Sr. Franziska Bruckner: Arbeit und Würde von Frauen in der Kirche anerkennen

Die Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Sr. Franziska Bruckner, im Interview über Weltfrauentag, sexuelle Ausbeutung, Nachwuchsmangel und politische Forderungen.

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Kirche wird als großteils als männerdominierte Kirche wahrgenommen, so Sr. Franziska Bruckner. (c) Magdalena Schauer

Die Arbeit und Würde von Frauen in der katholischen Kirche muss mehr anerkannt werden: Das hat die Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Sr. Franziska Bruckner, kurz vor dem internationalen Weltfrauentag (8. März) im Interview mit Kathpress am Sonntag betont. Denn noch werde die Kirche vor allem als "männerdominierte Kirche" wahrgenommen, obwohl Frauen "in der Kirche und als Kirche tätig sind", so die Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus.

"Wir Ordensfrauen sind zwar oft leise und nicht unbedingt an vorderster politischer Front, spielen aber trotzdem eine wichtige Rolle in Kirche und Gesellschaft", sagte Bruckner. Schwestern würden zwar vordergründig keine politischen Umwälzungen herbeiführen, seien aber vor Ort, wo Hilfe gefragt ist, etwa in der Unterstützung von Opfern des Menschenhandels oder in der Unterstützung von Asylwerbern.

"Frauen haben es vielleicht verstärkt in sich, dass man sich nicht wehren darf", erklärte Bruckner. Diese Haltung sei aktuell zwar kaum noch vorhanden, aber noch vor wenigen Jahrzehnten sehr üblich gewesen. "Wir sind alle Kinder unserer Zeit", meinte Bruckner; so sei es vor allem in den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg üblich gewesen, dass Schwestern auch harte körperliche Arbeit leisten mussten. Die Generaloberin könne hier nicht ausschließen, dass dies manche Ordensfrau als Belastung und Überforderung erlebt hatte.

Von großer Bedeutung sah Bruckner die derzeitige Sensibilisierung in puncto des sexuellen und geistigen oder geistlichen Missbrauchs in der Kirche und durch Mitglieder von Ordensgemeinschaften. Denn auch Ordensfrauen könnten Opfer von Ausbeutung, Missbrauch oder falsch verstandener Autorität werden. Aktuell seien die Überarbeitung der Rahmenordnung der Österreichischen Bischofskonferenz und das intensive Arbeiten an der Veränderung von möglichen Abhängigkeitsstrukturen innerhalb von Ordensgemeinschaften in Gange.

Überalterung und Nachwuchsmangel

Als größte Herausforderung für die österreichischen Frauenorden nannte Bruckner deren Überalterung. Zwar gebe es noch Schwesterngemeinschaften, die auch heute noch Frauen ansprechen sowie einen Nachwuchs vorweisen könnten, aber auch jene, die schon lange keinen Ordenseintritt mehr hätten und schlicht älter würden. Somit zähle man als Ordensfrau in der heutigen Gesellschaft beinahe zu einer "Art aussterbenden Spezies". Nachsatz von Bruckner: "So ganz richtig ist das auch nicht, denn dafür ist die Vielfalt der Ordensfrauen in Österreich zu lebendig."

In puncto Nachwuchsmangel wolle Sr. Franziska Bruckner "nicht schwarzmalen, da die Berufung jeder Ordensfrau sehr individuell ist". Gemeinsam sei ihnen anfangs eine Faszination am Orden und dessen Sendung in der Welt, oftmals ausgelöst durch aktive und engagierte Schwestern, die andere Frauen begeistern und begleiten. Ausbaufähig sei aber die Begleitung berufener Frauen und "es stellt sich auch die Frage, ob wir hellhörig genug sind?", so Bruckner selbstkritisch. Jedoch sollten Berufungen auch gesellschaftlich nicht als "Spinnerei" abgetan, sondern ernst genommen werden: "Denn, ja es gibt junge Menschen, die diesen Weg gehen wollen." Diese gilt es zu bestärken und zu begleiten, damit sie in "großer innerer Freiheit ihren Weg gehen können".

Positiv bewertete Bruckner den guten Austausch der Ordensfrauen untereinander, die sich gegenseitig ermutigen und unterstützen. Als ein konkretes Beispiel nannte sie etwa die Pflege und Betreuung alter Ordensfrauen, die teils von anderen Gemeinschaften übernommen werde. Die große Aufgabe liege dabei in der intergenerationalen Solidarität: "Wir wollen unsere älteren Schwestern gut begleiten, dass sie in Würde alt werden können".

Quelle Kathpress

[elisabeth mayr]