Mit einem Laurentiusjahr feiern die Kapuziner den 400. Todestag ihres Provinzpatrons

Mit Festgottesdiensten, einem wissenschaftlichen Kongress und Mitleben im Kloster feiert der Kapuzinerorden ein ganzes Jahr lang den Patron der österreichischen Provinz des Ordens und Gründer der meisten seiner Klöster, den hl. Laurentius von Brindisi. Er starb vor genau 400 Jahren, am 22. Juli 1619, wobei sein kirchlicher Gedenktag bereits am 21. Juli gefeiert wird. "Nach heutigen Maßstäben wäre er ein Spitzenmanager gewesen - und hat es trotzdem immer geschafft, Menschen das Wesentlich im Leben zu vermitteln und selbst in der Meditation zur Ruhe zu kommen", charakterisierte der Provinzial der Kapuziner Österreichs und Südtirols, Bruder Erich Geir, in einer Aussendung des Ordens den Heiligen.

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Die Salzburger Kapuziner mit Provinzpatron Laurentius von Brindisi auf der Klosterterrasse. Foto: © Kapuziner/ Markus Huber

Österreichs Kapuziner feiern ihren Provinzpatron mit einem "Laurentiusjahr", in dem sie zu verschiedenen Veranstaltungen einladen. In Leibnitz, Salzburg und Wiener Neustadt gibt es Feiern direkt am Gedenktag. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl zelebriert am 21. Juli um 11 Uhr eine Festmesse, die auch dem Anlass von 380 Jahre Kapuzinerkloster Leibnitz gewidmet ist. Die Salzburger Kapuziner laden von 14.30 bis 17 Uhr zum Gespräch mit den Brüdern bei einer "offenen Klosterterrasse" über der Altstadt, während in Wiener Neustadt gleich drei Festgottesdienste - um 8:30, 10: 30 und 16:00 Uhr - unter dem Motto "Ein Kapuziner in Bewegung" stehen. In Feldkirch wird der Todestag des Provinzpatrons am 22. Juli gefeiert.

Des 380-jährigen Wirkens der Kapuziner in Leibnitz und des 400. Todestages ihres Provinzpatrons, des hl. Laurentius von Brindisi, gedachten die Kapuziner in Leibnitz bei einem Festgottesdienst gemeinsam mit Bischof Wilhelm Krautwaschl in der voll besetzten Kapuzinerkirche. Das Kapuzinerkloster schaut auch auf eine zum Teil bewegte Geschichte zurück, war es doch in der NS-Zeit von 1940 bis 1945 geschlossen. Stolz ist man darauf, dass man hier von 1992 bis 2001 Ausbildungsort für Studenten aus der Krakauer Kapuzinerprovinz sein durfte. Zur Zeit ist das Kloster mit vier Mitgliedern besetzt.

Auf wissenschaftlicher Ebene werden sich vom 7. bis 9. November 2019 die Ordensprovinzen Österreich-Südtirol, Deutschland und der Schweiz in Zusammenarbeit mit der Universität Wien dem großen Ordensheiligen annähern. Zu dem internationalen Kongress sind Studierende, Ordensleute und Interessierte eingeladen, wobei die Teilnahme nach der ab September möglichen Anmeldung (Infos: https://laurentius2019.univie.ac.at) kostenlos ist. Mit Verweis auf Laurentius bieten die Kapuziner zudem ganzjährig "stille Tage" in vier Klöstern - Neumarkt in Südtirol, Salzburg, Schruns-Gauenstein und Wiener Neustadt - an und veranstalten interne Weiterbildungen für die eigenen Mitglieder und Mitarbeiter.

Laurentius gilt als überaus spannende Persönlichkeit: Er war zugleich ein großer Organisator, mutiger Politiker und tiefer Mystiker, Wanderprediger und asketischer Mönch. Das Volk verehrte das Multitalent schon zu Lebzeiten als "Il Santo" wie einen Popstar, sodass er sich zeitweise nur auf Schleichwegen oder verkleidet fortbewegen konnte. Am 22. Juli 1559 mit dem bürgerlichen Namen Guilio Cesare Russo in Brindisi geboren, trat er 1575 in den Kapuzinerorden ein, wurde hier bald Provinzial verschiedener Ordensprovinzen und später Mitglied des obersten Führungsgremiums des Weltordens. In dieser Funktion begleitete persönlich er die Gründung zahlreicher Klöster und brachte die Kapuziner nach Bozen, Feldkirch, Innsbruck, Salzburg und Wien.

Geistliche und weltliche Oberhäupter betrauten ihn mit diplomatischen Missionen. Zunächst in Italien, dann in Bayern, Österreich und Böhmen. So wird ihm etwa die Einigung der katholischen Liga (1609) ebenso zugeschrieben wie auch der Sieg über die osmanischen Truppen bei Stuhlweißenburg (1601/02), wo er sich als Feldprediger beteiligte. Zu Fuß und teilweise zu Schiff bereiste er halb Europa. 1602 bis 1605 wurde ihm auch das Amt des Generalministers - also die Leitung aller Kapuziner weltweit - übertragen. All diese Aufgaben hielten ihn nicht ab, in Advent und Fastenzeit Predigtdienste zu übernehmen und die Stille in Meditation und Gebet zu suchen. Immer wieder zog er sich auch für längere Zeit in abgelegene Klöster zurück.

Der Tod von Laurentius am 22. Juli 1619 - an seinem 60. Geburtstag, während einer diplomatischen Mission des Papstes in Lissabon - gibt Rätsel auf: Es wird vermutet, dass Gift im Spiel war. Der Kapuzinermönch wurde jedenfalls 1881 heiliggesprochen und schließlich 1959 zum Kirchenlehrer - der bislang einzige aus den Reihen seines Ordens - erhoben.

[hwinkler]