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Berufungsg'schicht: Mehr an Leben

Die Frage nach dem Mehr im Leben führte die gebürtige Niederösterreicherin Sr. Verena Maria Haselmann zu den Salvatorianerinnen. Letzten Herbst hat sie ihre zeitliche Profess abgeschlossen. In der neuen Berufungsg’schicht des Quo vadis? erzählt sie von ihrer Sehnsucht und warum eine Kirchenzeitung wegweisend war.

 20220120 musterschüler meSr. Verena Maria Haselmann ist gemeinsam mit den Salvatorianerinnen auf dem Weg. (c) Sr. Verena Maria Haselmann

»Im mystischen Waldviertel in Niederösterreich, am elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und nun in einer internationalen Ordensgemeinschaft. Wie kann das gehen? Mein Name ist Sr. Verena Maria Haselmann. Ich bin 31 Jahre alt, lebe derzeit in der Ausbildungsgemeinschaft der Salvatorianerinnen in Linz und bin als Pastoralassistentin in Ausbildung (BPAÖ) in der Diözese Linz, Pfarre Linz-Heiliger Geist unterwegs.

Was zuvor geschah…

Ich habe eine große Sehnsucht gespürt, die mich gelockt hat. Ich war im Alltag gut unterwegs. Nach der Matura an der HBLA Sitzenberg sammelte ich Erfahrungen am elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb, im Bereich Marketing in Wien, im Jugendhaus des Stiftes Göttweig. Von Kindesbeinen an war ich bereits neben der Schule und danach dem Beruf eifrig am Hof mit dabei. Dort habe ich eine große Achtsamkeit für den Kreislauf der Natur gelernt, habe auch die Verletzlichkeit der Schöpfung schätzen gelernt und in mir ist eine Liebe zur Natur entstanden. Sehr früh übernahm ich viel Verantwortung in verschiedensten Bereichen der Landwirtschaft. Manchmal dachte ich daran, den Hof zu übernehmen. Aber ich spürte vor allem, dass es da ein noch „mehr“ an Leben geben muss.

In dieser Zeit bewegte mich ein Artikel in der Kirchzeitung von Sr. Melanie Wolfers über eines ihrer Bücher „Die Kraft des Vergebens“ und der Hinweis auf ein Projekt für junge Erwachsene, IMpulsLEBEN, wo ich nun auch mitwirke. Ich nahm an den verschiedensten Angeboten teil, z.B. Pilgern nach Assisi, „Erhol mich mal“ in St. Virgil in Salzburg in der Karwoche, Silvester mit den Salvatorianerinnen in Linz.

20220120 BPAÖ Pfarre Linz Heiliger Geist LiturgieSr. Verena Maria ist Pastoralassistentin in Ausbildung (c) Sr. Verena Maria Haselmann

Missionarin auf Zeit

Bald kam ich auf das Projekt in „Beit Emmaus“, wo ich dann für eineinhalb Jahre als „MaZ-lerin“ (Missionarin auf Zeit der Salvatorianer Österreich) mitleben konnte, in dem kleinen arabischen Dorf Qubeibeh, in Palästina, ca. 12 Kilometer westlich von Jerusalem. In „Beit Emmaus“ (Haus Emmaus), das von Salvatorianerinnen geleitet wird, leben rund 35 palästinensische Frauen, Christinnen und Musliminnen, die durch Alter oder Behinderung pflegebedürftig geworden sind. Sie finden hier liebevolle Pflege und Gemeinschaft. Bei meiner Abreise vom Waldviertel nach Emmaus spielte der Gedanke, als Ordensfrau zu leben, noch keine Rolle. Ich war beeindruckt von der großen Lebendigkeit, Bodenständigkeit, Herzlichkeit und einer tiefen inneren Freude der Schwestern, die mir begegnet sind und die inzwischen meine Mitschwestern geworden sind. In Emmaus habe ich mich häufig gefragt: „Wann weiß ich, dass eine Entscheidung gut ist? Was macht die Schwestern so lebendig? Wie geht das, so eine spürbare Liebe zum Leben, zu den Mitmenschen und zu sich in diesem Land – wo so viele Unstimmigkeiten sind – leben zu können?“ Nach einer Zeit der Zurückgezogenheit habe ich dann gespürt: Ja, ich möchte es versuchen und den Schritt in die Ordensgemeinschaft wagen. Nur so kann ich herausfinden, ob es eine gute Entscheidung sein wird. 

Für mich ist Berufung, im weitesten Sinne, zum Leben berufen zu sein. Dass ich etwas tue, mich für etwas einsetze und ich dann in mir spüre: Ja, es ist stimmig, es ermöglicht ein „Mehr an Leben“, es passt. Wir merken also mit der Zeit und den aufkommenden Fragen, ob wir unsere Berufung wirklich gefunden haben. Ob ich mich für eine Familie oder für eine Ordensgemeinschaft entscheide, mich als LandwirtIn oder als LehrerIn berufen fühle, Hauptsache es steckt Herzblut darin.

Hauptsache mit Herzblut

Im Februar 2019 entschied ich mich dann, das Postulat bei den Salvatorianerinnen zu beginnen. Das ist die „Schnupperphase“ nach dem Eintritt in die Ordensgemeinschaft. Ein Praktikum bei der Caritas Linz im Bereich Armutsmigration ließ mich Menschen in Not nahe sein. Im September 2019 wagte ich den nächsten Schritt und begann das Noviziat. Diese zweijährige Ausbildung beinhaltete ein Praktikum in der Dompfarre Wr. Neustadt und in der Tagesbetreuungsstätte „Geh mit uns - Behindertenhilfe“ für geistig schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen in Gerasdorf bei Wien. Für den spirituellen Teil übersiedelten wir in die Ausbildungsgemeinschaft in Wien. In dieser intensiven Zeit wurden verschiedene Aspekte des Ordenslebens vertiefend eingeübt und reflektiert: Das persönliche geistliche Leben, das Gemeinschaftsleben sowie die salvatorianische Spiritualität und Sendung des Heilens und Verkündens. Weitere Inhalte waren persönlichkeitsbildende Themen, eine zeitgemäße Theologie des Ordenslebens sowie Geschichte und Gegenwart der Salvatorianerinnen

Im September 2021 habe ich nun in einem feierlichen Festgottesdienst versprochen, für zwei Jahre verbindlich als Salvatorianerin weitergehen zu wollen (zeitliche Profess). Bei allem Neuen jetzt in Linz und der berufsbegleitenden pastoralen Ausbildung möchte ich vertrauensvoll mit meinem Professmotto aus einem Lied (Leipziger Messe; Text: Andreas Knapp, Melodie: Melanie Wolfers © Echter Verlag) weitergehen: „DU in MIR, ICH in DIR, eins im WIR, GOTT ist hier.“«

Sr. Verena Maria Haselmann

Quelle: Quo vadis?


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[kerstin stelzmann]

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