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Stephan Sahm: "An der Seite des Lebens"

"An der Seite des Lebens" erschien 2021 in der echter-Reihe "Franziskanische Akzente" und ist eine wichtige Stimme in der Diskussion um selbstbestimmtes Sterben. Eine Rezension von Alois Johannes Buch.

cover sahm stephan an der seite des lebens

Klärungen zur Palliativmedizin sind dringlich, auch da sachgerechtes Handeln am Lebensende, besonders das Problem der Hilfe bei Selbsttötung, fachspezifisch wie gesellschaftlich neue Aufmerksamkeit finden; dies nicht zuletzt wegen der in Deutschland derzeit offenen Rechtsregelung geschäftsmäßiger Hilfe beim Suizid, ebenso der Kontroverse über Akzeptanz von Suizidbeihilfe in kirchlich getragenen medizinischen und pflegerischen Einrichtungen.

Stefan Sahm, Arzt und ausgewiesener Bioethiker, nimmt diesen vielgestaltigen Diskurs auf, er bereichert ihn um Einsichten aus anderen Ländern und weitet den Blick auf grundsätzliche Aspekte, die zugleich das Erfordernis erneuter Vergewisserung verdeutlichen. Diese betrifft etwa Einstellungen zum (selbstbestimmten) Sterben, Veränderungen der (Selbst-) Wahrnehmung medizinischer Professionen, Möglichkeiten und Grenzen differenzierter medizinischer Behandlung, besonders auch Klärungen zu Sterbebegleitung, aktiver Sterbehilfe und Suizidassistenz, aber ebenso die Bestimmung von Zielen und Grenzen der Human-Medizin sowie verdeckte Motive bestimmter medizin-ethischer Positionierungen.

Inhaltliche Auswahl und Akzentuierung spiegeln die Überzeugung des Verfassers, wonach moralisch relevante Urteilsbildung die Kenntnis von Sachverhalten, Argumenten und Gründen voraussetzt: So geht es um Art und präzise Begriffe von Handlungen am Lebensende, um Grenzen der Indikation und Begrenzungen der Therapie bzw. (ggf. gebotene) Änderung ihres Ziels, sodann um Anliegen und Praxis der Palliativmedizin und ‚palliativer Kultur‘; teilweise kontrastierend hierzu werden aktive Sterbehilfe auf Verlangen und Suizidhilfe sowie Umgang mit suizidalen Sterbewünschen aufgenommen; es schließen sich Darlegungen an zu konkreten palliativmedizinischen Handlungsbereichen (palliative Sedierung, Ernährungspflicht und -verzicht), sowie zu Aspekten der Selbstbestimmung am Lebensende; abschließend finden sich Hinweise zu rechtlichen Regelungen der Suizidassistenz, vor allem aber grundlegende Erwägungen zu motivationalen Quellen von Ethik und sittlichem Handeln, eigens auch zu (christlich gegründeter) Barmherzigkeit und Solidarität.

Ethische Herausforderungen und breite Erfahrung aus ärztlicher Praxis verknüpfend, plädiert der Autor nachdrücklich für umfassende ‚Sterbebegleitung statt Sterbehilfe‘, orientiert an der Würde und Achtung des Lebens und dem Axiom prinzipieller Präferenz seiner Existenz. Hierfür benennt er Gründe und Sachverhalte, hierzu trägt er empirisch unterlegte wie ethisch und anthropologisch reflektierte Argumente bei; und hierauf bezogen setzt er sich kritisch mit andersgearteten Positionen auseinander – insbesondere mit solchen, worin die „Herbeiführung des Todes von Kranken“ als „Gegenstand medizinischer Handlung und Pflege“ befürwortet wird, insbesondere wiederum mit Blick auf Suizidassistenz.

Sofern in diesen Buch mit gewichtigen Gründen die ethischen Herausforderungen am Lebensende als lebens-wichtig für alle ‚sterblichen Menschen‘ verdeutlicht werden, wirkt es nur konsequent, dass es sich an einen breiten Leserkreis und besonders an all jene wendet, „die Menschen am Lebensende begleiten“. Auch wenn ausdrücklich kein ‚Lehrbuch‘ angezielt ist, gelingt es doch, gewissermaßen beiläufig unverzichtbare Kernelemente sachgerechter Entscheidungsfindung und damit verantwortlichen Handelns überhaupt instruktiv zu verdeutlichen. Trotz der aus der Sache gegebenen Komplexität ist das Buch in seiner anschaulichen Sprache gut lesbar. Gerade wenn einige seiner pointierten Thesen zu Kritik und Klärung anregen mögen, ist es jedenfalls lesenswert, da gleichermaßen informativ wie orientierend für alle jenes, was zu verantwortlicher Gestaltung eines menschengemäßen Lebensendes individuell wie und gesellschaftlich zu bedenken und zu entscheiden ansteht.

Alois Johannes Buch

Über den Rezensenten:

Alois Johannes Buch, geboren 1951 in Offenbach am Main, ist deutscher Moraltheologe und Stiftungsmanager. Er war Geschäftsführer des Cusanuswerkes und von missio Deutschland bevor er in die Leitung der C&A Stiftung wechselte. Parallel blieb er der Lehre verbunden. Er hat zahlreiche Bücher zur Moraltheologie veröffentlicht. Seit 2010 ist er Ständiger Diakon und wirkt ehrenamtlich in einer Pfarre mit. 

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