"Wenn alles zu viel ist" - darum hilft Fasten

"Wir leiden an einer 'Zu-Vielisation'. Es ist alles zu viel. Das tut den Leuten nicht gut", so der Propst des Stiftes St. Florian, Johannes Holzinger, am Freitag in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Gerade die Fastenzeit mit den klösterlichen Angeboten zu Entschleunigung und Verzicht kann ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang sein.

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"Ständig diese Überproduktion von Sachen, die kein Mensch braucht", sagt Propst Holzinger. Das Motto der Modeindustrie "Fast fashion" nützt weder Mensch noch Umwelt. (c) Unsplash


Eine Umkehr könne vor allem in der Fastenzeit gelingen, denn Verzicht führe zu einer inneren Reinigung, "bis man bei sich selbst ankommt." Das "Herabsteigen" von den eigenen Ansprüchen könne bewirken, "dass man innerlich weiterkommt. Darum geht es ja eigentlich: weglassen, was man nicht braucht". Damit verbunden sei auch die Frage, "wann sich die Verantwortlichen endlich diesen Traum vom ewigen Wirtschaftswachstum abschminken werden. Bevor man sich von diesem Gedanken nicht verabschiedet, wird für die Welt nichts besser. Ständig diese Überproduktion von Sachen, die kein Mensch braucht." Fasten sei hier das Gegenteil zur Gier, die heute alles ruiniere.

Fasten macht Freude

Wer unter professioneller Leitung fasten möchte, dem empfiehlt der Ordensmann, eines der Fasten-Angebote der Klöster anzunehmen. Dort gehe es nämlich nicht nur um eine reduzierte Nahrungszufuhr sondern auch um einen spirituellen Zugang zum Fasten. "Im Evangelium sind beten, fasten und Almosen geben eng miteinander verbunden", erläuterte der Propst. Fasten sei daher nicht nur mit einer Gewichtsreduktion verbunden sondern führe dazu, "dass man alles andere mit einer gewissen Leichtigkeit angeht". Fasten sei dazu da, "einmal einen Stricht zu machen unter vieles und etwas Neues anzufangen".

Durchaus einen Stellenwert habe beim Fasten auch die Freude. Einer Fastenbewegung, die in finsteres Gesicht macht, steht er kritisch gegenüber. "Vielleicht kommt man ja durch das Fasten wieder zu Dingen, an denen man sich wirklich freut", so der Ordensmann. Kirchliches Fasten soll laut dem Propst bewusst machen, dass es unterschiedliche Zeiten und unterschiedliche Rhythmen gibt im Lebenslauf.

Angebote für kirchliches Fasten gibt es viele, aber es sind vor allem die heimischen Klöster und Gemeinschaften, die jedes Jahr zu regelrechten "Fasten-Pilgerstätten" werden und dazu laden, die 40 Tage bis Ostern einmal spirituell anders zu erleben:

Highlights aus den Fastenangeboten 2020

Heilfasten

  • Eine Fastenwoche nach hl. Hildegard von Bingen kann man in der Benediktinerabtei St. Lambrecht in der Steiermark mitmachen: Heil und Heilung stehen dabeim im Zentrum.

Spiritualität:

  • Leise Töne schlägt man im Schloss Wohlgemutsheim an: Bei den besinnlichen Tage "Weniger ist mehr" bereiten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Stille und Gebet auf Ostern vor. 
  • Die Kapuziner in Wien laden ein zur wöchentlichen Bibelrunde: "Das Wort Gottes - unsere Kraft und Stärke". Jeden Mittwoch nach der 16.00 Uhr Messe.

Zu den weiteren Fastenangeboten.

Quelle: Kathpress, Ordensgemeinschaften

[elisabethmayr]