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Wie leben Ordensleute heute?

Sechs Studierende der FH Vorarlberg verbrachten eine Forschungswoche bei den Steyler Missionaren in Maria Enzersdorf. Untersucht wurde dabei, wie sich das Zusammenleben in interkulturellen Ordensgemeinschaften gestaltet - ein Thema, das bis dato wenig wissenschaftlich untersucht wurde. 

 Forschungswoche "soziale Arbeit" FH Studierende aus Vorarlberg zu Gast bei den Steyler Missionaren

Die Studierenden der FH Vorarlberg mit ihrer Professorin Erika Geser-Engleitner (rechts im Bild). © SVD

Für eine Woche waren sechs Studierende des Masterstudiums „Soziale Arbeit“ an der FH Vorarlberg mit ihrer Professorin Erika Geser-Engleitner in St. Gabriel zu Gast, um zu forschen wie sich interkulturelle Lebenswelt im Jahr 2021 in einem Orden gestaltet. Zwölf Steyler Brüdern und Patres aus unterschiedlichen Herkunftsländern sollten in Interviews diese Frage beantworten.

Die Wahl fiel auf St. Gabriel, weil die Gemeinschaft einen interkulturellen Schwerpunkt hat und „für die Studierenden das Leben in einem christlichen Orden etwas völlig Unbekanntes ist. Wir dachten, es wäre spannend, in diese fremde Lebenswelt einzutauchen und sie wissenschaftlich zu erkunden“, erklärt Prof. Erika Geser-Engleitner.

In der Vorbereitung auf die Forschungswoche stellten die Studierenden fest, dass es zum Leben in Orden bisher kaum sozialwissenschaftliche Studien und Literatur gibt. „Auch in der sozialen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Interkulturalität wichtig“, so Geser-Engleitner.

Mission und soziale Arbeit haben Parallelen

Die Forschungswoche brachte für die Studierenden viel Neues. Vor allem das „authentische Leben“ der Ordensmänner hinterließ Eindruck. „Mich hat das moderne Missionsverständnis des Ordens beeindruckt und die Haltung zu Rassismus und Menschenwürde, aber auch zum Kampf gegen den Klimawandel“, sagt eine Studentin. Es gäbe auch viele Parallelen zwischen Mission und sozialer Arbeit: „Es geht in beiden Bereichen um Hilfe zur Selbsthilfe und Lernen durch Betroffenheit. Hier wie dort ist es wichtig, den Menschen zuerst einmal zuzuhören, von ihnen zu lernen und nicht gleich fix fertige Lösungen anzubieten“, stellten die Studierenden fest.

In den Interviews ging es u.a. um die persönlichen Berufungsgeschichten, aber auch um die Erfahrungen, die die Missionare bei ihren Einsätzen in Übersee machten bzw. derzeit hier in Österreich machen. Wie erleben sie sich selbst als Fremde? Was vermissen sie? Welche unterschiedlichen Werthaltungen prallen aufeinander? Aber auch die Zukunftsperspektiven waren ein Thema: Wie wird es mit dem Orden und dem Missionshaus St. Gabriel angesichts des fortgeschritten Alters der meisten Ordensmitglieder weitergehen? „In den Gesprächen konnten wir heraushören, dass der Wandel in den letzten Jahren eine Riesenherausforderung darstellte und auch mit viel Wehmut verbunden ist“, so Erika Geser-Engleitner.

Einblick in das Zusammenleben gewannen die Studierenden auch durch die Teilnahme am Morgengebet und der Messe. 

Positive Rückmeldungen

„Wir haben uns über das Interesse gefreut und sind froh, dass wir uns auf dieses Projekt eingelassen haben“, zog Provinzial Stephan Dähler eine Bilanz der Forschungswoche. „Ich erhielt von meinen Mitbrüdern durchwegs positive Rückmeldungen über die wertschätzende Gesprächsführung. Es tut gut, wenn sich jemand für unser Leben und unsere Arbeit interessiert“, unterstreicht der Provinzial. „Wir hoffen, dass die Studierenden durch die persönlichen Begegnungen sahen, dass Kirche auch anders sein kann als sie in der Öffentlichkeit oft wahrgenommen wird und dass hinter Klostermauern ganz ‚normale‘ Menschen leben.“ 

In den nächsten Monaten werden die anonymisierten Interviews nach inhaltsanalytischen Kriterien ausgewertet. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden im Winter veröffentlicht und dann im Internet und an Bibliotheken öffentlich zugänglich sein.

[elisabeth mayr]

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