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P. Franz Helm über "Mission" bei ORF-Orientierung

Entsetzt und tief betroffen über die Funde von bis zu tausend Kinderleichen bei - auch kirchlichen - kanadischen Kinderheimen hat sich der Steyler Missionar P. Franz Helm in der ORF-Sendung "Orientierung" am 04. Juli gezeigt.  Dass es überhaupt zu solchen unfassbaren Verbrechen kommen konnte, führte er u. a. auf fehlende Kontrollmechanismen in der katholischen Kirche zurück.

 P. Franz Helm in der ORF-Sendung Orientierung: "Die geistliche Erhöhrung der Macht in der katholische Kirche habe in der Vergangenheit viel Schlimmes bewirkt". (c) Screenshot

P. Franz Helm in der ORF-Sendung Orientierung: "Die geistliche Erhöhrung der Macht in der katholische Kirche habe in der Vergangenheit viel Schlimmes bewirkt". (c) Screenshot

In den vergangenen Wochen hatten indigene Gemeinschaften den Fund von Überresten von fast tausend Kinderleichen aus indigenen Familien nahe ehemaliger Umerziehungsheime gemeldet. Zwischen den 1830er-Jahren und 1998 waren schätzungsweise rund 150.000 indigene Kinder - oft zwangsweise - in kanadischen Umerziehungsheimen untergebracht. Etliche dieser 139 Heime wurden von der Kirche betrieben. Dort sollten die Kinder im Auftrag des Staates an die "christliche Zivilisation" herangeführt werden. Oft durften sie ihre Muttersprache nicht sprechen; viele von ihnen wurden misshandelt oder missbraucht.

Missionsverständnis heute ein anderes

Dass die Kirche solche Heime führte, erklärte P. Franz Helm mit dem früheren Missionsverständnis, "wonach jeder, der nicht katholisch getauft war, in die Hölle kommt. Und wenn diese Kinder getauft sind, dann haben sie das Seelenheil". Inzwischen sei der katholische Missionsbegriff jedoch ein anderer: "Mission wird heute ganz anders verstanden, nämlich ganzheitlich. Es geht nicht mehr nur um das ewige Leben, sondern um das gute Leben aller hier auf Erden." Außderm gehe Mission heute von Religionsfreiheit aus. Jeder Mensch sei frei in seiner Entscheidung, welcher Religion er angehören wolle oder auch nicht. Angesprochen darauf, ob Mission mit dem Ziel, den eigenen Glauben zu verbreiten und Glaubensfreiheit nicht ein Widerspruch seien, sagt P. Helm: "Das gelingt, indem ich andere nicht zu meiner Religion bekehre, sondern mit ihnen gemeinsam versuche, Gott näherzukommen." Damit werde "gelebte Mission" über Religionsgrenzen hinweg möglich, wie etwa ein gemeinsamer Einsatz für mehr Gerechtigkeit, Friede und die Bewahrung der Schöpfung.

"Die geistliche Erhöhrung der Macht in der katholische Kirche habe in der Vergangenheit viel Schlimmes bewirkt", resümiert P. Helm. Es fehlten Kontrollinstanzen von unabhängiger Seite, um Missstände aufzuzeigen.

Missstände vorbeugen heute

Die Situation heute habe sich inzwischen grundlegend geändert. In seiner Ordensgemeinschaft, den Steyler Missionaren, kommen etwa nur mehr die wenigsten Mitbrüder aus Europa, "da ist die Gefahr, einer Weitergabe des europäischen Imperialismus kaum gegeben", so P. Helm. 

Die ORF-Folge mit P. Franz Helm  ist noch bis 10. Juli hier abrufbar.

 

[elisabeth mayr]

 

"Die geistliche Erhöhrung der Macht in der katholische Kirche habe in der Vergangenheit viel Schlimmes bewirkt"

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