Wirtschaften im Ordenscharisma: Den Puls der Zeit entdecken

„Ordenswerke ohne Orden - wach wirtschaften im Auftrag des Charismas“ lautet die Themenstellung der Wirtschaftstagung am 27. / 28. Mai 2019 in Salzburg. Rena Haftlmeier-Seiffert von der gemeinnützigen Stiftung EQUA arbeitete die Parallelen von Familienunternehmen und Ordensunternehmen heraus. Beide stehen in ähnlichen „systemischen Dilemmatas“. Im 19-minütigen Video des Medienbüros „Wirtschaften im Ordenscharisma“ werden diese Situationen beispielhaft und anschaulich vorangestellt.

 

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Rena Haftlmeier-Seiffert von der gemeinnützigen Stiftung EQUA 
Foto in Druckqualität (Credit: Magdalena Schauer)

 

„Ein Leben der Orden ohne Ordenswerke“ ist die eigentliche und besondere Herausforderung für die Gemeinschaften, weil damit Ordensleute ein Stück „Sinn und sinnvolle Tätigkeit“ verlieren, dem und der sie in ihrer Geschichte immer nachgegangen sind. Im Video „Wirtschaften im Ordenscharisma“ wird anhand der Marienschwestern und ihrem Kurhaus in Bad Kreuzen, der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck und ihren verschiedensten Werken und der Prämonstratenser in Wilten der Frage nachgegangen, wie aus der „tragenden Wurzel und einer synaptischen Vision der Ordensauftrag weitergehen kann und wird“. Das Video zeigt die „Suchbewegungen. Den Puls der Zeit entdecken. Das Loslassen wagen. Veränderungen angehen“.

Wirtschaften im Charisma- Der Film (c) magdalena schauer

Rena Haftlmeier-Seiffert von der gemeinnützigen Stiftung EQUA  sieht eine große Parallele zu Familienunternehmen. Die Weitergabe an die nächsten Generationen ähnelt sehr der Weitergabe des Ordenscharismas in die Werke hinein. Haftlmeier-Seiffert sieht die „Vorstellungen von einem Familienunternehmen“ vor allem im Selbstbild und Fremdbild begründet, die immer prägend sind. Sie stellt die inneren Dynamiken von familienkontrollierten und familienbeeinflussten Unternehmen als Beispiele für Ordensgemeinschaften und ihre Werke dar. Die Eigentümerfrage spielt dort wie da eine besondere Rolle und die Frage nach den „normativen Vorgaben“ ist entscheidend. Damit werden Familienunternehmen maßgeblich von der Familie beeinflusst und gestaltet.

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Vorstellungen von Familienunternehmen sind im Selbst- und Fremdbild begründet sagt die Vortragende (c) magdalena schauer

 

Christliche Grundhaltung begründet Ordenswerk

Für Ordenseinrichtungen sieht Haftlmeier-Seiffert das ganz ähnlich. Ordenswerke werden maßgeblich von der Ordensgemeinschaft beeinflusst. „Die christliche Grundhaltung begründet die Identität eines Ordenswerkes.“ Das ist aber nicht in erster Linie eine Eigentümerfrage. Es kann genauso ein Beirat diese christlichen Werte und Haltungen einfordern und den christlichen Grundauftrag als normative Vorgabe immer wieder formulieren und in die Unternehmen hineintragen. So wie bei Familienunternehmen die drei Systeme - Familie, Unternehmen und Eigentum – zusammenspielen, so spielen diese Aspekte auch bei Ordenseinrichtungen eine Rolle. Das Familiensystem ist geprägt von Liebe, Toleranz, Vertrauen Wohlwollen und Freigiebigkeit.

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Viele bekannte Gesichter trafen sich um über die Zukunft des eigenen Charismas zu philosophieren (c) magdalena schauer

 

Im Unternehmenssystem gelten Produktorientierung, Leistung, Ehrgeiz, Wettbewerb und Risikobereitschaft. Im Eigentumssystem geht es um Vertrag, Gewinnorientierung oder Nachhaltigkeit. „In einem Familienunternehmen ist alles gleichzeitig“, weiß die Expertin aus langjähriger Erfahrung: „Diese systembedingten Dilemmata sind auch bei Ordenswerken gegeben. Dabei spielen die emotionalen Aspekte immer eine unterschätzte Rolle.“

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Sr. Franziska Bruckner begrüßte alle Anwesenden der Wirtschaftstagung (c) magdalena schauer

Abgeben oder neu erfinden

Es kann sein oder sich ergeben, dass eine scheinbar „wirtschaftlich notwendige Entscheidung diametral gegen die normative Gründungsintention steht“. Nach Haftlmeier-Seiffert wird sich das aber auf lange Zeit nicht ausgehen. „Entscheidungen gegen das Ordenscharisma lassen sich auf Dauer nicht halten. Daher dürfen materielle Komponenten nie der einzige Aspekt sein.“ Bei Übergaben weiß man aus den Familienunternehmen, „dass das Loslassen am schwierigsten ist“. Das sieht sie auch bei Ordensgemeinschaften so. Dazu kommt, dass die Nachfolge bei Ordensgemeinschaften anders gelagert ist, „weil die tiefste Leidenschaft und Emotion beim christlichen Grundauftrag liegt und nicht im jeweiligen Geschäftsfeld“. Dazu gibt es Nachwuchsprobleme.

Warum also Ordenswerke?

Die Gewinnorientierung ist Bedingung, aber nicht das Ziel oder der Auftrag. Sowohl Familienunternehmen als auch Ordenswerke haben die Grundhaltung der Nachhaltigkeit und sind auf Dauer, auf Generationen ausgelegt. Haftlmeier-Seiffert: „Das sind Alleinstellungsmerkmale, die sie von finanzgetriebenen Konzernen unterscheidet und um die sie beneidet werden.“ Die Expertin meint allerdings provokant: Familienunternehmen sind Auslaufmodelle und weichen gerade den modernen, effizienzgetriebenen Unternehmen. Wenn es die traditionelle Familie und die Ordensgemeinschaften nicht mehr gibt, fehlt die Basis sowohl für Familienunternehmen als auch für Ordenswerke.

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Diskussion und Austausch

„Glaubwürdig vorangehen und stimmig leben“, ist beispielsweise für P. Maximilian Krenn vom Stift St. Paul im Lavantal wesentlich: „Die Begegnung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, miteinander feiern, sie zum Essen und Beten mitnehmen, Interesse zeigen und sich berühren lassen.“ Sr. Franziska Bruckner sieht eine Gefahrenzone im Verhätnis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darin, „wenn keine Zeit mehr da ist für den profunden Austausch und die direkte Begegnung“. Die Wirtschaftsdirektorin des Stift St. Florian Alexandra Loidl sieht eine große Herausforderung darin, „sich hinein zu spüren und was ein Stift unterscheidet. Wichtig ist es, täglich in Austausch zu sein und Notwendigkeiten aufeinander abzustimmen. Und passen unsere Entscheidungen zu den Werten des Stiftes.“  Der Geschäftsführer bei den Elisabethinen Graz Christian Lagger betont, „dass die lebendige Begegnung unabkömmlich ist“. Die Orden werden die Glut weitertragen müssen und ohne Ordensgemeinschaften kann es keine Ordenswerke geben. Der Geschäftsführer der Werke der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck Andreas Partl hob herovr, dass das Verbindende die Gründer, die Geschichte und die Aufgaben sind. Begegnung, Rituale und Feiern müssen eine zentrale Rolle spielen. Solange gilt und spürbar ist, Liebe sei Tat, gibt es Ordenswerke.“ 

 

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Abt em. Christian Haidinger war ebenfalls Gast und fleißig im Gespräch mit verschiedenen Anwesenden (c) magdalena schauer

 

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#wache Eindrücke der Wirtschaftstagung 2019 (c) magdalena schauer

 Link zum Video "Wirtschaften im Ordenscharisma"

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