P. Nikodemus Schnabel: Religionen im Nahen Osten dürfen nicht instrumentalisiert werden

Der in Stuttgart geborene P. Nikodemus Schnabel lebt und arbeitet seit rund 16 Jahren in Israel und war bis Februar 2018 Prior-Administrator in der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem. Der Ordensmann, der auch Referent am Ordenstag 2017 war, gilt als Ostkirchenexperte. In einem Interview mit der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht er über den aktuellen Krisenherd im Nahen Osten.

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P. Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei in Jerusalem. (c) Kati Bruder

Religionen sollten im Nahostkonflikt nach Ansicht des Benediktiners Nikodemus Schnabel nicht instrumentalisiert werden. Er halte es für schwierig, ihnen eine Rolle als Mittler zuzuweisen, "weil das schon so einen politischen Zungenschlag hat", betonte der der Ordensmann.

Allzu oft würden politische Probleme religiös überhöht und damit einer sachlichen Debatte entzogen, kritisierte der Pater, der auch der Pressesprecher der Dormitio-Abtei in Jerusalem ist. "Politische Fragen sind aber bitteschön politisch zu lösen. Man sollte nicht ständig mit Gott um die Ecke kommen."

Religion könne gleichwohl etwas bewirken, indem sie die Herzen und das Denken der Menschen verändere, betonte der Ordensmann. "Wer religiös ist, lernt mit Widersprüchen und Ambiguitäten umzugehen - ganz egal, ob er nun die Bibel liest, den Koran studiert oder den Talmud." Auf diese Weise könne Religion auch im Nahen Osten im besten Fall davor bewahren "die Welt zu schubladisieren und stattdessen die Fähigkeit schenken, Brücken zu bauen".

[rsonnleitner]