Mumien der drei Pröpste in Waldhausen ab sofort zugänglich

Bis jetzt haben die drei (Teil)Mumien des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes in Waldhausen ein Leben im Dunkeln geführt. Seit 06.09.2020 gehört dies nun der Vergangenheit an: Im Rahmen einer kleinen Feier wurden einerseits die Ergebnisse der High-Tech-Medizin sowie der neu gestaltete Gruftraum präsentiert.

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Die Mumie von Propst Laurentius Voss ist eine der drei Mumien, die ab sofort öffentlich besichtigt werden können. (c) Judith Wimmer/Kunstreferat

In der Gruft unterhalb des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Waldhausen (OÖ) befinden sich drei (Teil-)Mumien. Gestern, am 06. September 2020, wurden in der Stiftskirche die Ergebnisse der naturwissenschaftlich-medizinischen Untersuchungen, durchgeführt von den Münchner Mediziner Prof. Andreas Nerlich und Prof. Oliver Peschel, präsentiert. Dasselbe Team hatte bereits 2017/2018 die Befundung der Mumie aus St. Thomas am Blasenstein, dem sogenannten „Luftgselchten Pfarrer“, durchgeführt.

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Der neu gestaltete Gruftraum ist ab sofort für Besucherinnen und Besucher geöffnet. (c) Judith Wimmer/Kunstreferat

Drei Pröpste aus dem 17. Jahrhundert

Computertomographie, Radiokarbondatierung, Stabil-Isotopen-Bestimmung, chemische und mikrobiologische Analysen sind das Repertoire der High-Tech-Medizin, die auch bei Mumien angewendet werden. So konnten nicht nur Kenntnisse über Alter, Lebensgewohnheiten, Krankengeschichte und Sterbezeitraum der drei Männer gewonnen werden, sondern auch ihre Identität konnte höchstwahrscheinlich geklärt werden: Bei den Bestatteten handelt es sich um Propst Maximilian Rathgeb (1614–1647), Propst Laurentius Voss (1647–1680) – den Erbauer der barocken Stiftskirche – und um Propst Marzellinus Wilhelm (1680–1684).

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Forensische Gesichtsrekonstruktion des Propstes Marzellinus Wilhelm (1680–1684). (c) Lukas Fischer/3D-Construct

Letzterer war der einzige, von dem ein kompletter Schädel vorlag. Somit war es in seinem Fall möglich, eine forensische Gesichtsrekonstruktion herzustellen. Bei der Haar- und Bartmode orientierte man sich an zeitgenössischen Porträts von Pröpsten. Belegt werden konnte auch die gute Ernährungslage im Stift, die sogar zu typischen „Wohlstandserkrankungen“ wie Arteriosklerose und in einem Fall zu Adipositas führte. Zudem litten zwei Pröpste an Lungentuberkulose, was den hohen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung widerspiegelt. Diese Krankheit kann ev. auch als Todesursache angenommen werden. Aufgrund der barocken Schuhmode sind auch zum Teil stark ausgeprägte Hammerzehen vorzufinden.

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Altbischof Maximilian Aichern OSB segnet gemeinsam mit dem Waldhausener Pfarrer Msgr. Karl Wögerer die drei Mumien. (c) Judith Wimmer/Kunstreferat

Die Unterstützung der Münchner Wissenschaftler bei der Befundung sowie den begleitenden konservatorischen Maßnahmen an den Mumien bedeutet ein großes Entgegenkommen für die Pfarre Waldhausen. Ermöglicht wird dies durch die finanzielle Unterstützung des Vereins „Archäomedizin – Förderverein für interdisziplinäre Paläopathologie e. V.“ in München. Begleitet wurden die Maßnahmen durch das Kunstreferat/Diözesankonservatorat der Diözese Linz.

Die drei Pröpste fanden nun ihre letzte Ruhestätte in einem würdig gestaltetem Gruftraum, der zum Innehalten einlädt. Im Rahmen der Feierlichkeiten segneten Altbischof Dr. Maximilian Aichern und der Waldhausener Pfarrer Msgr. Karl Wögerer die Verstorbenen. Die Mumien können ab sofort besichtigt werden.

Quelle: Kommunikationsbüro der Diözese Linz

[elisabeth mayr]