Es waren die Frauen, sie brachten die Botschaft

Feministisches und kirchliches Engagement schließen sich nicht aus betonten die Theologinnen Bernadette Embach und Maria Rhomberg von der Diözese Inssbruck in ihrem Artikel auf der Theologie-Plattform „feinschwarz.net“. Sie richten sich auch an jene, für die die katholische Kirche als „Modellform einer überholten patriarchalen Struktur“ gilt. Die beiden haben auch die Blog-Fraueninitiative "bleiben, erheben, wandeln" gegründet, in der auch Generalsekretärin der Frauenorden Sr. Cordis Feuerstein mitschrieb und daran erinnerte, dass es die Frauen waren, die den Aposteln die Botschaft brachten.

 

IMG 8784Junge Frauen in der katholischen Kirche: bleiben, erheben, wandeln! (c) mschauer

Bernadette Embach, Fachreferentin im Frauenreferat der Diözese Innsbruck, und Maria Rhomberg, theologische Referentin der Katholischen Jugend, verweisen trotz eines weithin gewandelten Bewusstseins beim Thema Gleichberechtigung auf nach wie vor bestehenden "Gender pay gap" und die Ungleichheit bei Führungs- und Machtpositionen. Innerhalb der Kirche würden diese Mechanismen noch verstärkt durch "einseitige Rollenzuweisungen an die jeweiligen Geschlechter" und die "systemimmanente Zuteilung von Macht an zölibatär lebende Männer".



Gleichstellung fußt auf Evangelium



Die Vision von Gleichstellung fußt für die beiden Tiroler Theologinnen nicht nur auf einem pauschal aufklärerischen Ideal, "sie ist auch und vor allem genuin in der christlichen Botschaft angelegt".
Deshalb "wünschen und fordern" Embach und Rhomberg eine Kirche, "die diese Botschaft ernst nimmt und sich auf sie stützt, sich auf ihre Vorbildwirkung rückbesinnt und eine echte Wandlung vollzieht".

Den Feminismus verstehen sie dabei als ein Werkzeug, um ein besseres Zusammenleben für alle Geschlechter zu erzielen.

 Embach und Rhomberg schreiben von einem "Paradoxon": "Wir bekennen uns zu einer Gemeinschaft, die uns gleichzeitig jedoch in unseren Rechten und Entfaltungsmöglichkeiten beschneidet." Viele andere hätten sich deshalb von der Kirche bereits abgewandt, "die Spaltung in der Kirche ist dadurch längst schon da".

Wieso sie selbst bleiben, begründen die Autorinnen damit, dass "uns genau diese Kirche auf vielen Ebenen gefördert und bereichert" habe, dass sie "miteinander und füreinander in gleicher Würde Verantwortung übernehmen" durften und prägende Erfahrungen von Gemeinschaft und gelebter Spiritualität hatten.
"Es ist also diese Vision des Zusammenlebens, die uns die Kirche geschenkt hat, die wir nicht aufgeben wollen." 

Durch Vernetzung, kritische Auseinandersetzung, Aktionen, öffentlichen Wortmeldungen u.a. wollen Embach und Rhomberg konkrete Schritte setzen, um zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche beizutragen.

Dabei gelte es auch "gängige Totschlagargumente" auszuhalten wie "Jesus hat nur Männer zu Aposteln berufen" oder "Die Fixierung der Frauen auf die Ämter ist falsch", die von der Theologie längst beantwortet worden seien. 



Wunsch nach Wandel ist international



Die von Aktion Embach und Rhomberg gemeinsam mit anderen jungen Innsbrucker Theologinnen initiierte Aktion "50 Tage 50 Frauen" mit ihrem Slogan "bleiben erheben wandeln" stehe im Kontext vieler weiterer Initiativen.
"Vor allem die Erschütterungen über die kirchlichen Missbrauchsfälle und die alltäglichen Erfahrungen von Sexismus in der Kirche" hätten zu Kampagnen von Frauen und Männern aller Generationen geführt: Embach und Rhomberg nennen "Overcoming Silence" (international), "Donne per la Chiesa" (Italien), "Gebet am Donnerstag" (Schweiz), "Maria 2.0" (Deutschland), weiters Online-Petitionen oder auch Einzelpersonen wie die junge Schweizer Theologin Jacqueline Straub, "die laut und deutlich von ihrer Berufung (zur katholischen Priesterin, Anm.) spricht". 



Die Beiträge jener 50 Frauen aus dem deutschsprachigen Raum, die sich an den 50 Tagen von Ostern bis Pfingsten für die Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche stark machten, sind auf der Website https://bleibenerhebenwandeln.wordpress.com abrufbar.

Beiträge verfassten u.a. Magdalena Holztrattner, die Leiterin der Katholischen Sozialakademie, Anna Findl-Ludescher, die geschäftsführende Vorsitzende des Österreichischen Pastoralinstituts, die Theologieprofessorinnen Angelika Walser (Salzburg), Irmtraud Fischer (Graz) und Regina Polak (Wien) sowie die Generalsekretärinnen der Vereinigung der Frauenorden sowie der Katholischen Frauenbewegung, Sr. Cordis Feuerstein bzw. Regina Augustin.

 

[mschauer]