"Salzburger Armenbibel" erscheint neu als Faksimile-Druck

Ein prominentes Beispiel einer "Biblia pauperum" wird nun als Faksimile-Druck im Verlag Anton Pustet neu aufgelegt: Es handelt sich um die "Salzburger Armenbibel", die Handschrift a IX 12 aus dem Benediktinerstift St. Peter in Salzburg.

 

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Die wieder aufgelegte "Salzburger Armenbibel" umfasst ca. 80 Seiten und kostet 49 Euro. (c) Salzburg, Bibliothek der Erzabtei St. Peter

Der 36 Bildgruppen umfassenden Faksimile-Druck der Handschrift aus dem 15. Jahrhundert folgt eine Einführung von Karl Forstner, dem früheren Leiter der Salzburger Universitätsbibliothek sowie seine akribische Übertragung der Textpassagen. Mitgearbeitet an der vierten, veränderten  Auflage bei Pustet-Verlag erschienenen Werkes hat Sonja Führer, Leiterin der Stiftsbibliothek in der Erzabtei St. Peter.

Armenbibel: Bezeichnung stimmt so nicht

"Armenbibel sei eigentlich eine irreführende Bezeichnung", informiert uns Sonja Führer. "Die Bibel war nicht für Laien bestimmt. Ganz im Gegenteil war ein gewisses Bildungsniveau Grundvoraussetzung dafür, die Bilder und Texte zu verstehen. Oft sind die Armenbibeln hochwissenschaftliche Gedankengebäude, die von Geistlichen produziert wurden, um typologische Zusammenhänge zwischen Neuen und Alten Testament herzustellen."

Woher dann die falsche Bezeichnug? "Das passierte ein paar Jahrunderte später - durch falsche Interpretation der Handschriften. Es war lange Zeit üblich, Handschriften ohne Titel zu versehen. Der Titel wurde nachträglich vergeben zu einer Zeit als es mehr Schriftgut gab und Menschen neu organisieren mussten", so Führer. 

Grundsätzlich sind Armenbibeln mittelalterliche Sammlungen von Blättern, auf denen meistens jeweils eine Szene aus dem Neuen Testament oder einer ihm zugeordneten Überlieferung von Szenen und Texten aus dem Alten Testament umrahmt wird.  Als eines der schönsten Exemplare mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Bild und Text gilt die im März neu aufgelegte Salzburger Armenbibel.

Quelle: kathpress, Stiftsbibltiothek St. Peter

[martin gsellmann]