Seelsorge geht auch durch den Magen

Klemens Maria Hofbauer ist nicht nur der Stadtheilige Wiens, er war auch gelernter Bäcker und galt als Grenzgänger und Überwinder, seien es geografische oder Mentalitätsgrenzen gewesen. Die Sozialfürsorge war sein Steckenpferd und so transportierte er Lebensmittel unter seiner Soutane zu den Armen am Rande der Gesellschaft. Die Klemensweckerl heute werden ebenfalls zu Charity-Zwecken gebacken.

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Die Klemensweckerl werden 6 Wochen lang verkauft und der Erlös geht an Wiens mobiles Kinderhospiz MOMO (c) magdalena schauer

Gerne auch Redemptouristen, nur keine Redempterroristen

Am 9.3.2020 wurde bei einer Pressekonferenz in der Bäckereiinnung in Wien die Klemensweckerl-Aktion vorgestellt: Das Backen und die Segnung von Klemensweckerln zum Festtag des Heiligen am 15. März hat lange Tradition. Klemens Maria Hofbauer der seine Berufslaufbahn als Bäckerlehrling begonnen hat wurde später auch zum Patron der Bäcker. Er ist mehrmals aus seiner Heimat Südmähren nach Rom gepilgert und hat auf einem dieser Wege die Redemptoristen kennengelernt. (Redemptor= der Erlöser)
„Sie dürfen auch gerne Redemptouristen zu uns sagen, das stört uns nicht denn Klemens war ja auch viel unterwegs, nur bitte machen Sie keine Redempterroristen daraus!“ schmunzelte P. Martin Leitgöb bei der Pressekonferenz.

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Pressekonferenz zur Präsentation der Klemensweckerl (c) magdalena Schauer

Weckerl-Aktion mit Charityzweck

Heuer gibt es die Klemensweckerl nicht zur zum Festtag des Heiligen, sondern sechs Wochen lang in zahlreichen Wiener Bäckereien (13. März bis 25. April 2020). Die Aktion erinnert daran, wie sehr dem Stadtheiligen auch das materielle Wohl der Menschen, insbesondere der Kinder und der Armen, ein Anliegen war.

Seelsorger und Leib-Sorger

Er hat sich um junge Menschen am Rande der Gesellschaft gekümmert, sein großes Steckenpferd war die Sozialfürsorge. Zur Zeit der anbrechenden Industriealisierung des 19. Jahrhunderts hatte er eine große Empathie für materielle Nöte und versuchte nach seinen Möglichkeiten zu helfen. Um ihn ranken sich viele Geschichten, eine unterstreicht sein Durchhaltevermögen und seine Hartnäckigkeit: Um Spenden zu sammeln ging er oft von Gasthaus zu Gasthaus, trat an die Tische heran und bat die Gäste um Spenden. Ein Gast habe ihn deshalb angespuckt. Anstatt sich zu beschweren hätte P. Klemens sich den Speichel abgewischt und seine Kappe mit den Worten: „So mein lieber Herr, das war jetzt für mich persönlich, aber geben Sie bitte trotzdem etwas für die Kinder“ aufgehalten.

Heute beteiligen sich die Bäckereien, Felber, Grimm, Der Mann, Josef Schrott, Szihn und Wannenmacher an der Weckerl-Verkaufs-Aktion die ebenfalls einem guten Zweck nachgeht.

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Die Klemensweckerl hatten früher 3 Kreuze eingeritzt (c) magdalena schauer

 

Unterstützung von MOMO- Wiens mobilem Kinderhospiz und Kinderpalliativteam

Der Reinerlös von 20 Cent pro Weckerl kommt dem Wiener mobilen Kinderhospiz und Kinderpalliativteam MOMO zugute. (kinderhospizmomo.at) Das multiprofessionelle MOMO-Team begleitet schwerstkranke Kinder und ihre Familien ab der Diagnose und bietet umfassende Unterstützung zu Hause: medizinische Versorgung, professionelle Pflege, physiotherapeutische Behandlung, sozialarbeiterische Beratung, musiktherapeutische, psychologische, ehrenamtliche und seelsorgerische Begleitung, in Kooperation mit Spitälern und mobilen Kinderkrankenpflege_diensten.
Seit 2013 betreutet MOMO bereits 314 Familien, aktuell werden 95 unterstützt.

Am Sonntag, den 15. März findet um 10:15 Uhr ein großer Festgottesdienst im Stephansdom zu Ehren des Heiligen statt. Hier werden auch die Klemensweckerl gesegnet.

Schülerinnen ebenfalls auf den Spuren des Heiligen

Das Schulamt der Erzdiözese Wien hat in Zusammenarbeit mit den Redemptoristen eine kindgerechte Broschüre über den Stadtpatron von Wien publiziert. Diese beinhaltet u.a. einen Rätselpfad durch das Wiener Stadtzentrum auf den Spuren des Heiligen. Andrea Pinz, Schulamtsleiterin der Stadt Wien bezeichnet das Projekt als Musterbeispiel: Kinder und Jugendliche würden mit Hand, Herz und Hirn lernen und sich mit Themen auseinandersetzen. Alle Schülerinnen hätten so die Person Hofbauer kennengelernt. Er könne Rolemodel für junge Leute sein, denn er sei ein visionärer Denker mit großem Herz gewesen der sich nicht anpasste. Religionsunterricht solle eine Anleitung für ein gutes und sinnerfülltes Leben sein, indem man auch gesellschaftliche Verantwortung übenehme. Frei nach dem Motto „Mut schmeckt gut“ machen alle 800 Schulen Wiens, die katholischen Religionsunterricht haben, mit.  

Nur Mut, Gott lenkt alles

Nur Mut, Gott lenkt alles war das Lebensmotto des Stadtheiligen. Eine überlieferte Begebenheit erzählt, dass P. Klemens an einem Mann vorbeiging, der sich in den Wienfluss stürzen wollte. Er ging zu ihm und bat ihm Schnupftabak an, verwickelte ihn in ein Gespräch und konnte ihn zu sich mit nach Hause nehmen. Dort haben sich die beiden über ihr Leben unterhalten und Hofbauer konnte den Mann überzeugen dass jedes Leben seine Krisen hat, doch dass man sie mit Gottvertrauen überwinden kann. „Nur Mut, Gott lenkt alles!“ war sein Motto und gilt  auch als heimliche Parole des Jubiläumsjahres.

Beschrieben wird der Mensch Klemens Maria Hofbauer als eine Person mit Ecken und Kanten. Seine Schwäche sei sein großer Jähzorn gewesen. Er wusste um sie und konnte sie gut akzeptieren, so habe er gesagt: Ich weiß um meinen Fehler aber ich danke Gott dafür, denn ansonsten wäre ich verleitet mir jeden Tag die Hand zu küssen aus Hochachtung vor mir selbst.

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Alle Kinder mit katholischem Religionsunterricht in Wien beschäftigen sich heuer mit dem Stadtheiligen Klemens Maria Hofbauer- die nach ihm benannten Weckerl werden dabei auch nicht verschmäht. (c) Magdalena Schauer

Hl. Klemens Maria Hofbauer

Der Heilige Klemens wurde 1751 als Johannes Hofbauer im südmährischen Tasswitz (Tasovice) bei Znaim (Znojmo) geboren und erlernte, da aus armen Verhältnissen abstammend, das Bäckerhandwerk. Er kam nach Wien, wo er ebenfalls als Bäcker arbeitete und Theologie studierte, da er Priester werden wollte. Nach mehreren Fußwallfahrten nach Rom trat er dort 1783 in den Redemptoristenorden ein. Von seinen Oberen zurückgeschickt, konnte er in Zeiten des Josephinismus zunächst in Wien nicht tätig werden und entfaltete stattdessen zunächst ein reiches Wirken in Warschau. Er gründete Waisenhäuser, Schulen und Handwerksschulen, verwandelte die Kirche St. Benno, von wo aus er die deutschsprachige Gemeinde leitete, in ein religiöses Zentrum und sorgte vor Ort auch für zahlreiche Ordensberufungen.

1908 kam Hofbauer nach Wien, wo er zunächst Hilfsseelsorger in der Minoritenkirche war und später als Rektor der Klosterkirche St. Ursula seine unverwechselbare Pastoral begann. Er war Beichtvater und Geistlicher Begleiter von Studenten, Adeligen und einfachen Menschen, zudem sorgte er persönlich für materielle Hilfe für Menschen in Not. Noch in Hofbauers Todesjahr 1820 wurde die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen in Österreich zugelassen. Das Wiener Kloster "Maria am Gestade", wo heute seine Reliquien ruhen, wurde zum Ausgangspunkt für die weltweite Verbreitung der Ordensgemeinschaft. 1909 wurde Hofbauer von Papst Pius X. in Rom heiliggesprochen, 1914 wurde er vom Vatikan zum Stadtpatron Wiens erhoben. (kathpress)

 


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