ORF2-Dokudrama porträtiert "Schwester Courage"

Voraussichtlich am Dienstag, 24. September 2019, bringt ORF 2 in der Sendereihe "kreuz und quer" ein Dokudrama über die Salzburger Barmherzige Schester Anna Bertha Könisgegg. Im Fokus steht eine junge Journalistin (Constanze Passin), die 194 einem Fall von außergewöhnlicher Zivilcourage einer Ordensfrau (Maria Happel) während des Nazi-Regimes auf der Spur ist.

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Am Set: Maria Happel, Klaus T. Steindl und Constanze Passin. (c) ORF

Für die filmische Umsetzung der berührenden und aufwühlenden Historie beschreitet der Drehbuchautor und Regisseur Klaus T. Steindl den Weg der maximalen Reduktion: Die Handlung des Dokudramas „Schwester Courage“ spielt in einem einzigen Raum, zeitlich verdichtet auf einen Nachmittag. Eine junge Journalistin, die mit ihren Eltern die Naziherrschaft im Exil überlebt hat, besucht kurz nach Kriegsende die Ordensfrau Anna Bertha Königsegg, um mit ihr ein Interview zu führen. Sie hat vom "Euthanasie"-Programm der Nazis gehört und ist bei ihren Recherchen auf die Heime der Salzburger "Barmherzigen Schwestern" und auf den Namen der damals zuständigen Visitatorin gestoßen. Das Interview entwickelt sich zu einem spannenden Ringen zwischen einer toughen säkularen Frau und einer gläubigen Katholikin, die sich anfangs skeptisch gegenüberstehen, aber zunehmend erkennen, dass sie dasselbe Ziel verfolgen: eines der furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ans Licht zu bringen. Getragen wird das dichte Kammerspiel von der schauspielerischen Präsenz der beiden Darstellerinnen Maria Happel und Constanze Passin. Feine Nuancen in Blicken und Gesten, knappe, unpathetische Dialoge, die präzise Lichtführung und nicht zuletzt der surreale, körperlose Gitarrensound im Hintergrund erzeugen einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Zusätzliche Spannung entsteht durch die eingefügten dokumentarischen Elemente: neu entdecktes, bewusst gegen Menschen mit Behinderung manipulierendes Propagandamaterial des Dritten Reichs, historische Filmaufnahmen, Fotos, Originaldokumente sowie Interviews mit Historikern und Zeitzeugen wie Dr. Walter Thaler, dem Bruder eines von den Nazis ermordeten Kindes. Die Dreharbeiten zu den Spielszenen fanden im Wiener Franziskanerkloster im 1. Bezirk statt, für die Dokumentarszenen wurde an Original-Locations gefilmt wie z.B. im Mutterhaus der "Barmherzigen Schwestern" in Salzburg sowie im ehemaligen Behindertenheim Schloss Schernberg und im Nazi-Tötungslager Schloss Hartheim.

Inhalt

"Schwester Courage" beleuchtet das Schicksal einer tragischen „Heldin“: Anna Bertha Königsegg, Visitatorin der "Barmherzigen Schwestern" in Salzburg, kämpfte gegen die systematische Tötung von behinderten Menschen im so genannten "T4-Programm" der Nationalsozialisten. Ihr Gewissen ließ Anna Bertha Königsegg handeln, als andere weg schauten: Trotz der Gefahr verhaftet und in ein Konzentrationslager überstellt zu werden, setzte sich die "Barmherzige Schwester" für Menschen ein, für die im Dritten Reich kein Platz vorgesehen war. In der Aktion "T4" ermordeten die Nationalsozialisten ab 1940 systematisch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Als die Schergen der Salzburger Gauleitung die Heime ihres Ordens räumen und die Schützlinge ermorden wollten, stellte sie sich entschlossen dagegen - dennoch konnten nur wenige gerettet werden.

Die Fernsehdokumentation ruft diese heute fast vergessenen Widerstandsfigur in Erinnerung, fragt nach dem Menschen Anna Bertha Königsegg und zeigt ihr Vermächtnis im Heute: Haltung!

Rahmenhandlung und historischer Hintergrund

Basis des Dokudramas ist ein fiktives Interview: Im Jahr 1948 besucht die Journalistin einer von den Alliierten neu gegründeten Zeitung Anna Bertha Könisgegg im Mutterhaus der "Barmherzigen Schwestern" in Salzburg, um mit ihr über die Geschehnisse während der Zeit des Dritten Reich zu reden.

Anfangs steht die Ordensfrau der Journalistin noch skeptisch bis ablehnend gegenüber, beginnt dann aber doch zu erzählen: Wie sie versuchte, "ihre" Schützlinge zu retten, wie ihr Umfeld und die zuständigen Behörden reagierten, warum es ihr nur bei einigen wenigen gelang und wie sie mit diesem Scheitern umgeht. Die Journalistin - die selbst nicht religiös ist - wird zunehmend von der starken Persönlichkeit ihres Gegenübers fasziniert.

Im Jahr 1948 tauchen tatsächlich die ersten Artikel über Anna Bertha Königsegg und ihren Taten in diversen Medien auf. Die Öffentlichkeit beginnt sich zaghaft für die Geschichte zu interessieren, Journalisten bereiteten die Inhalte auf und starten Recherchen. Die Journalistin im Film gab es nicht wirklich. Sie ist ein Symbol für all diejenigen, die dem Fall nachgingen, stellt die Fragen, die damals gestellt wurden, und die auch von heutigen Historikern gestellt werden und wahrscheinlich von jedem interessierten Menschen.

Statement Klaus T. Steindl

"Ich mache seit 25 Jahren Dokumentarfilme über historische Themen für Zuschauer*innen rund um die Welt. In der Beschäftigung mit Anna Bertha Königsegg kristallisierte sich für mich immer stärker heraus, dass wir für dieses Thema, diese Person, die herkömmliche Doku-Dramaturgie aufbrechen müssen. Die Inszenierung als intensives, intimes Kammerspiel ohne Sprechertext stellt für mich die einzige Form dar, um das Publikum in die Story hineinzuziehen. Präsenz und Können der Darstellerinnen sind so wichtig wie in einem Spielfilm, gleichzeitig ist alles historisch belegt wie in einer klassischen Dokumentation. In den Spielszenen entspinnt sich ein offener Dialog über Sinn, die Motivation, sich für andere einzusetzen, aber auch zu Fragen nach Gott angesichts der Millionen Toten des 2. Weltkriegs. Im Zentrum steht die Problematik, wie man es schafft, nicht Handlanger eines verbrecherischen Regimes zu werden: Welche Alternativen hatte man? Wie ist es, wenn man spürt, man muss etwas tun - aber weiß, das Handeln kann den eigenen Tod bedeuten? Wir kennen jetzt viele Antworten. Wissenschaftler recherchierten die Geschichte, fanden Akten, Briefe, Eingaben, Zeugen, Erinnerungen, Niederschriften von Beteiligten, um die tragischen Ereignisse rund um den Abtransport der HeimbewohnerInnen aus Schernberg und Mariathal zu rekonstruieren. Es ist ein Film über Zivilcourage, Haltung und Mut zur Menschlichkeit, auch wenn es das eigene Leben kosten kann."

 

"Schwester Courage"
TV-Dokudrama, 52 Minuten

Produktion: Metafilm GmbH für ORF kreuz und quer
Produzent: Michael Cencig
Redaktion: Helmut Tatzreiter
Leitung: Barbara Krenn
Hauptdarstellerinnen: Maria Happel (Anna Bertha Königsegg), Constanze Passin (Journalistin)
Drehbuch und Regie: Klaus T. Steindl

Voraussichtliche Ausstrahlung: 24.09.2019, ORF2 kreuz und quer