Die couragierte Kräuter-Ordensfrau in Athen

Sr. Ada Lick war 18 Jahre lang als Krankenschwester und Hebamme in Indonesien tätig. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich war sie viele Jahre in der Krankenabteilung des Missionshauses St. Gabriel im Einsatz. Im Alter von 78 Jahren brach sie im Mai 2017 nach Athen auf, wo die Steyler Missionsschwestern sich zusammen mit den Jesuiten für Flüchtlinge engagieren. In ihrem Heimaturlaub in Österreich hat Stefan Kronthaler von der Wiener Kirchenzeitung DER SONNTAG sie getroffen.

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Steyler Missionsschwestern: Provinzoberin Sr. Hemma Jaschke mit Sr. Ada Lick, die vor kurzem auf Heimaturlaub in Österreich war. Foto: Stefan Kronthaler

"Am 9. Mai 2017 sind wir Steyler Missionsschwestern nach Athen gekommen. Anfangs waren wir drei, jetzt sind wir vier Schwestern aus verschiedenen Ländern“, erzählt Sr. Ada Lick SSpS von den Steyler Missionsschwestern dem SONNTAG.
„In unserem Euro-Projekt arbeiten wir vor Ort als Freiwillige mit dem Jesuitenflüchtlingsdienst zusammen“, sagt Sr. Ada. In ihrem Haus hatten die Jesuiten den zweiten Stock freigemacht für Flüchtlingsfamilien. Hier lebten zeitweilig an die 50 Menschen. „Jetzt wird alles renoviert, ab September soll ein Tagesheim entstehen, mit einer Möglichkeit zum Duschen und Wäschewaschen“, sagt Sr. Ada. Dafür wird sie zuständig sein.
In einem anderen von den Jesuiten gemieteten Haus gibt es einen Treffpunkt, die so genannte „Tea-Time“, die jeweils an zwei Tagen in der Woche für Männer und an zwei Tagen für Frauen offensteht. In diesem Haus gibt es seit Jänner auch Sprach- und Computerkurse. Zu diesen Angeboten kommen Flüchtlinge aus dem ganzen Stadtgebiet. „Ich bin vor allem für die Kranken und für die Sauberkeit zuständig“, erzählt Sr. Ada: „Einmal in der Woche arbeite ich bei der Caritas mit, samstags gehen wir Steyler Schwestern zu den Mutter-Teresa-Schwestern und verteilen dort Brote. Da warten um 9 Uhr morgens schon Schlangen von Menschen – Arme, Obdachlose und Flüchtlinge.“
Montags suchen die Ordensfrauen die Obdachlosen und Drogenabhängigen in den Straßen der Stadt Athen auf. „Man kann nicht die ganze Not lindern, aber man kann mit den Menschen sein. Damit sie spüren, dass jemand da ist, der zu helfen versucht“, sagt die couragierte Ordensfrau.

„Gemeinschaft in Bewegung“

Ihr Projekt nennen die Steyler Missionsschwestern „Community in movement“ („Gemeinschaft in Bewegung“). „Das meint, dass wir vor zwei Jahren aufgebrochen sind und nicht einmal unsere Verantwortlichen gewusst haben, wo genau wir hingehen. Wir wussten nur: Wir gehen mit den Jesuiten und wussten beim Aufbruch noch nicht, was wir vor Ort tun werden“, klärt Sr. Ada über „Gemeinschaft in Bewegung“ auf. „Das ist bis heute so. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, wir sind einfach da, wir schauen, was auf uns zukommt, wir helfen, wo wir gebraucht werden“, betont die Ordensfrau.
Sie betreut auch Kranke aus den nahen Flüchtlingslagern. „Das ist ein großes Problem: Wenn die Flüchtlinge keine Papiere haben, bekommen sie auch keine Hilfe. Ich stelle selber Salben her, damit kann ich den Menschen gut helfen“, sagt Sr. Ada. Konkret nennt sie die „Beinwell“-Salbe, die sie aus Schwarzwurz herstellt. Die Salbe hilft bei Wunden und Entzündungen.

„Wichtig ist die Vernetzung“

Wichtig ist für Sr. Ada die Vernetzung. In Griechenland helfen viele zusammen. „Die Freiwilligen des Jesuitenflüchtlingsdienstes gehen auch zu den Mutter-Teresa-Schwestern und arbeiten bei den Obdachlosen mit. Mitglieder der Papst-Johannes-XXIII.-Gemeinschaft, das sind meist Familien, die in Athen leben, nehmen sich der Randgruppen an“, zählt Sr. Ada auf. Im Jänner 2019 wurde die gebürtige Steirerin 80 Jahre alt. Ans Aufhören denkt Sr. Ada noch lange nicht.

Bericht über das Projekt der Steyler Missionschwestern

[hwinkler]