Geistliche müssen wieder lernen echte Fragen zu stellen

Abt Johannes Eckert der Benediktinerabtei Sakt Bonifaz in München und Kloster Andechs postuliert, dass in der Kirche das Fragen neu gelernt werden müsse. Geistliche seien gewohnt immer nur Antworten zu geben aber heute gehe es darum, zuzuhören und echte Fragen zu stellen. Die Dogmatik dürfe nicht dazu führen, dass keine Fragen mehr gestellt werden.

 

Bildschirmfoto 2020 12 29 um 13.46.37

Abt Johannes Eckert zieht ein kritisches Resümee (c) munichfoto

Muss in der Kirche das Fragen neu gelernt werden?

Nicht immer nur Antworten geben Wieso, weshalb, warum? In der katholischen Kirche muss das Fragen und der Umgang damit wieder neu gelernt werden. Davon zeigt sich der Benediktinerabt von Sankt Bonifaz in München und Kloster Andechs, Johannes Eckert, überzeugt. "Gerade wir Geistlichen sind es gewohnt, immer nur Antworten zu geben. Aber in der geistlichen Begleitung geht es darum, zuzuhören und echte Fragen zu stellen", sagte der Ordensmann in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

An einer Dogmatik könne man sich orientieren, aber sie dürfe nicht dazu führen, dass keine Fragen mehr gestellt würden.


Umkehr in der Kirche nötig

Angesprochen auf die Krise der Kirche sagte Eckert, es brauche dringend eine Umkehr. Dabei monierte er, dass die Kirche sich in der Pandemie sehr stark auf das Thema Gottesdienste beschränke; aber genauso wichtig sei die gelebte Nächstenliebe. "Das einzige liturgische Gewand, das Jesus anzieht, ist die Schürze, um den Jüngern die Füße zu waschen.

Sie ist die Schutzkleidung, die Menschen etwa auf der Intensivstation anlegen, um andere zu pflegen. Wenn da Kirche erfahrbar wird, dann ist sie glaubwürdig."
Deshalb sehe er ihre Zukunft vor allem im sozialen Bereich, so der Abt. Warum lässt Gott Leid zu? Auf die Frage, warum Gott Leid zulasse, lasse sich keine Antwort finden, räumte der Ordensmann ein.

Gott bleibe diese den Menschen schuldig. "Doch im Angesicht meines Todes erwarte auch ich von ihm eine Antwort auf das Leid." Dem Menschen bleibe nur die Möglichkeit, das Warum in ein Wozu zu wenden. Das sei jedoch ein langer Prozess.

"Mich erstaunen immer wieder Menschen", sagte der Abt, "die dies können und sagen, durch die Einschränkungen ihrer Krankheit sei ihr Leben intensiver geworden."

Im Herder-Verlag ist aktuell das neue Buch von Abt Johannes Eckert erschienen. Es trägt den Titel "Was sucht ihr?" und beschäftigt sich mit den Fragen Jesu im Johannes-Evangelium.

 

 

Quelle: domradio.de

[magdalena schauer-burkart]