Berufungspastoral ist Chefsache

Der neue Provinzial der Salesianer Don Boscos in Österreich, P. Siegfried Kettner SDB, will die Berufungspastoral im Orden zur Chefsache machen. Das hat er dieser Tage im Gespräch mit Kathpress und der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" betont.

20200825 Abschied Salesianer Don Bosco Graz2 Foto Gerd Neuhold

P. Siegfired Kettner SDB, hier mit Sr. Melitta Wimmer SCSC, möchte jungen Menschen die Sendung näherbringen. (c) Gerd Neuhold

Schon bisher habe er sich sehr um die Berufungspastoral angenommen, nun wolle er dies auch als Provinzial gemeinsam mit einem Team weiterführen. Wie in vielen anderen Orden fehlt der Nachwuchs auch bei den Salesianern. Aber, so P. Kettner: "Wir merken auch, dass diese Umstände uns zu einer Konzentrierung und Klarheit in unserer Sendung zwingen. Also die Sorge für junge Menschen mit ihren vielfältigen Nöten."

Dieser Sendung ordne sich im Orden vieles unter, wie P. Kettner im "Sonntag" erläuterte: "Wir haben keine gemeinsamen Gebetszeiten, die strikt eingehalten werden, und dann kommt die Arbeit, und danach wird der Tagesablauf auch strukturiert, sondern bei uns kommt zuerst das Apostolat. In jedem Haus ist es ein bisschen anders, etwa in einer Pfarre oder einem HTL-Schülerheim. Wir wurden gegründet, um uns für andere Menschen einzusetzen. Don Bosco wollte keinen Orden gründen, er wollte für die jungen Menschen da sein und hat Mitarbeitende gesucht."

Eine Kraftanstrengung bestehe darin, "jungen Menschen unsere Sendung nahezubringen", so der Provinzial. Eine zweite große Herausforderung sei, "dass wir Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, immer mehr einführen in den Geist, in dem wir das tun. Und ich hoffe, wir ticken so, wie Don Bosco in seiner Zeit getickt hat". Im Orden setze man deshalb stark auf die salesianische Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiter, ob hauptamtliche oder ehrenamtliche. "Gemeinsam mit dem weiblichen Zweig der salesianischen Sendung haben wir auch das Don Bosco-Bildungsforum gegründet."

Aber nicht nur die Mitbrüder, sondern auch Menschen in den Pfarren und Don Bosco-Einrichtungen seien mit ihren persönlichen Ressourcen im Einsatz. P. Kettner: "Wir setzen immer mehr auf Kooperation mit den Menschen guten Willens. Wenn sie so ticken wie wir, dann können wir gut zusammenarbeiten und Kooperationen eingehen auf Dauer oder auf Projektbasis." Mit der Stadt Wien arbeite man etwa im Bereich der Jugendarbeit zusammen und betreibe einige Jugendzentren, "da werden die angestellten Sozialarbeiter von der Stadt Wien bezahlt". Der Orden stelle aber auch Räume und Infrastruktur zur Verfügung.

Mehr als Sozialarbeiter

Orden seien grundsätzlich ein Platz für gottsuchende Menschen, so der Provinzial: "Nur um Sozialarbeiter zu werden, muss man nicht bei uns in den Orden eintreten. Es ist aber sinnvoll, wenn ein Gottsuchender auch ein die Menschen Suchender ist. Ich glaube, man findet Gott immer auch im Nächsten, der Sorgen hat, der am Rand der Gesellschaft steht, der von Armut betroffen ist, der jung ist und Unterstützung braucht." Ordens-Spezifikum der Salesianer sei, "dass wir für junge Menschen, für junge Menschen am Rande eine Aufmerksamkeit haben. Da finden wir auch immer Menschen, die mitarbeiten.

Zu seiner eigenen Entscheidung, bei den Salesianern Don Boscos einzutreten, sagte der Ordensmann: "Ich war schon immer ein großer Fan von Don Bosco. Weil Don Bosco so unkonventionell war, auch in seiner priesterlichen Berufung, um für junge Menschen da sein zu können. Don Bosco war unkonventionell, auch gegen alle Widerstände und gegen alle Obrigkeiten, staatliche oder kirchliche. Daraus ist meine Liebe zu meinem Ordensvater gewachsen. Er ist für mich ein großes, nachahmenswertes und wohl nie erreichbares Vorbild."

Das ausführliche Interview mit P. Kettner wird am Montag, 31. August, um 17.30 Uhr im Rahmen der Sommergespräche auf "radio klassik Stephansdom" gesendet. (Wiederholung: Sonntag, 6. September, 17.30 Uhr.)

Quelle: kathpress

[martin gsellmann]