betonte - mit Nachdruck hinweisen "angesichts von Kritiken aus sehr konservativen Kreisen, dass angeblich deutsche Priester und Bischöfe diese Gedanken in das Arbeitsdokument für die Synode eingetragen hätten. Dem ist nachweislich nicht so."

"Papst will in dieser Frage weiterkommen"


Die bei der Synode anwesenden Frauen hätten ein eigenes Gesuch an den Papst gestellt, die Frage des Frauendiakonats weiterzuführen, berichtete Weiler weiter. In seiner Ansprache nach der Abstimmung habe Franziskus anerkannt, dass die stärkere Rolle der Frau in der Kirche generell und in Amazonien im besonderen eine starkes Thema der Synode war. "Er versprach, die Kommission zum Frauendiakonat mit neuen Mitgliedern zu besetzen, um in der Frage weiterzukommen und die Rolle der Frau in der Kirche noch mehr zu stärken."

Ein "Zeichen der Hoffnung" in diese Richtung ist für die Ordensfrau, dass der Papst zwei Frauen und einen Laien in die Kommission zur Redaktion des päpstlichen Schreibens im Anschluss an die Synode beruft. "Das war bislang nicht üblich." Franziskus habe in mehreren Aussagen seinen Wunsch zu verstehen gegeben, "dass den Frauen noch viel mehr Raum in der Kirche gegeben wird und ihr Beitrag weit über die Funktionen hinausgeht, die sie ausüben", so Weiler.

Quelle: kathpress

[mgsellmann]