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Papst Franziskus spricht Charles de Foucauld heilig

Charles de Foucauld, auf den sich zahlreiche katholische Ordensgemeinschaften beziehen, wird am Sonntag, 15. Mai 2022 von Papst Franziskus heiliggesprochen. Die Seligsprechung fand 2005 statt. Der neue Heilige gilt als „Vorbild der Geschwisterlichkeit“.

Charles de Foucauld wurde 1858 in Straßburg geboren; 2005 wurde er von der katholischen Kirche seliggesprochen und am Sonntag, 15. Mai 2022 wird er zusammen mit neun weiteren Seligen heiliggesprochen. (c) public domain

Charles de Foucauld wurde 1858 in Straßburg geboren; 2005 wurde er von der katholischen Kirche seliggesprochen und am Sonntag, 15. Mai 2022 wird er zusammen mit neun weiteren Seligen heiliggesprochen. (c) public domain

Mit dem Offizier, Forscher und Wüstenmissionar Charles de Foucauld (1858-1916) erhält die katholische Kirche am kommenden Sonntag, dem 15. Mai 2022, eine höchst interessante Gestalt als neuen Heiligen: Sein tiefer Glaube, seine Selbsterkenntnis als „Bruder aller“ wie auch sein drängender Wunsch, besonders den „Geringsten und Verlassensten“ nahe zu sein, machen den gebürtigen Franzosen zu einem äußerst modernen Vorbild, erst recht in Zeiten des Umbruchs und der Krise. Das haben mehrere Ordensleute und Priester, die sich in ihrer Spiritualität auf de Foucauld berufen, in den dieswöchigen Ausgaben österreichischer Kirchenzeitungen hervorgehoben.

Neue Horizonte der Verkündigung

Charles de Foucauld eröffne für die Kirche „neue Horizonte der Verkündigung“, sagte Herbert Hartl von der Ordensgemeinschaft „Kleinen Brüdern Jesu“ im Interview der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Bruder Karl, wie de Foucauld im deutschen Sprachraum genannt wird, stehe für persönliche Umkehr zu einem Leben, das sich am Evangelium und insbesondere an den Seligpreisungen orientiere. Der neue Heilige lasse erahnen, „wie wir Kirche in der Diaspora leben können, wie wir die Ärmsten der Armen achten sollen, wie wir mit Andersgläubigen in Kontakt kommen und uns in andere Kulturen hineindenken können“, so Hartl. In jedem Menschen – „auch im Armseligsten“ – habe Charles Jesus erkannt, dem er stets nachfolgen und ihn nachfolgen wollte.

Bekannt ist de Foucauld heute vor allem für sein Wirken unter den Tuareg im heutigen Algerien, mit denen er sich allmählich vertraut machte, ihre Sprache erlernte, sich ihre Kultur aneignete und ihr Leben wie auch ihre Sorgen und Nöte teilte. Als er selbst einmal an Skorbut erkrankte, retteten die Einheimischen ihn mit Milch, berichtete Hartl. Umgekehrt habe der künftige Heilige die Kolonialbehörden scharf für die Missachtung der Würde der Tuareg kritisiert, Sklaven losgekauft und sich um den materiellen und geistigen Fortschritt der Menschen gekümmert - wenngleich er die kolonialen Strukturen nicht per se hinterfragt habe.

Universale Geschwisterlichkeit

Ebenfalls Mitglied der „Kleinen Brüder Jesu“ ist Bruder Andreas Knapp, der bereits seit Ostern in einer Artikelserie der österreichischen Kirchenzeitungen Aspekte von de Foucaulds Leben beleuchtet. In steirischen „Sonntagsblatt“ (12. Mai) hob der in Leipzig lebende Priester und Poet die „universale Geschwisterlichkeit“ hervor, die der neue Heilige nach dem Vorbild Jesu vorgelebt habe. Er habe familiäre Strukturen insofern ausgeweitet, indem er „die gesamte Menschheit als die neue große Familie Gottes“ verstand und sich selbst daher als „Bruder aller Menschen, gleich welcher Nation, Rasse oder Religion sie angehören“, sah.

Wenn alle Menschen Töchter und Söhne Gottes sind…

Foucauld habe besonders den Muslimen, unter denen er viele Jahre lebte, große Hochachtung entgegengebracht, hob Knapp hervor. Mit dieser Deutung des Evangeliums sei der neue Heilige hochaktuell, erst recht in einer Zeit, „in der sich wieder nationale Egoismen oder konfessionelle Engstirnigkeit breitmachen“, so der Ordensmann, und schlussfolgerte weiter: „Wenn alle Menschen Töchter und Söhne Gottes sind, folgt daraus eine Solidarität, die sich auch um eine gerechte Verteilung der Güter müht. Und jeder Krieg ist ein Schlag ins Gesicht Gottes, das sich ja in jedem Menschenantlitz spiegelt.“

Dass sich Gott in einem einfachen Handwerker gezeigt habe, faszinierte Charles de Foucauld besonders und ließ ihn zu Beginn seines geistlichen Lebens mehrere Jahre in Nazaret leben. Nazaret stehe „für die Verachteten, die Benachteiligten, die Bedeutungslosen“, unterstrich Knapp. Charles habe durch sein Lebensbeispiel die Bedeutung der „kleinen Dinge“ und des gewöhnlichen Alltags aufgezeigt, und auch, „dass vor Gott nicht Stellung oder Status zählt, sondern einzig und allein, ob jemand bereit ist zum Dienst für die anderen“. Für die Kirche heute sei dies eine „radikale Kritik am Klerikalismus“ und ein Plädoyer für „das Hören auf alle und Formen der Mitbestimmung, die niemanden ausschließen“, so der deutsche Ordensmann.

Friedensstifter und Mann des Glaubens

Im Kärntner „Sonntag“ (12. Mai) verwies die Kleine Schwester Sr. Monika Wedenig darauf, dass Charles de Foucauld Jesus in den Menschen – seinen „Brüdern und Schwestern“ - gefunden habe. Um diese kennenzulernen, „suchte er ihre Kultur, ihr Leben zu verstehen und so einen Zugang zu finden“. Auch für die Gegenwart bedeute dies, „Brücken zu anderen Kulturen und anderen Religionen zu knüpfen, Gott in allem und in allen zu finden“. Mit seinem Bemühen um ein „neues Zuhören, um den anderen zu verstehen“ – was konkret auch durch Übersetzertätigkeit und das Verfassen des ersten Tuareg-Wörterbuchs geschah – sei Bruder Karl zum „Friedensstifter“ geworden.

Inspiriert von Charles de Foucauld zeigte sich schließlich auch der Wiener Moraltheologe Günter Virt. „Die Fruchtbarkeit der Begegnung der authentisch Glaubenden in den Religionen ist wohl eines der wichtigen Zeichen der Zeit, auf die uns Bruder Karl hinweist“, erklärte der emeritierte Universitätsprofessor in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress. Der neue Heilige habe ausgerechnet „in der Begegnung mit einfachen, armen und frommen Muslimen wieder die Sehnsucht nach seinen eigenen Wurzeln im christlichen Glauben gefunden“. Inspirierend für heute sei de Foucauld weiters auch durch seinen einfachen Lebensstil und durch seine Gebete, von denen mehrere erhalten und längst Teil des Gebetsschatzes der Kirche sind.

Vom Offizier und Forscher zum Einsiedler

Der 1858 in Straßburg geborene Charles de Foucauld trat als Offizier und Nordafrika-Forscher 1890 zunächst in den Trappisten-Orden ein. Nach Aufenthalten in Klöstern Frankreichs und später Syriens wurde er sieben Jahre später Eremit. Auf der Suche nach einem einfachen Leben arbeitete er in Nazareth als Hausangestellter im Garten des Klarissenklosters, ehe er sich im westlichen Algerien niederließ. Nach der Übersiedlung nach Tamanrasset im Süden, wo er vermittelnd unter den lokalen Tuareg-Völkern leben wollte, wurde er 1916 in seiner Einsiedelei bei einem Überfall ermordet. Auf Foucauld beziehen sich zahlreiche katholische Ordensgemeinschaften, die erst nach seinem Tod entstanden.

2005 wurde de Foucauld von der Kirche seliggesprochen. Am Sonntag, 15. Mai 2022 wird er zusammen mit neun weiteren Seligen heiliggesprochen. Papst Franziskus leitet dann erstmals nach zweieinhalb Jahren wieder eine große Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz. Ihre Teilnahme angekündigt haben auch zahlreiche Pilger und Mitglieder der sich auf ihn berufenden Gemeinschaften aus Österreich.


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Quelle: kathpress

[renate magerl]

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