Kurhäuser am Puls der Zeit

Gesundheit liegt den Ordensgemeinschaften nicht nur in Kranken- und Pflegeheimen am Herzen. In Kurhäusern bieten sie Ausgleich, Erholung, Gesundung und Vitalisierung an. 3 Kurhäuser stellen wir hier und in der aktuellen Ausgabe der ON Ordensnachrichten vor. Jahrzehntelange Geschichten verbinden alle. Jahrzehntelang bedeutet gleichzeitig auch Entwicklung und Geschichten von Höhen und Tiefen. #wach

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Kurhaus Schärding Kneippdusche. Foto: © Kurhaus Schärding

Kaltes Wasser mag ich nicht

Sr. M. Christiane Reichl ist geistliche Leiterin im Kurhaus der Marienschwestern Bad Kreuzen und führt das Haus gemeinsam mit Friedrich Kaindlstorfer als betrieblichem Geschäftsführer. Seit 1972 stellten sich die Marienschwestern mit dem Kneippen in die sozialen Dienste der Menschen: „Um das Wasser des Lebens in sich selbst und im anderen zu entdecken.“ Und es sei die Aufgabe der Ordensfrauen, den Menschen zu helfen, ihren inneren Ruf zu spüren und zu vernehmen, so Reichl. Doch ebenso wichtig sei es, am Puls der Zeit zu bleiben und irgendwann merkten die Schwestern: „Kneipp hat nicht mehr so gut gepasst, weil es einfach verstaubt war. Es sind die Wellnesshäuser gekommen und der Mensch ist einfach suchen gegangen und wir haben uns dann entschieden, wir müssen noch tiefer graben.“ „Kneipp heißt kaltes Wasser, kaltes Wasser mag ich nicht, deshalb gehe ich da gleich gar nicht hin!“, fasst Friedrich Kaindlstorfer die Reaktionen der jüngeren Generationen zusammen, mit denen man irgendwann konfrontiert war, und liefert damit gleichzeitig die Erklärung, warum man sich in Bad Kreuzen auf die Suche nach einem neuen Angebot machte, das den Menschen heute mehr entspricht. „Wir wollten in die tieferen Wurzeln der Medizin abtauchen und haben dann Hildegard von Bingen und die Traditionelle Europäische Medizin – TEM, für uns entdeckt und haben die alte Medizin ins Neu herübergeholt“, beschreibt Reichl den Ansatz, der dann auch gelang. Mit der Traditionellen Europäischen Medizin hat man in Bad Kreuzen eine Antwort auf den Ruf der Zeit gefunden, sind sich beide Leiter des Hauses sicher. Das würde auch die sehr gute Auslastung und das Feedback der Gäste immer wieder belegen.

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In Bad Kreuzen wird Bogenschießen als Therapiemöglichkeit angeboten. Foto: Magdalena Schauer

Hospitalität ist mehr als Gastfreundschaft

Die Wurzeln des Kurhauses der Barmherzigen Brüder in Schärding gehen um einiges weiter, bis auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Damals diente es als Kloster für Kapuziner. Im Jahr 1931 wurde es dann in ein Kneipp-Gesundheitszentrum umgewandelt. Vor über 40 Jahren gesellte man dann die traditionell chinesische Medizin dazu und seit 14 Jahren wird die Kombination zu einer Trias durch die traditionell indische Medizin, das Ayurveda. Direktor Harald Schopf erklärt den Gedanken dahinter: „Unsere Mission ist es, für unsere Gäste ein Mehr an gesunden Lebensjahren zu erreichen und dafür kombinieren wir das Beste aus der modernen Schulmedizin mit der jahrtausendealten Erfahrung der Naturheilkunden. In unserem Haus, das heute genauso von christlicher Spiritualität geprägt ist, steht nicht der philosophische Ansatz der chinesischen und indischen Medizin im Vordergrund, sondern deren Behandlungsmethodik und so passt das sehr gut zusammen.“ In Schärding gebe es kein Dogma des einzig wahren Weges, sondern das Team wolle sich immer den Menschen als Individuum anschauen und den für ihn optimalen Weg kombinieren.
Auch wenn keine Ordensbrüder mehr vor Ort sind, achtet man darauf, dass die MitarbeiterInnen sich bewusst sind, von welchem Charisma das Kurhaus geprägt ist. So gibt es für alle zu Beginn ihrer Tätigkeit die „Schule der Hospitalität“. Hier wird den zukünftigen MitarbeiterInnen im Haupthaus in Wien die Spiritualität von Johannes von Gott näher gebracht. Sie führen intensive Gespräche mit Barmherzigen Brüdern, um das Charisma der Hospitalität zu verinnerlichen. Hospitalität ist mehr als das deutsche Wort Gastfreundschaft, es ist für Direktor Schopf gleichbedeutend mit einer Offenheit zur Integration verschiedener Erfahrungen und Lehren: „Spiritualität sehe ich nicht nur als das Transzendente, sondern als in den Alltag integriertes spirituelles Handeln und Tun.“

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Marienkron: Äbtissin Ancilla Betting (links im Bild) besucht die Rezeption im neugestalteten Foyer. Foto: Magdalena Schauer

Vom Geflügel zum Kurhaus

Dass es für das Geschick eines ganzen Hauses manchmal nur eine Person braucht, die anpackt, um es doch noch zu wenden, zeigt sich in der Geschichte des Kurhauses Marienkron am Neusiedlersee. In seinem Fall war es Äbtissin Ancilla Betting. Das Kurhaus entstand an einer Stelle, die ursprünglich als Gebetsort am Eisernen Vorhang gedacht war. Gekauft von Heiligenkreuz, mussten die angesiedelten Zisterzienserinnen verschiedene Möglichkeiten wie Geflügelzucht und Landwirtschaft ausprobieren, um schließlich mit der Idee eines Gästehauses eine wirtschaftliche Lösung zum Bau und Erhalt eines Klosters für die Gemeinschaft zu finden. Doch man wollte nicht einfach nur Gästehaus sein, sondern auch etwas für die Gesundheit der Gäste tun. Kneipp war die Antwort. So ließ die damalige Priorin die Schwestern auch zu Bademeisterinnen, Masseurinnen, Ernährungsberaterinnen etc. ausbilden.
Das Angebot stimmte, und das Gästehaus, aus dem ein Kurhaus geworden war, florierte viele Jahre. Dann kam die Krankheit einer Äbtissin, das Fehlen einer wirtschaftlich orientierten Führung und so litten Mutter und Kurhaus im darauffolgenden Jahrzehnt gleichermaßen.
Aufgrund der schlechten Lage in Marienkron fasste der Generalabt den Entschluss, dass man etwas ändern müsse. Sein Rettungsversuch war ein Anruf bei Sr. Ancilla Betting. Er berichtete ihr von der Not in Marienkron und fragte sie, ob sie nicht für ein Jahr an den Neusiedlersee kommen könne, um zu helfen. Abends um 17:00 Uhr kam der Anruf, am nächsten Morgen um 5 Uhr musste Betting aufbrechen. Aus einem Jahr wurden dann zehn Jahre, in denen sie das Kurhaus wieder zum Blühen brachte: „Ich habe in meinem Leben am meisten durch das gelernt, was schwer ist. Ich brauche die Herausforderung, ich möchte kein Leben, das nur so dahin plätschert. Unser Leben ist nicht immer nur schön, aber ich finde es trotzdem gut.“
Mit den Elisabethinen Graz, Linz und Stift Heiligenkreuz hat Marienkron heute vier Eigentümer. 2015 begannen dann monatliche Gesellschaftsausschusssitzungen, bei denen überlegt wurde, was man ändern könnte, was man umbauen sollte etc., um die Zeit einzuholen. Die Entscheidung fiel dann, das Kneippen weiter zu führen, aber auf einen zweiten großen Schwerpunkt, nämlich Ernährung bzw. Darm-Gesundheit zu setzen: „Gesundheit beginnt im Darm. Unser Umgang mit diesem Organ ist eine – wenn nicht sogar die wesentliche Grundlage für Wohlbefinden und Gesundheit.“
Auf die Frage, nach der Zukunft der Ordensfrauen in Marienkron antwortet die Äbtissin: „Aus Mitleid oder schlechtem Gewissen braucht keine Frau zu uns zu kommen, oder weil sie denkt, sie müsse Gott den Gefallen tun, ins Kloster zu gehen. Muss sie nicht! Gott braucht das nicht. Dem ist es egal, ob ich im Kloster bin oder nicht. Ich würde auch niemandem, der wieder geht, ein schlechtes Gewissen einreden. Wenn eine Schwester meint, das passt nicht für sie, dann soll sie gehen. Sie muss doch nicht hier krank werden und die Welt wird nicht untergehen, wenn eine geht.“
Es geht also um Gesundheit und um ein gutes Leben aller!

[mschauer]

Website des Kurhauses Bad Kreuzen

Website des Kurhauses Schärding

Website des Kurhauses Marienkron

[hwinkler]